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Echtes Treckerbabe: Diana Bauer fährt Mähdrescher wie andere Kleinwagen

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Von: Stefanie Salzmann

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Sind ein inniges Paar: die 52-jährige Nesselröder Landwirtin Diana Bauer und ihr John-Deer-Mähdrescher. Seit drei Jahren sitzt sie am Steuer des Maschinen-Giganten.
Sind ein inniges Paar: die 52-jährige Nesselröder Landwirtin Diana Bauer und ihr John-Deer-Mähdrescher. Seit drei Jahren sitzt sie am Steuer des Maschinen-Giganten. © Stefanie Salzmann

Diana Bauer ist eine starke Frau mit einem starken Gefährt: Dass sie einen 500 PS starken Mähdrescher steuert, kommt in der Umgebung eher selten vor. Sie erzählt, wie es dazu kam.

Nesselröden – Den Traum von 500 PS unterm Hintern träumen sicher eher Männer. Erfüllt hat ihn sich eine Frau: die Nesselröder Landwirtin Diana Bauer, die einen der beiden Mähdrescher des Betriebes steuert, den sie gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Jürgen Schäfer führt.

Wenn die beiden, die zwar seit 20 Jahren zusammen arbeiten, aber erst seit drei Jahren ein Paar sind, zum Unterstand der beiden Mähdrescher gehen, ist das in etwas so, also ob jemand das Tor zu zwei glänzenden Porsche 911er öffnen würde. Stattdessen parken dort aber die beiden John Deers. „Das ist meiner, das ist ihrer“, stellt Jürgen Schäfer die beiden Giganten vor.

Ich dachte, ich kann es besser als sie. Aber sie macht es einfach schöner.

Jürgen Schäfer, Kollege und Lebensgefährte

Als vor drei Jahren plötzlich Not am Mann auf den Hof war, die Ernte anstand, hat die heute 52-jährige Landwirtin nicht lange überlegt. Ein eintägiger Crashkurs musste reichen und dann ging‘s auf den 22 Meter langen Bock, der bei ausgeklappten Schneidwerk eine Breite von 7,50 Meter hat. Seitdem sitzt Diana Bauer genau wie ihr Lebensgefährte in der Hochzeit der Ernte bis zu 16 Stunden am Stück auf dem Mähdrescher. „Das ist Leidenschaft, da muss man ein Gefühl für haben“, sagt Jürgen Schäfer über seine Freundin. Und das hat sie offenbar mehr als genug. Denn wenn der Betrieb als Lohnunternehmen für andere Landwirte arbeitet, werde in zwischen immer Diana Bauer angefordert. „Ich mach das schon so lange und dachte, ich kann es besser als sie“, sagt Schäfer. „Aber sie macht es einfach schöner.“

Ganz reibungslos war Diana Bauers Start ins Lebens als Mähdrescherfahrerin nicht. Die erste Nacht hat sie von 21 Uhr bis 5 Uhr morgens den Mähdrescher repariert. Das Getriebe der Strohtrommel war kaputt, die Monteure hatten sich aus dem Staub gemacht. Schäfer hatte abends gesagt: „Das Ding muss morgen laufen.“ Also schraubte sie die Nacht hindurch. Morgens lief die Maschine wieder. „Die Frau krabbelt überall rein und kommt mit schwarzen Gesicht und Händen wieder raus“, lacht Schäfer. Nur den Probelauf habe er ihr an dem Morgen nicht erlaubt.

Inzwischen ist Diana Bauer mit ihrem Mähdrescher nicht nur auf dem Feld unterwegs, sondern auch auf Maschinen-Schauen. Als sie mit dem 22-Meter-Gefährt und ihrem Enkel auf dem Schoß auf dem Weg nach Schengenlengsfeld war, musste sie eine enge Baustelle passieren. Statt die Barken beiseite zu rücken, standen die Straßenarbeiter mit offenen Mund da. „Guck mal, das sitzt eine Frau mit einem Kind drin.“ Die Barken räumten sie nicht weg.

Dass es als Frau auf dem Mähdrescher manchmal auch komplizierter ist, als für Männer, weiß Diana Bauer. Während die Männer einfach rauspinkeln, muss sie anhalten. Dann dreht sich die Leuchte der Maschine, ein Zeichen für ein Problem. „Dann kommen alle angefahren und ich will einfach nur mal in die Büsche“, sagt sie lachend. Inzwischen ruft sie vorher an und sagt Bescheid. (Stefanie Salzmann)

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