Menschen kochen daheim

Eier aus der Region sind gefragt

Legehennen in der Freilandhaltung: Eier von „glücklichen“ Hühnern stehen derzeit hoch im Kurs. 
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Legehennen in der Freilandhaltung: Eier von „glücklichen“ Hühnern stehen derzeit hoch im Kurs. 

Wegen der Coronakrise wirde verstärkt zuhause gekocht. Produkte aus der Region sind gefragt, auch Eier aus dem Werra-Meißner-Kreis sind bei den Kunden wieder beliebt. 

Werra-Meißner –„Die Nachfrage nach Hühnereiern ist derzeit groß – nicht nur wegen Ostern“, berichtet Uwe Roth, der Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Werra-Meißner. Wegen der Corona-Krise wird verstärkt zuhause gekocht.

„Die Kunden nutzen unseren Eierautomaten an der Lindenstraße 9 in Unterrieden seit Wochen rege“, berichtet Landwirt Jonas Dorn, der 400 Legehennen hält. Vor fünf Jahren hat er mit 50 Tieren begonnen. Anfangs wollte er das Dorf mit Eiern versorgen. Mittlerweile vertreiben Wiederverkäufer seine Ware in der Region.

Die starke Nachfrage der Endverbraucher spürt auch der Kammerbacher Bauer Eduard Englisch. „Mir ist allerdings aufgrund der Schließung der Restaurants und der Bad Sooden-Allendorfer Rehakliniken auch Umsatz weggebrochen“, berichtet er. Englisch hat den Hühnerhof von seinem Vater übernommen. 1999 stellte er von Käfig- auf Bodenhaltung um. Eine Schweizer Firma baute ihm einen Stall für 3000 Tiere. Dort leben die Legehennen in Gruppen von jeweils bis zu 700 Vögeln zusammen. Er füttert sie mit Erbsen, Weizen und Gerste aus eigener Produktion. Vor drei Jahren kaufte Englisch noch zwei Hühnermobile für weitere 300 Legehennen in Freilandhaltung. Der Landwirt versetzt die mobilen Ställe alle zwei Wochen auf einem einen Hektar großen Grundstück. So kann sich der mit Kleegras bepflanzte Boden von den pickenden Hühnern erholen.

„Erfunden worden sind die Hühnermobile 2002 von Max und Iris Weiland“, berichtet Roth vom Kreisbauernverband. Das Unternehmen mit seinen mehr als 80 Mitarbeitern habe heute seinen Sitz in Bad Sooden-Allendorf. Die Idee setze sich durch. Mittlerweile hätten Mitbewerber Konkurrenzprodukte auf den Markt gebracht.

„Die regionalen Produzenten, deren Umsätze seit Jahren wachsen, profitieren von Lebensmittelskandalen“, führt der Geschäftsführer Kreisbauernverband aus. Die Verbraucher vertrauen dem Landwirt vor Ort. Je länger ein Skandal zurückliege, umso mehr Kunden orientierten sich allerdings wieder am Preis.

„Aufgrund der wachsenden Nachfrage gibt es im Werra-Meißner-Kreis wieder eine ordentliche Eierproduktion“, freut sich Roth. Manche hielten 250 Tieren, andere 25 000 Hennen. Zwei große Anlagen mit jeweils 12 000 Vögeln seien derzeit in Planung – ein ökologisch bewirtschafteter Stall im Altkreis Witzenhausen und ein konventionell bewirtschafteter Stall im Altkreis Eschwege.

„Damit sich die Hühnerhaltung rechnet, müssen auch regionale Betriebe eine gewisse Größe haben“, stellt Roth klar. Ein junges Huhn koste acht Euro. Es lege in einem konventionellen Betrieb 280 Eier im Jahr. In einem Ökobetrieb seien es 250 bis 260 Stück. Geld koste das Futter, die Versicherung, der Stall, die Betreuung. Nach einem Jahr müssten die Tiere ausgetauscht werden, da die Legeleistung abnehme und die Eierschalen zu dünn würden. Das Geld, das es für ein Suppenhuhn gebe, decke meistens nur die Schlachtkosten.

Ein abschließender Hinweis von Roth: Je besser sich ein gekochtes Ei pellen lässt, umso älter ist es.

Von Michael Caspar

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