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Eine Abrechnung mit dem Jahr 2022

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Sorgten für Bombenstimmung im Öx Frankershausen: Die Künstler (von links) Sebastian Schnoy, Kathi Wolf und Robert Griess.
Sorgten für Bombenstimmung im Öx Frankershausen: Die Künstler (von links) Sebastian Schnoy, Kathi Wolf und Robert Griess. © lorenz schöggl

Kulturinitiative Hängnichrum bietet mit Schlachteplatte einen grandiosen Jahresrückblick

Frankershausen – Kabarettistische Bombenstimmung im Quadrumvirat: Besser lässt sich die traditionelle Schlachteplatte mit Robert Griess nicht beschreiben. Der Künstler versammelt seit 2006 jährlich drei Kollegen um sich, um mit dem vergangenen Jahr abzurechnen. Samstagabend entlockte er mit Kathi Wolf, Sebastian Schnoy und Jens Heinrich Claassen dem Publikum der Kulturinitiative Hängnichrum im Saal der Kneipe Öx zahlreiche Ovationen.

Die Künstler bieten in gekonntem Arrangement Ausschnitte ihrer Solo-Programme, wobei sie im Ensemble weitaus mehr als die Summe ihrer Begabungen sind. Unter Federführung des Kölner Polit-Kabarettisten Griess entstehen expressive Dramen, kreative Wortgefechte und virtuose Musical-Einlagen. Dabei verhelfen sie dem Kabarett mit Aktualität, Kontroverse, Spitzzüngigkeit und Intellekt zu seiner Höchstform. Griess glänzt mit charmanter Bühnenpräsenz und Tiefsinn, Schnoy verstreut mit schauspielerischem Talent und einem Hauch tiefgründiger Exzentrik pure Heiterkeit. Wolf wartet mit weiblichem Charme und tabuloser Direktheit auf, während Claassen urkomische Heiterkeit, sympathische Gelassenheit sowie musikalischen Highlights am Klavier liefert – und dabei keinen Running Gag aus dem Publikum verpasst. Diese bunte Bande garantierte einen kurzweiligen Abend mit Überlänge und reichlich Training für die Lachmuskeln. In einem politischen Rundumschlag fanden mit erlesenem Tiefsinn all die Höhen und Tiefen von 2022 Platz. Von den Corona-Ausläufen über den Ukraine-Krieg, Klima-Aktivismus und religiöse Kontroversen bis hin zu Energiesparmaßnahmen wurde kein aktueller Diskurs gemieden. In einem Sprechgesang wurden als Highlight Energie-Tipps von Politikern wie das reduzierte Heizen von Indoor-Pools parodiert. Doch auch ein positiver Ausblick darf nicht fehlen: „Berlin hat seit 2006 bewiesen, wie ein CO2-neutraler Flughafen aussieht“, blickt Griess auf das Anfangsjahr der Schlachteplatte zurück. Als musikalisches Highlight erklärte Claassen am Klavier mit seinem Hit „Gemeinsame Darmspiegelung hält die Beziehung frisch und jung“ das Geheimnis einer glücklichen Ehe.

Gemäß dem Kabarett-Kodex durfte auch Gesellschaftskritik nicht fehlen: toxische Männlichkeit wurde therapiert und Länder-Stereotypen zelebriert. Als roter Faden dienten Auftritte im Ärztekittel: So wurde Patient 2023 geboren und 2022 für tot erklärt. Lohnt sich dabei eine Organentnahme aus 2022 für kommende Generationen? Auf keinen Fall.

„Überspitzt: So wie Kabarett sein muss“, resümiert Jürgen Wenderoth, der die Aktualität der jährlichen Schlachteplatte schätzt. „Die Vier harmonieren sehr gut zusammen“, unterstreicht Heike Morgenthal die kreative Symbiose der Kabarett-Stile: „Charmant, kompetent und kreativ“. (Lorenz Schöggl)

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