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Wird die Grundsteuererklärung ein Desaster? Bisher nicht mal jede Fünfte eingereicht

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Von: Kerim Eskalen

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Viele Immobilienbesitzer tun sich mit der Abgabe der Grundsteuererklärung schwer. Die Verweigerung der Abgabe kann teuer werden – Frist bis Oktober.

Werra-Meißner-Kreis – Seit dem 1. Juli sind alle Grundstücksbesitzer verpflichtet, bis zum 31. Oktober eine Grundsteuererklärung über das Steuerportal Elster an das zuständige Finanzamt zu schicken. Doch laut Informationen der Oberfinanzdirektion Frankfurt haben erst 19 Prozent der Besitzer ihre Erklärung abgegeben, im Werra-Meißner-Kreis sogar nur 17,1 Prozent. Der fade Beigeschmack: Hessen liegt damit bundesweit sogar vorne.

Doch warum hat bisher nur jeder Fünfte die Erklärung abgegeben? Laut Nicole Merta, Justiziarin von Haus und Grund Hessen, sind mehrere Gründe dafür verantwortlich: „Anfangs gab es bundesweit technische Probleme mit Elster. Das hat für großen Frust gesorgt“, erklärt sie. „Dazu kommt, dass vor allem ältere Menschen an dem Onlineverfahren verzweifeln.“

Die wichtigsten Fragen zur Grundsteuer beantwortet das Finanzamt Dachau (Symbolbild).
Halbzeit bei der Grundsteuer: Bis Ende Oktober müssen Grundstückseigentümer eine Erklärung bei dem Finanzamt Eschwege-Witzenhausen eingereicht haben. © Rene Traut / IMAGO

Technische Probleme bei Grundsteuererklärung im Werra-Meißner-Kreis

Das bemerkt auch Steuerberater Martin Sprenger von Sprenger&Schindewolf aus Witzenhausen: „Die Technik macht den älteren Menschen zu schaffen. Aber auch jüngere Menschen suchen die Kanzleien zur Beratung auf. Hier steht oft der Zeitmangel im Vordergrund“, sagt er. Was viele nicht wissen: Der Onlinezwang kann umgangen werden, indem man einen Härtefallantrag beim Finanzamt stellt. Allerdings muss klar begründet werden, dass man technische Probleme hat und keine Angehörigen hat, die einem helfen können. Eine Alternative, die auf Kritik stößt, da sie nicht hinreichend bekannt ist.

Verweigerung der Abgabe kann teuer werden

Wer bis zum 31. Oktober eine Erklärung beim Finanzamt nicht abgibt, den kann das teuer zu stehen bekommen. Bei einem Versäumnis erwartet die Person ein Verspätungszuschlag für jeden verspäteten Monat von 0,25 Prozent der festgesetzten Steuer, mindestens aber 25 Euro. Bei Verweigerung droht ein Bußgeld von bis zu 25 000 Euro und das Finanzamt schätzt die notwendigen Daten selbst, was in der Regel zu einem finanziellen Nachteil führt.

Grundsteuererklärung im Werra-Meißner-Kreis in Papierform einreichen

Nur fünf Prozent der eingereichten Erklärungen waren in Papierform: „Die Möglichkeit kennt leider kaum jemand“, meint Nicole Merta. „Zudem hat das Verfahren große Hürden. Der Sachverhalt muss telefonisch beim Finanzamt begründet werden. Im Anschluss werden dann erst die Dokumente postalisch zugesendet“, erklärt die Justiziarin. Zudem ersetze dies nicht das Ausfüllen. Hier bestehe die Möglichkeit, sich bei Steuerberatern und bei Vereinen wie Haus und Grund helfen zu lassen, selten aber kostenlos.

Die Möglichkeit kennt leider kaum jemand

Nicole Merta, Justiziarin von Haus und Grund Hessen, zur Grundsteuererklärung in Papierform

Dass alle bis zum 31. Oktober ihren Antrag einreichen, gilt als unwahrscheinlich: „Die Frist war von Anfang an zu knapp“, sagt Nicole Merta. „Ohne eine Verlängerung ist das Vorhaben nicht realisierbar. „Wenn die Mehrheit die Erklärungen online oder per Härtefall einreichen will, droht eine Überlastung. Eine Verlängerung wäre für beide Seiten sinnvoll.“ (Kerim Eskalen)

Unterdessen warnt die Polizei derzeit vor SMS-Nachrichten vom Finanzamt – einer neuen Masche von Betrügern.

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