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Schürzenbergtunnel: Ein Netzwerk technischer Intelligenz

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Von: Stefanie Salzmann

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Am Südportal befindet sich unter anderem auch der Sammelplatz für Rettungskräfte sowie der Ausgang des Fluchtstollens.
Am Südportal befindet sich unter anderem auch der Sammelplatz für Rettungskräfte sowie der Ausgang des Fluchtstollens. © STEFANIE SALZMANN

30 Jahre ist es her, dass durch den Schürzebergtunnel an der B 27 bei Oberrieden die ersten Fahrzeuge rollten. Rein optisch sieht man ihm sein Alter an, technisch jedoch ist er Spitzenklasse.

Oberrieden – Rein und raus – wenn man in den 532 Meter langen Schürzebergtunnel auf der B 27 bei Oberrieden einfährt, nimmt man meist nicht mehr wahr als die Deckenbeleuchtung. Trotz Tempolimits von 70 Stundenkilometern ist man nach ein paar Sekunden wieder draußen.

Doch in der grauen Röhre steckt ein beeindruckendes Netzwerk technischer Intelligenz – gesteuert von Sensoren und Computern, überwacht von Menschen in der Tunnelleitzentrale in Eschwege, betreut und gepflegt von Hessen Mobil.

„Das Wichtigste ist der Sicherheitsgedanke. Dafür bauen wir diese gesamte Technik hier ein“, sagt Robert Jander vom Tunnelmanagement bei Hessen Mobil.

Die beginnt neben den vorgeschalteten Ampeln mit der Beleuchtung im Einfahrtsbereich des Tunnels. „Je nach Helligkeit wird die Beleuchtung so gesteuert, dass die Augen sich gleich an das Licht anpassen können“, erklärt Jander.

Im Deckenbereich der Röhre befinden sich an langen Rohren zahlreichen Sensoren. Die messen zum Beispiel die Geschwindigkeit und Schwere der Fahrzeuge oder die Luftgeschwindigkeit und sorgen, wenn nötig, dafür, dass sich die sechs großen Ventilatoren einschalten. „Die Natur spielt immer mit“, sagt Jander. Zwei der großen Strahlventilatoren sind imstande, Nebel beziehungsweise Rauch bei einem Brand aus dem Tunnel zu drücken. Ihre Kraft beschreibt Jander so: „Da bekommt man eine Dauerwelle.“ Ebenso kraftvoll sind die Lautsprecher, über die mit ungefähr 104 Dezibel von der Tunnelleitzentrale aus Durchsagen gemacht werden können. „Ausgerichtet ist die Lautstärke für ein fahrendes Fahrzeug mit geschlossenen Fenstern und einem eingeschalteten Radio“, so der Tunnelmanager.

Zwar besteht das eigentliche Tunnelbauwerk nicht aus brennbarem Material, doch für den Fall eines Feuers oder eines Unfalls sind viele Sicherheitsvorrichtungen untergebracht. Dazu gehören ein barrierefreier Notrufknopf, über den sich Menschen innerhalb von fünf Sekunden mit der Tunnelleitzentrale in Verbindung setzen können. Die wiederum arbeitet Hand in Hand mit dem Gefahrenabwehrzentrum des Landkreises – eine Konstellation, die einzigartig in Deutschland ist. Der gesamte Tunnel wird von 29 Videokameras überwacht, die Bilder live in die Zentrale gespielt. „Wenn also jemand was ganz Dummes machen will, muss er wissen, dass einige zuschauen.“

Der wohl spektakulärste Teil des Schürzebergtunnels ist jedoch der, den man nicht sieht. Als der Tunnel 2012 saniert wurde, wurde parallel zur Hauptröhre ein 260 Meter langer Fluchtstollen gebaut. Der Zugang zu ihm befindet sich ziemlich exakt in der Mitte der Röhre und führt zunächst in ein graues, ziemlich kühles, höhlenartiges Gewölbe. Von dem zweigt ein Gang ab, der neben dem Südportal des Tunnels rauskommt und über den sich Menschen im Havariefall retten können. Gebraucht wurde er, so Jander, bisher noch nie. Lediglich ein paar Esel hatten sich darin verirrt. »  IN ZAHLEN

Kalte Röhre: der Fluchtstollen, der auf 260 Metern parallel zur Hauptröhre verläuft.
Kalte Röhre: der Fluchtstollen, der auf 260 Metern parallel zur Hauptröhre verläuft. © Salzmann, Stefanie

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