Düstere Prognose für Zukunft der Wehren im Kreis

Düstere Prognose: Geht nach einigen Wehrführern, dürfte der Nachwuchsmangel künftig noch größer werden, hier einige Mitglieder der Jugendfeuerwehr Herleshausen. Foto: Ludger Konopka

Werra-Meißner. Geht es nach Einschätzung einiger Wehrführer, drohen den Brandschützern im Kreis noch größere Nachwuchssorgen als ohnehin schon vorhanden.

Die Feuerwehren im Landkreis Werra-Meißner versuchen verstärkt, den Mitgliederschwund zu kompensieren. Denn der gibt laut Kreisbrandinspektor Christian Sasse Grund zur Sorge: Allein in den vergangenen fünf Jahren sank die Zahl der aktiven Einsatzkräfte im Kreis um 66 auf nun 2899.

„Um für die Zukunft gerüstet zu sein, ist technisch und organisatorisch ein Umdenken erforderlich - sowohl in der Politik als auch bei den Wehrführungen“, sagt Walter Schäfer, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes. So würden beispielsweise Überlegungen, Stützpunktstrukturen zu bilden, intensiviert. „Die dürfen aber keineswegs übergestülpt werden“, sagt Schäfer. Organisiert werden solle eine engere Zusammenarbeit zwischen von der Auflösung bedrohten kleinen Ortsteilwehren. Vergleichbare Modelle werden auf freiwilliger Basis bereits erfolgreich in Herleshausen und Sontra praktiziert.

Auch die Beschäftigung von hauptamtlichen Kräften, etwa auf der Führungsebene, bei der Gerätewartung oder den organisatorischen Aufgaben, sei denkbar. „Das ist für die Kommunen natürlich ein Kostenfaktor“, sagt Schäfer, der auch den Arbeitskreis Zukunft Feuerwehr leitet. „Durch Kostenersparnis an anderer Stelle könnte der Mehraufwand aber teilweise wieder ausgeglichen werden.“

Zu kämpfen hat die Feuerwehr zurzeit nicht nur mit dem Nachwuchsmangel, sondern auch mit der teils nicht ausreichenden Qualifizierung der Wehrführer. Laut einer vom Kreisfeuerwehrverband in Auftrag gegebenen, anonymen Umfrage bewerten zehn Wehr-Leiter die Anforderungen an Führungskräfte als „zu hoch“, nur sieben als „richtig“.

Ernüchternd auch die Einschätzung der Personalsituation in fünf bis sieben Jahren: Sieben Wehrführer entschieden sich für „schlecht“, acht bewerteten sie als „mittel“ - nur ein einziger entschied sich für „gut“.

Hintergrund: 

Auch im Bereich der Einsatzabteilungen gehen die Wehren im Kreis neue Wege, sagt Kreisbrandinspektor Christian Sasse.

Neben der Jugend stünden auch Frauen sowie Menschen mit Migrationshintergrund im Fokus der Bemühungen. Er wisse von einigen Landkreisen, in denen das bereits gut funktioniere. Für Positionen in der Verwaltung sei es laut Sasse auch denkbar, Menschen mit Behinderungen zu integrieren. Derartige Überlegungen liefen bereits. Als wirksames Mittel, um Nachwuchs zu rekrutieren, habe man daher vor einigen Jahren die Bambiniwehren gegründet. Jugendwehren hätten daher noch nicht aufgelöst werden müssen. (esp/uli)

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