Doch Zulage für Landwirte

Mehr Flächen werden als schwer zu bewirtschaften anerkannt

Schwarzdorn und andere Sträucher sind zwar hübsch im Frühling anzusehen, allerdings würden sich die Sträucher schnell ausbreiten, wenn die Bauern ihre Wiesen nicht freihalten würden.
+
Schwarzdorn und andere Sträucher sind zwar hübsch im Frühling anzusehen, allerdings würden sich die Sträucher schnell ausbreiten, wenn die Bauern ihre Wiesen nicht freihalten würden.

Die Proteste hatten Erfolg: Für die meisten schwer zu bewirtschaftenden Felder und Wiesen erhalten die Landwirte im Kreis nun doch etwas extra Geld.

Werra-Meißner – Durchschnittlich 80 Euro je Hektar und Jahr werden sie von der Europäischen Union (EU) bekommen. 2019 waren 38 Prozent der bislang geförderten Flächen mit Hinweis auf neue Richtlinien und veränderte Regeln herausgefallen.

Das betraf viele, teilweise sogar alle Gemarkungen in den Bereichen Bad Sooden-Allendorf, Berkatal, Eschwege, Herleshausen, Meißner, Sontra, Waldkappel, Wehretal und Witzenhausen. Nun aber können einige Landwirte im Kreis für wieder anerkannte benachteiligte Gebiete eine Ausgleichszulage erhalten. Grundlage dafür sei ein neues Förderkonzept, das von der EU-Kommission kürzlich bewilligt wurde, teilte jüngst der heimische Grünen-Landtagsabgeordnete Hans-Jürgen Müller mit.

Habe es zunächst so ausgesehen, dass bei Anwendung der neuen EU-Kriterien nur Verluste für den Landkreis entstehen, habe das Hessische Landwirtschaftsministerin nachgearbeitet, so Müller. Nun könnten weitere Gebiete gefördert werden, die besonders trocken sind oder zum Beispiel einen sehr hohen Gehölzanteil aufweisen. Auch Flächen mit hohem Schutzanteil wie Wasserschutzgebiete oder Naturparks würden nun unterstützt.

Da fast alle Bereiche wieder in das Programm kämen, sei „alles wieder in Ordnung“, erklärte Torsten Müller, der vorsitzende des Kreisbauernverbands. Ein Gutachterteam habe die Flächen nach den verschiedenen Eigenschaften bei Boden, Gelände und Klima, wie beispielsweise die Steinigkeit, die Hangneigung und die Dränage, untersucht und sei zum gleichen Ergebnis gekommen wie die Landwirte vor Ort – nämlich, dass ihre Flächen zu Unrecht aus der Zusatzförderung herausgenommen wurden.

Auch Erster Kreisbeigeordneter und Landwirtschaftsdezernent Dr. Rainer Wallmann (Grüne) klingt jetzt recht zufrieden. Es sei „natürlich erfreulich, dass es dem Landwirtschaftsministerium gelungen ist, durch Nachberechnungen große Teile dieser Gemarkungen wieder in die Förderung zurückzuholen.“. 

Ausgleich für benachteiligte Standorte

Die Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete (AGZ) ist ein Förderinstrument, um eine flächendeckende Landwirtschaft gerade auch in den Gebieten zu erhalten, die nur unter erschwerten Bedingungen bewirtschaftet werden können. Diese Förderung wurde aus dem Bergbauernprogramm der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) entwickelt. Noch heute zählen vor allem Betriebe in Mittelgebirgslagen durch steile Hanglagen zu den benachteiligten Standorten. 

Der zusätzliche finanzielle Ausgleich für den Mehraufwand sei bei einigen Landwirten überhaupt nur der Grund, ihre Wiesen noch freizuhalten. Doch die Bewirtschaftung mache doch die hiesige, offene Landschaft aus, gibt Vorsitzender Torsten Möller vom Kreisbauernverband zu Bedenken. Wenn die Landwirte alle ins Tal gingen, breite sich nur noch Schwarzdorn auf den dann nicht mehr bewirtschafteten Flächen aus. Darunter litte dann auch eine der touristischen Attraktionen des Geo-Naturparks Frau-Holle-Land.

Nicht zuletzt deswegen bedauert Erster Kreisbeigeordneter Dr. Rainer Wallmann, dass die Fördergebiete im Werra-Meißner-Kreis insgesamt doch reduziert wurden. Das sei „nachteilig für die betroffenen Betriebe“, sagt er auch.

Tatsächlich gelten nicht alle der seit 2018 weggefallenen Förderflächen nun durch eine spezielle Auslegung der EU-Kriterien – das Landwirtschaftsministerium bezeichnet es auch als „spezifische Gründe“ – , wieder als unterstützungsfähig. Große Bereiche im Werratal von Bad Sooden-Allendorf und Witzenhausen bleiben von der Ausgleichszulage ausgenommen, auch größere Gebiete in Herleshausen und Wehretal.

(Stefan Forbert)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.