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Ehrenamtliche in der Verantwortung: So funktioniert die Brandschutzerziehung im Kreis

Im vergangenen Jahr war im Zuge der Brandschutzerziehung an der Südringgauschule in Herleshausen auch ein Besuch bei der ortsansässigen Feuerwehr möglich.
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Im vergangenen Jahr war im Zuge der Brandschutzerziehung an der Südringgauschule in Herleshausen auch ein Besuch bei der ortsansässigen Feuerwehr möglich.

Während die Einen eine zusätzliche Stelle in der Kreisverwaltung für die Koordination der Brandschutzerziehung als sinnvoll erachten, sehen die Anderen keinen Mehrwert darin.

Herleshausen – Wie entsteht ein Feuer? Wie erkenne ich eine Gefahr und wie verhalte ich mich richtig, wenn es brennt? „Auf all diese Fragen und viele mehr geben wir den Kindern Antworten, wenn wir zur Brandschutzerziehung in den Kindergarten und die Schule fahren“, sagt Rainer Müller. Der Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Wommen tut das in der Gemeinde Herleshausen seit 18 Jahren.

Ihm zur Seite stehen Nicole Müller sowie Bernd Nölke. Die drei besuchen in normalen Zeiten die Kindergartenkinder, Vorschulklassen und in der Grundschule die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 3.

Brandschutzerziehung in Kindergarten und Schule

So sieht es auch das Hessische Brand- und Katastrophenschutzgesetz (HBKG) vor, wie Kreisbrandinspektor Christian Sasse erklärt. Die Kommunen haben den gesetzlichen Auftrag, für die Brandschutzerziehung und -aufklärung zu sorgen. „Das muss mindestens in den Kindergärten und Schulen in der 3. Klasse geschehen.“ Wie auch in Herleshausen übernehmen das kreisweit die ehrenamtlichen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren. „Alles neben dem Feuerwehr- sowie Berufs- und Familienalltag“, so Sasse.

„Die Kinder sind immer mit viel Begeisterung dabei“, erzählt Rainer Müller. „Oft können sie auch von Erlebnissen erzählen.“ Das reicht von piependen Brandmeldern wegen entladener Batterien bis hin zu tatsächlichen Bränden – zu Hause, bei den Nachbarn oder bei Freunden. Auch die Sirene der Feuerwehr ist den Kindern bekannt. Die Inhalte der Brandschutzerziehung werden dem Alter der Kinder entsprechend angepasst. Manches werde etwa mit Playmobil veranschaulicht. Wichtig sei es auch, den Kindern beizubringen, keine Angst vor den Feuerwehrleuten in ihren Schutzanzügen und den Atemschutzgeräten zu haben.

Wir versuchen die Kinder außerdem dafür zu sensibilisieren, sich nicht selbst in Gefahr zu begeben.

Rainer Müller, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Wommen

„Das kann die Kinder in einer Stresssituation ängstigen. Erst recht, wenn durch den Atemschutz merkwürdige Geräusche zu hören sind“, so Müller. Also werde auch stets demonstriert, wie ein Mensch in der Schutzausrüstung verschwinde und diese wieder abstreife. „Wir versuchen die Kinder außerdem dafür zu sensibilisieren, sich nicht selbst in Gefahr zu begeben, indem sie sich verstecken oder zurück ins brennende Haus rennen, um ein Haustier oder ein Kuscheltier zu retten.“ Ziel der Brandschutzerziehung sei es natürlich auch, Kinder für die Feuerwehr zu begeistern, und damit Nachwuchs zu finden.

Brandschutzerziehung: Kreis und Land in der Pflicht

Doch nicht nur die Städte und Gemeinden stehen in der Pflicht. Auch die Landkreise und das Land Hessen sind per Gesetz dazu verpflichtet, die Erziehung und Aufklärung in Sachen Brandschutz zu unterstützen, sagt Sasse. Das betrifft aber mehr die Planung und Förderung.

Auf Kreisebene werde diese Aufgabe ebenfalls durch Ehrenamtliche übernommen. Dieser „Brandschutzerziehungsbeauftragte“, der eine Aufwandsentschädigung bekäme, koordiniere die Ausbildungen und Fortbildungen der Brandschutzerzieher in den Kommunen und „steht mit Rat und Tat zur Seite“, erklärt Sasse.

Zudem stelle der Kreis bereits seit Jahrzehnten die nötigen Ausbildungsmaterialien wie etwa Feuerlöschtrainer, Rauchhaus, Rauchmelder und vieles weitere zur Verfügung. Inzwischen sei auch ein ausgemustertes Fahrzeug dazu gekommen. Um all die Fördermöglichkeiten auf allen drei Ebenen ausschöpfen zu können und zu bündeln, sei die Stelle des Brandschutzerziehungskoordinators auf der Ebene der Landkreise ins Spiel gekommen.

Die Intention des Kreises sei es, die koordinierenden Aufgaben, die bei den Städten und Gemeinden angesiedelt seien, mit zu übernehmen. Dazu zählen Vertragsabschlüsse mit den Schulen, Beantragung regelmäßiger Förderungen, Aufbau eines kreisweiten Pools an Brandschutzerziehern zum wechselseitigen Austausch, einheitliche Aus- und Fortbildung, einheitliches Ausbildungsmaterial, neues Brandschutzerziehungsmobil und vieles mehr.

„Eine Entlastung der Ehrenamtlichen macht Sinn“, sagt Friedel Lenze, Berkatals Bürgermeister und Sprecher der Bürgermeister im Kreis. Doch ob eine Stelle in der Kreisverwaltung diese Entlastung bringe, daran zweifeln die Bürgermeister der Kommunen im Werra-Meißner-Kreis. Denn wo es schon jetzt zu wenig Ehrenamtliche für die Brandschutzerziehung gebe, da würde auch eine Verwaltungsstelle wenig erfolgversprechend klingen.

Von Hanna Maiterth

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