Montagsinterview

DRK Eschwege: Pfleger Pascal Zeuch ist jetzt mit einer Ape unterwegs

Ab jetzt mobil für die ambulante Pflege in Eschwege unterwegs: Pascal Zeuch (Mitte) mit der Pflegedienstleiterin Roswitha Dietrich und ihrem Stellvertreter Udo Vogt beim neuen DKR-Pflegemobil, einer italienischen Ape.
+
Ab jetzt mobil für die ambulante Pflege in Eschwege unterwegs: Pascal Zeuch (Mitte) mit der Pflegedienstleiterin Roswitha Dietrich und ihrem Stellvertreter Udo Vogt beim neuen DKR-Pflegemobil, einer italienischen Ape.

Ein ungewöhnliches Gefährt gehört inzwischen zum Fuhrpark des Deutschen Roten Kreuzes in Eschwege. Es wurde eigens für einen Mitarbeiter angeschafft.

Eschwege – Auf drei Rädern und mit 25 Kilometern pro Stunde brummt seit Kurzem das neue Gefährt der ambulanten Pflege des Deutschen Roten Kreuzes durch Eschwege.

Hinter dem Steuer sitzt der Pfleger Pascal Zeuch, für den diese italienische Ape als Dienstwagen nun angeschafft werden konnte. Das macht ihn in seinem Beruf nun mobil, denn der 29-Jährige lebt mit einer Sehbehinderung, durch die er kein herkömmliches Auto fahren darf.

Unsere Redakteurin Jessica Sippel sprach mit ihm über sein neues Fahrzeug, insbesondere aber auch über seinen Beruf als Altenpfleger.

Herr Zeuch, Sie düsen nun auf drei Rädern durch Eschwege, um Ihrem Beruf nachgehen zu können. Bedeutet die Ape für Sie jetzt auch ein Stück Freiheit?
Ja, ich bin viel mobiler und unabhängiger, darauf bin ich in der ambulanten Pflege auch angewiesen. Dadurch, dass die Ape so klein ist, habe ich auch mit Parkplätzen überhaupt keine Probleme und ich komme problemlos durch die Innenstadt zu den Menschen, die ich pflege. Es muss mich niemand mehr umherchauffieren, was es auch viel stressfreier macht. Und es macht Spaß. Vorher war ich mit meiner privaten Ape unterwegs statt mit einem Dienstwagen. Dann haben wir für die Anschaffung einer Ape aber die Förderung vom Integrationsamt bekommen. Vor drei Wochen haben wir das Fahrzeug dann in Hannover abgeholt.
Fühlen Sie sich trotz Ihrer Sehbeeinträchtigung sicher im Verkehr?
Ja, ich fühle mich sehr sicher und werde durch die Ape im Verkehr auch gut von anderen gesehen. Da fühle ich mich sicherer als mit einem Roller, der oft übersehen wird. Die Ape ist fast wie ein Auto, nur auf drei Rädern. Ich habe eine 80-prozentige Sehbehinderung und ich liege genau zwei Dioptrien unter der Grenze, ab der ich noch ein normales Auto fahren dürfte.
Das Gesetz macht da keine Ausnahme?
Nein. Es war ja sogar erst gar nicht möglich, mit meiner Behinderung überhaupt so einen Führerschein zu machen. 2018 wurde aber das Gesetz geändert. Seit dem darf man mit der Mofa-Prüfbescheinigung führen. Ich bin dann direkt zum Händler, um mir für mich privat so eine Ape zu bestellen. Es ist eine Menge wert, auch im Winter trocken von A nach B zu kommen – und überhaupt mobil zu sein.
Können Sie beschreiben, wie Sie Ihre Umgebung wahrnehmen?
Ich sehe alles ganz normal, nur eben kleiner. Ich bin aber sehr lichtempfindlich. Bei hellen Lichtverhältnissen brauche ich draußen eine Sonnenbrille, sonst sehe ich gar nichts.
Schränkt Sie das auch in Ihrem Beruf als Pflegefachkraft ein?
Was Schriften und die Dokumentationen angeht, ja. Da bekomme ich aber Unterstützung vom ganzen Team. Das steht immer hinter mir. Aber sonst schränkt es mich eigentlich nicht ein.
Seit wann arbeiten Sie in der Pflege?
Die Ausbildung zur Pflegefachkraft habe ich 2013 in Eschwege abgeschlossen. Von klein auf habe ich aber auch immer Musik gemacht. Deshalb folgte noch ein Studium im Fach Tontechnik. Danach habe ich mich damit selbstständig gemacht. Immer wieder habe ich aber auch noch in der Pflege ausgeholfen. Seit Dezember war ich dann wieder dauerhaft ehrenamtlich dabei. Seit Februar bin ich hier wieder fest angestellt.
Haben Sie Ihre Musik- und Tontechnikerkarriere dafür aufgegeben?
Ja, das habe ich erst einmal an den Nagel gehängt. Nebenberuflich kann ich es mir jedoch noch ab und zu am Wochenende gut vorstellen. Aber nicht mehr hauptberuflich.
Warum?
Ich bin ganz ehrlich: Ich habe Angst davor. Es lief sehr gut, als ich dort noch selbstständig war. Ich habe bei großen Tourneen mitgearbeitet und stand durch Corona dann von jetzt auf gleich vor dem Nichts. Ich hatte nur noch Ersparnisse zum Leben, vom Staat kam bislang nichts. Ich warte immer noch auf meine Dezemberhilfe. Deshalb bin ich froh, nun doch wieder in der Pflege arbeiten zu können.
Dann sind Sie nun wieder in Ihrem Ausbildungsberuf angekommen. Was hat Sie damals überhaupt in die Pflege getrieben?
Ehrlich gesagt, waren meine Eltern die treibende Kraft. Sie sagten: „Bevor du Musik machst, lernst du erst mal etwas Vernünftiges“ (lacht). Dann habe ich ein Schulpraktikum in der Pflege gemacht. Dabei habe ich gemerkt, dass mir das großen Spaß macht. Nach der Schule habe ich dann meine Ausbildung angefangen. Aber auch erst einmal mit Schwierigkeiten.
Welche?
Das Regierungspräsidium Kassel war sich nicht sicher, ob ich meine Ausbildung mit meinen Augen überhaupt machen darf. Ich musste dafür zu sämtlichen Ärzten zu Untersuchungen. Nach drei Monaten gab es endlich das Okay, dass ich die Ausbildung weiter machen darf. Ich hatte sie quasi angefangen mit dem Wissen und der Angst, dass es am nächsten Tag vorbei sein könnte.
Wieso die ambulante Pflege?
In der ambulanten Pflege kann ich den Menschen zu Hause, da, wo sie sich wohlfühlen, helfen. Es ist ein sehr familiäres Umfeld. Man hat auch etwas mehr Zeit für die Menschen. Das ist im stationären Bereich nicht immer ohne Weiteres möglich. Ich habe früher auch in Heimen gearbeitet, aber das ist überhaupt nichts für mich. Da habe ich mit meinen Augen richtige Schwierigkeiten, auch mit dem ganzen Stress, der damit verbunden ist.
Was schätzen Sie heute an Ihrem Beruf am meisten?
Den Menschen da zu helfen, wo sie Schwierigkeiten haben, gibt mir viel zurück. Ich kenne es ja von mir selbst. Wenn ich Probleme habe, bin ich auch froh, wenn ich Hilfe bekomme. So ist es für mich auch ein schönes Gefühl, Menschen zu unterstützen – und wenn es nur das Strümpfeanziehen ist. Man sieht auch, dass die Menschen glücklich sind, dass sich jemand um sie kümmert und für sie da ist.

Zur Person

Pascal Zeuch (29) ist Pflegefachkraft bei der ambulanten Pflege des Deutschen Roten Kreuzes in Eschwege. Seine Ausbildung machte er von 2010 bis 2013. Der verheiratete Vater zweier Kinder lebt in Niederhone und macht seit dem Kleinkindalter Musik.

Neben Klavier, Gitarre, Schlagzeug, Trompete und Akkordeon spielt er noch viele weitere Instrumente. In Hannover studierte er ab 2016 Tontechnik und Studio-Livemusik. Pascal Zeuch lebt mit der angeborenen Krankheit Albinismus. jes

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.