Karpfen, Wäsche und ein Prosit

Diese Bräuche gehören fest zu Silvester

Das Anstoßen zu Mitternacht hat sich als Silvester-Tradition etabliert.
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Das Anstoßen zu Mitternacht hat sich als Silvester-Tradition etabliert.

Rituale sind mit ihrer Zuverlässigkeit etwas Wunderbares, auch und gerade nach den Weihnachtsfeiertagen.

Werra-Meißner – Denn wer hat in dieser Stimmung schon Lust, sich zwischen den Jahren Gedanken zu machen etwa über die Menüfolge zu Silvester. Entspannend wohltuend also sind die immer wiederkehrenden Bräuche zum 31. Dezember:

Geschmackssache

Hierzulande gibt es zu Silvester traditionell nur eine Frage: Fondue oder Raclette? Käse oder Fleisch? Der Rest der Welt ist da sehr viel mutiger: In Spanien werden zu den zwölf Glockenschlägen an Mitternacht zwölf Trauben gegessen. Zum letzten Schlag muss der Mund leer sein, also hält man beim Einkaufen am besten nach kleinen Trauben Ausschau. Obacht vor dem Basilius-Brot aus Griechenland: Dort wird das Glück in Form einer Münze in den Teig eingebacken. Wer das Geldstück findet, ohne sich einen Zahn auszubeißen, hat gleich doppelt Glück.

Ein (fast) vergessener deutscher Silvesterbrauch ist nur etwas für wirklich Tapfere: Wer einen Karpfen serviert, nimmt dem Fisch eine Schuppe ab und legt sie sich ins Portemonnaie. Geld stinkt nicht, heißt es.

Vorsicht vor Gräten

Apropos Fisch: Vorsicht vor den Gräten zum Jahreswechsel! Denn „Silvester“ ist nach Papst Silvester I. benannt, dem zu seiner Zeit ein schrecklicher Ruf vorauseilte. Silvester I. war dafür bekannt, dass Ungläubige in seiner Gegenwart an Fischgräten erstickten. Der Todestag des Papstes fällt auf den 31. Dezember 335. Der Aberglaube besagt daher, dass am Silvesterabend Fisch nur mit Vorsicht genossen werden sollte.

Arbeit ruhen lassen

Nicht schwer fallen dürfte den meisten Menschen der Brauch, die Arbeit an Silvester ruhen zu lassen. Auch dazu gibt es eine Vorgeschichte: Die Menschen in frühen Zeiten waren überzeugt, dass die Sonne an ein Rad gebunden ist, welches sich wiederum um die Erde dreht. Die Götter lassen das Rad an Silvester ruhen. Dem sollte man nun gehorchen und alle Arbeit am letzten Tag des Jahres liegen lassen.

Insbesondere Wäsche waschen wäre alten Traditionen nach bedenklich, da sich böse Geister vermehrt aus ihren Verstecken trauen. Wotan, der Toten- und Sturmgott, treibt demnach mit seinem Teufelsheer am Silvesterabend sein Unwesen und wäre sicher sehr verärgert, wenn seine Schar sich in den Wäscheleinen verheddern würde.

Gänse meiden

Glück kann man nie genug haben. Damit das im neuen Jahr gelingt, sollte man nach einem alten Glauben kein Geflügel, insbesondere Gänse, verärgern. Denn andernfalls verfliegt das Glück mit der Gans. Etwas weniger absurd ist der Tipp für den Geldsegen: Damit man im neuen Jahr keine finanziellen Probleme hat, empfiehlt ein alter Brauch, am 31. Dezember Linsensuppe zu essen. Die Linsen stehen dabei für Geldmünzen. Also, viel Linsensuppe zu essen hilft dementsprechend viel.

Prosit zu Mitternacht

Auch im kleinen Kreis klirren um Punkt Mitternacht die Sektgläser. Das Anstoßen mit Sektgläsern hat sich mittlerweile als Tradition etabliert und besiegelt den Wechsel in das neue Jahr. Begleitende Sprüche wie „Prosit Neujahr“ oder „Guten Rutsch“ sind nicht einfach bedeutungslos dahergesagt, sie haben jeweils interessante Hintergründe. „Prosit“ wurde aus dem Lateinischen übernommen und heißt so viel wie „Lass es gelingen“. Auch mit dem „Guten Rutsch“ soll nicht der Rutsch ins neue Jahr gemeint sein. Es lässt sich vom jiddischen Wort „Gut Rosch“ ableiten, was wiederum Anfang bedeutet. (Von Emily Hartmann)

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