Flüchtlingsfamilie berichtet von Flucht

„Papiere sind falsch ausgefüllt“ - Behörden überfordert

Wollen schnell deutsch lernen: Ahmad und Samira A. (beide 28) hier mit Töchterchen Elina (1) und ihrer Deutschlehrerin Marina Scheerder beim ehrenamtlich organisierten Deutschunterricht in Frieda. Foto: Rissmann

Frieda. Wie überfordert die deutschen Behörden bei der Erstaufnahme des zunehmenden Flüchtlingsansturms sind, zeigt das Beispiel der iranischen Familie A., die seit Kurzem im Meinharder Ortsteil Frieda untergebracht ist.

In ihren Papieren - den sogenannten Laufzetteln oder ID-Kärtchen, die alle Asylbewerber nach der Registrierung erhalten - waren sämtliche Angaben über ihre Religion und Herkunft falsch oder durcheinander eingetragen. „Das ist sehr schwierig, denn das kann den Ausgang des Asylverfahrens beeinträchtigen“, sagt Tina Pfeiffer. Die 38-Jährige aus Frieda setzt sich für die etwa 30 im Ort untergebrachten Flüchtlinge ein, bietet unter anderem einen Deutschkurs an. Gemeinsam mit der Familie ist sie die Papiere durchgegangen und hat die Fehler bemerkt.

Darin steht zum Beispiel, dass die Familie dem islamischen Glauben angehört und aus Teheran und Afghanistan komme. „Das stimmt so alles gar nicht“, sagen Samira und Ahmad A. Die beiden 28-jährigen Eheleute kommen aus Teheran, allerdings sind Ahmads Eltern gebürtige Afghanen. „Im Iran werde ich deshalb nicht anerkannt und habe, obwohl ich dort geboren wurde, keine Geburtsurkunde erhalten“, berichtet der zweifache Familienvater. A

uch ihre einjährige Tochter Elina habe aufgrund der afghanischen Großeltern im Iran keine Geburtsurkunde ausgestellt bekommen. Damit Ahmad überhaupt zu seinem Studium der Politik, Philosophie und Ökonomie Teheran zugelassen wurde, sei die Bedingung gewesen im Anschluss sofort nach Afghanistan auszureisen. Da trat die junge Familie lieber die Flucht an.

45 Tage waren sie unterwegs - Samira war zu diesem Zeitpunkt hochschwanger. Aufgewühlt berichten sie, wie sie durch einen Grenzfluss in Richtung Türkei geschwommen sind, während iranische Polizisten auf sie schossen. „Eine Familie wurde von der Polizei aus dem Fluss gefischt, verprügelt und dann verhaftet“, berichtet Samira.

Viel Gewalt erlebt 

Auch in Ungarn haben sie Polizeigewalt erlebt. Dann kamen sie nach Deutschland das Datum - 8. Juli 2015 - wird der junge Familienvater nicht vergessen. Untergbracht waren sie zunächst in der Erstaufnahme Gießen, dort kam Töchterchen Angela zur Welt. Mittlerweile lebt die junge Familie in Frieda. Aber eine Geburtsurkunde für Angela haben sie noch nicht - ein großes Problem, da sie deshalb für ihre jüngste Tochter auch keine finanzielle Unterstützung bekommen.

Gelöst wurde das Problem dann doppelt, denn Meinhards Bürgermeister Gerhold Brill hat sich eingesetzt und am Dienstag wenigstens einen Auszug aus dem Gießener Geburtsregister bekommen, den er gleich an die Kreisverwaltung weitergeleitet hat. „Jetzt bekommt die Familie auch für die kleine Angela Unterstützung“, sagt er. Gleichzeitig wurde die Familie von Mitarbeitern der Erstaufnahmeeinrichtung aufgefordert, am Dienstag nach Gießen zum Standesamt zu fahren, um diesen Auszug persönlich abzuholen.

„Jetzt mussten die beiden ganz alleine im Zug nach Gießen fahren - eine echte Strapaze, da sie noch nicht sicher deutsch sprechen können“, sagt Tina Pfeiffer. Sie hofft, dass die jungen Eheleute dort nun wenigstens auch ihre Ausweispapiere zurückbekommen, die noch irgendwo in der Erstaufnahme gelagert sind.

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