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Werra-Meißner Lab steht kurz vor der Eröffnung: Digitale Hilfe für alle im Kreis

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Von: Eden Sophie Rimbach

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Das Team des Werra-Meißner Labs: (von links) Curtis Große, Elena Garcia und Daniel Carl.
Das Team des Werra-Meißner Labs: (von links) Curtis Große, Elena Garcia und Daniel Carl. © Eden Sophie Rimbach

Eschwege – Am Mittwoch wird das Werra-Meißner Lab offiziell eröffnet. Aktiv im Werra-Meißner-Kreis sind Projektleiter Curtis Große sowie die Projektmanager Elena Garcia und Daniel Carl allerdings schon seit mehreren Monaten. Im Interview stellen sie das Angebot und sich selbst vor.

Frau Garcia, Herr Große, Herr Carl, was genau ist das Werra-Meißner Lab?

Große: Das Werra-Meißner Lab ist die zentrale Anlaufstelle für Digitalisierungs-Initiativen im Werra-Meißner-Kreis. Es geht darum, Leute miteinander zu vernetzen, die im Bereich der Digitalisierung entweder tätig sind oder mehr darüber erfahren wollen. Es ist dreiteilig aufgebaut: Neben der Zentrale in Eschwege ist es mobil im ganzen Kreis unterwegs und das komplette Angebot ist zusätzlich digital abrufbar.

Carl: In der nächsten Zeit werden wir noch mehr in die Kommunen gehen.

Große: Die gesamte Ausstattung von der VR-Brille bis hin zu Bildschirmen ist daher mobil und kann beispielsweise mit in die Dorfgemeinschaftshäuser oder mit zu bestehenden Angeboten, wie dem Erzählcafé, genommen werden.

Garcia: Das Wort Digitalisierung ist ein großer Begriff. Mit unseren Angeboten wollen wir zeigen: Jeder kann von der Digitalisierung profitieren, es ist viel einfacher, als man denkt.

An wen richtet sich das Angebot?

Große: Die erklärten Zielgruppen sind Gesellschaft, Wirtschaft, Bildung und Verwaltung.

Carl: Die Bevölkerung steht dabei an erster Stelle. Wir haben bereits mehrere Gespräche mit Menschen im Kreis geführt, die mit sehr interessanten Themen auf uns zukamen. Ein älterer Herr fragte beispielsweise nach einer Instagram-Schulung. Wenn es genug Interessierte für ein Thema gibt, bieten wir die entsprechende Schulung an und kontaktieren diejenigen, die zuvor ihr Interesse bekundet haben. Dabei ist die Teilnahme immer sowohl vor Ort als auch digital möglich.

Große: In den Räumen in Eschwege sind auch Laptops, Tablets und Smartphones für die Teilnehmer vorhanden. Ein eigenes Endgerät ist also keine Voraussetzung.

Und wie viele Interessierte braucht es, um eine Schulung anbieten zu können?

Carl: Das kommt auf die Schulung an. Geht es darum, individuelle Fragen bei beispielsweise einer Instagram-Schulung für Senioren zu klären, sind es etwa sechs bis acht Teilnehmer. Wir haben auch größere Formate mit bis zu 50 Teilnehmenden.

Große: Mit unserem Kooperationspartner House of Digital Transformation aus Kassel haben wir in unseren Räumen in Eschwege bereits eine gemeinsame Schulung angeboten. Es ging darum, wie man sich als KMU (kleines und mittleres Unternehmen) erfolgreich auf der Plattform LinkedIn präsentieren kann. Da waren 30 Teilnehmer aus ganz unterschiedlichen Betrieben hier. Das reichte vom kleinen Handwerksbetrieb bis hin zum großen Mittelständler.

Sie haben eben einen Kooperationspartner in Kassel angesprochen. Mit wem arbeitet das Werra-Meißner-Lab außerdem zusammen?

Große: Weitere Partner sind das Kompetenzzentrum für Digitalisierung im ländlichen Raum (KDLR), das Zukunftszentrum Zukipro, die Diploma Hochschule, die Universität Kassel, aber auch zum Beispiel der MINT-Verein und viele junge digitale Unternehmen hier im Kreis. Bei Letzteren haben wir auch gemerkt, dass es ein hohes Interesse und eine hohe Bereitschaft gibt, das Werra-Meißner-Lab mitaufzubauen und mitzugestalten. Uns wird oft zurückgespiegelt, dass viele Menschen gar nicht wissen, dass wir solche Unternehmen hier haben. Wir arbeiten daran, sie bekannter zu machen und auch entsprechend mit anderen Unternehmen oder mit Hochschulen zu vernetzen.

Garcia: Der Tatsache, dass viele Menschen nicht wissen, welche Unternehmen es noch im Kreis gibt, möchten wir mit dem Digi-Festival am Mittwoch entgegenwirken. An diesem Tag werden sich ausschließlich Unternehmen aus dem Kreis vorstellen. Solche Formate möchten wir im nächsten Jahr fortsetzen.

Sie haben das Werra-Meißner Lab erst kürzlich bei der Berufs- und Bildungsmesse Perspektiven 2022 vorgestellt.

Garcia: Ja, unser Stand dort sollte jungen Menschen eine Art Inspiration bieten. Wir wollten digitale Berufe mehr in ihr Bewusstsein bringen. Dafür haben wir Unternehmen aus dem Kreis sowie aus Kiel und Erfurt, eingeladen, die bereits digital arbeiten. Es war beispielsweise eine Jungunternehmerin dabei, die eine Schaukel mit einer VR-Brille verbunden hat und damit eine Art digitalen Kurzurlaub anbietet. Hier im Kreis haben wir einen Experten im Bereich künstliche Intelligenz und welche für Augmented Reality. Letztere Technologie wird in Deutschland noch nicht so viel genutzt, was aus meiner Sicht sehr schade ist. Das Bewusstsein für digitale Berufe ist bei vielen Jugendlichen noch nicht da.

Auf der Messe hatten Sie ein kleines Zelt mit einer Art Kino aufgebaut. Was erwartet die Menschen in den Räumen in Eschwege?

Garcia: Ausprobieren und Kennenlernen! Die Menschen können hier verschiedene Technik nutzen.

Carl: Ausgestattet wird das Lab aktuell unter anderem mit einem 3D-Drucker. Kürzlich fragte eine ältere Dame, ob sie einmal eine VR-Brille ausprobieren dürfe. Auch diese Technik wird es hier geben. Hinzukommt ein Medienstudio, in dem beispielsweise Podcasts oder Trickfilme entstehen können. Dabei stellen wir die Technik zur Verfügung und stehen unterstützend zur Seite.

Im Landkreis gibt es Studierende, die zu ihren Unis pendeln. Können Sie die Räume für beispielsweise ein Projekt nutzen?

Carl: Ja, jeder kann unser Angebot nutzen. Die Technik ist zum Ausprobieren und Lernen da und wenn wir gerade junge Menschen im Kreis unterstützen können, dann gerne. Bei gewerblichen Anfragen, die über das Ausprobieren hinausgehen, würden wir die Interessierten an Netzwerkpartner weiterleiten.

Wie viel kostet es, die Räume vor Ort zu nutzen?

Garcia: Da wir ein gefördertes Projekt vom Land Hessen sind, sind all unsere Angebote während des geförderten Zeitraums kostenfrei.

Sie haben von der Zusammenarbeit mit Bürgern und Unternehmen gesprochen. Richtet sich Ihr Angebot auch an Vereine?

Große: Unbedingt! Wir arbeiten auch jetzt schon sehr intensiv mit Partnern zusammen, um im nächsten Jahr Formate anzubieten, die sich speziell an Vereine richten.

Carl: Es gab eine Umfrage, die die Vereine im Kreis ansprach. Es ging darum festzustellen, wo sie mit der Digitalisierung stehen und welche Hürden sie noch haben. Eine Frage war auch, wie sie während der Coronapandemie mit dem hohen Digitalisierungsdruck umgegangen sind. Die Umfrage kam von der Evangelischen Familienbildungsstätte/Mehrgenerationenhaus (FBS). Gemeinsam mit ihr werden wir die Ergebnisse auswerten und prüfen, wo wir ansetzen und die Vereine unterstützen können.

Wie sah Ihre bisherige Arbeit im Lab aus?

Garcia: Ich bin seit dem 17. Januar hier und war die erste Mitarbeiterin. Anfangs war unsere Bekanntheit sehr gering. Ich habe viele Gespräche geführt, um uns vorzustellen, und musste mich auch selbst hineinarbeiten, da das Projekt so viel Potenzial besitzt. Um dieses Potenzial richtig einzuschätzen, habe ich mich viel mit der Wirtschaftsförderung ausgetauscht und die Partner kennengelernt, mit denen wir im Rahmen des Digitalisierungsplans zusammenarbeiten.

Was sind die größten Probleme bei der Digitalisierung im Kreis?

Große: Sicherlich denkt jeder erst mal an den Breitbandausbau oder die Funklöcher. Wir setzen allerdings jenseits der Netz-Infrastruktur an. Ein Themenbereich ist zum Beispiel Smart Regions mit der Digitalisierung der städtischen Infrastruktur und von Verwaltungsprozessen. Hinzukommen Bereiche wie Augmented Reality, bei denen es im Kreis viel Potenzial gibt. Darüber hinaus sind es natürlich auch kleinere Alltagsprobleme. Wir haben beispielsweise schon Kurse gemeinsam mit der FBS umgesetzt, bei denen wir in ein Seniorenheim gefahren sind und Teilnehmer dabei unterstützen, ihre Mobilfunkgeräte in Betrieb zu nehmen und über neue Medien mit ihren Enkelkindern kommunizieren können.

Carl: Wir sehen, dass bei vielen ein großes Interesse da ist, aber es noch eine gewisse Unsicherheit im Umgang mit Technik gibt. Diese Hemmschwelle möchten wir ihnen gern nehmen.

Sie arbeiten nun im ländlichen Raum. Welche Herausforderungen gehen für Sie damit einher?

Große: Der Zugang zu den Menschen ist super spannend. Wir haben schon in den ersten Monaten interessante Gespräche mit inspirierenden Menschen geführt. Egal, ob mit der IHK, der Handwerkskammer oder mit Unternehmen. Neue Wege sind wir mit unserer Sommertour gegangen: Auf den Feierabendmärkten konnten wir ungezwungen mit Bürgern in Kontakt treten.

Ihr Angebot richtet sich an Bürger und Unternehmen im Kreis. Was möchten Sie diesen mitteilen?

Große: An beide gerichtet würde ich sagen: Kommt vorbei! Nutzt die Möglichkeiten und Angebote. Kommt aber auch mit euren Herausforderungen auf uns zu. Wir suchen nach Vernetzungspartnern und Lösungsansätzen und arbeiten gemeinsam daran, genau diese Herausforderungen abzubauen. Und da ist es egal, ob es ein Bürger mit privatem Interesse, ein junger Designer, mit dem wir schon zusammengearbeitet haben, oder ein KMU ist. Am Ende geht es darum, die Menschen zusammenzubringen, die Bedürfnisse zu sammeln und eine Lösung zu suchen.

Also nehmen Sie eine beratende Funktion ein?

Carl: Wir sind keine direkten Unternehmensberater, vielmehr arbeiten wir eher als Vermittler. Wenn wir nicht direkt unterstützen können, finden wir den perfekten Ansprechpartner.

Große: Darüber hinaus informieren, unterstützen und begleiten wir im Digitalisierungs-Dschungel.

Curtis Große: Anfang Juni ist er als letzter der drei Mitarbeiter zum Werra-Meißner Lab gekommen. Der Projektleiter hat Geographie in Aachen und Göttingen studiert. Danach arbeitete er in verschiedenen Unternehmensberatungen und zuletzt im Bereich der IT- und Software-Beratung mit den Schwerpunkten Smart City und neue Mobilitätsthemen. In dem Kontext ist er Mitgründer zweier Unternehmen.

Elena Garcia: Sie stammt aus Costa Rica und hat dort Internationale Beziehungen studiert. In Deutschland machte die Projektmanagerin ihren Master in Regionalmanagement und Wirtschaftsförderung. Sie hat durch ihre Arbeit Erfahrungen in der Immobilienbranche, in der Beratung im Bereich Energie und in der audiovisuellen Produktion gesammelt.

Daniel Carl: Mitte Februar kam der Projektmanager zum Werra-Meißner Lab. Er hat Wirtschaftsinformatik studiert und fast zehn Jahre lang Berufserfahrung bei verschiedenen Firmen gesammelt. In den Bereichen Digitalisierung, Projektmanagement und Administration von Software sowie Netzwerktechnik wirkte er an der Erarbeitung von Digitalisierungsstrategien mit. Er hat ein Start-up-Unternehmen mitbegründet.

Von Eden Sophie Rimbach

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