Nora Henschke aus Neu-Eichenberg nimmt an einer Simulation der UNO teil

Diplomatin auf Probe

Überzeugend: Nora Henschke aus Neu-Eichenberg vertritt ihren Standpunkt im Rathaus von Erfurt. Sie hat sich intensiv auf die Simulation der Vereinten Nationen vorbereitet. Foto: privat/nh

Eichenberg-Dorf/ New York. Die Lage ist alles andere als stabil. Die Energiereserven sind knapp und ihr Land braucht dringend Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus. Trotzdem bleibt Nora Henschke ruhig und souverän. Mit klaren Worten wirbt die 23-Jährige bei den Delegierten des Weltsicherheitsrats um Unterstützung für ihr Land - Pakistan.

Auch wenn es so aussieht, als wäre die junge Frau im Blazer bereits eine echte Diplomatin - noch ist sie es nicht. Nora Henschke aus Eichenberg-Dorf ist Bachelorstudentin der Politik- und Wirtschaftswissenschaften und nimmt an dem weltweit größten Planspiel der Vereinten Nationen, der Model United Nations, teil.

Studenten aus 40 Ländern

In New York treffen sich Mitte März 5000 Studenten aus über 40 Ländern, um die Politik der Vereinten Nationen so realistisch wie möglich nachzuspielen. Es ist zwar eine Simulation, aber die Abläufe und das Abstimmungsverfahren ist dasselbe. Wer überzeugen will, muss sich genau auskennen: „Hebt man die Karte im falschen Moment, beantragt man eine zweistündige Pause“, erklärt Nora Henschke.

„Ich lächle noch zu viel. Das muss ich abstellen.“

Nora Henschke

Seit Oktober vergangenen Jahres bereitet sich die 23-Jährige gemeinsam mit 17 anderen Studenten ihrer Universität, der Uni Erfurt, auf die Simulation vor, acht Stunden pro Woche. Täglich durchstöbert die 23-Jährige Zeitungen und das Internet nach Informationen und trainiert das richtige Auftreten.

Politik ist eine ernste Sache: „Ich lächle noch zu viel. Das muss ich abstellen“, meint Nora Henschke. Fachliche Unterstützung bekommen die 18 Studenten von Jamal Malik, Professor für Islamwissenschaften an der Uni Erfurt. Er stammt aus Pakistan und hilft den Studenten das Land besser kennenzulernen. Pakistan wurde den 18 Jung-Diplomaten zugelost. Als derzeit nicht-ständiges Mitglied im Weltsicherheitsrat, können die Erfurter bei der Simulation einiges bewegen. Die Studenten formulieren Punkte, die sie möglichst vollständig in die Resolutionen mit einbringen möchten. „Aber oft muss man Kompromisse schließen. Das gehört eben zur Politik dazu“, sagt Nora Henschke. Hauptsache nicht gegen China stimmen, lautet das Credo der Erfurter. Mit Verbündeten darf man es sich nicht verscherzen.

Kaum Freizeit

Obwohl die Model United Nations in New York erst am 17. März beginnt, ist sich Nora Henschke jetzt schon sicher: „Es lohnt sich, der Spaßfaktor ist sehr hoch.“ Etwa 2000 Euro hat die Studentin für die Vorbereitungen ausgegeben. Ein Stipendium für den Flug und die Unterkunft gibt es nicht. Sie nimmt aus Leidenschaft teil: „Es ist genau das, was mich interessiert, zu diskutieren und das Verhandlungsgeschick zu erlernen“, sagt die Neu-Eichenbergerin begeistert. Dass die 5000 Studenten während der viertägigen Simulation kaum Freizeit haben, stört sie nicht. Die Sitzungen gehen von 8 Uhr morgens bis oft tief in die Nacht - reale Bedingungen eben.

Aber darüber macht sich Nora Henschke im Moment keine Gedanken. Ihre Sorge gilt Pakistan: Im März sind Wahlen. Eine neue Regierung bedeutet für die Diplomatin auf Probe auch eine neue politische Haltung: „Es kann sein, dass ich mich komplett neu positionieren muss. Dann wäre die Vorbereitung von Monaten umsonst gewesen.“

Von Ann-Kristin Herbst

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