Freude auf dem Siegertreppchen

Manfred Liese (74) hat zwei Motocross-Rennen gewonnen: Einer geht immer noch

Auf der Piste: Manfred Liese während des Rennens im tschechischen Prelouc. Wenn Mädels an der Strecke stehen, nimmt er auch schon mal die Hand vom Lenker, um zu winken – soviel Zeit muss sein. 
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Auf der Piste: Manfred Liese während des Rennens im tschechischen Prelouc. Wenn Mädels an der Strecke stehen, nimmt er auch schon mal die Hand vom Lenker, um zu winken – soviel Zeit muss sein. 

Wenn Manfred Liese in seiner Werkstatt in Reichensachsen inmitten seiner blank geputzten Motocross-Maschinen sitzt, blitzen seine Augen vor Übermut.

Reichensachsen - Der 74-jährige Reichensächser, der stolz auf seine stahlharten Muskeln ist, seine Maschine noch hochheben kann und 50-Jährige als „Jungspunde“ bezeichnet, hat in diesem Sommer bereits zwei Enduro-Rennen in Deutschland und Tschechien gewonnen.

Am letzten Juliwochenende war Liese gemeinsam mit Bruno Bierschenk (74) aus Röhrda und Herbert Bechthold (73) aus Hoheneiche bei der „Classic Enduro Senioren Deutschland“ in Nordhausen im Südharz an den Start gegangen. Mit ihnen weitere 180 Fahrer.

Manfred Liese holte mit seiner Java 250 Kubik (Baujahr 1969) den ersten Platz in der Klasse bis 350 Kubik, Bruno Bierschenk wurde Klassensieger in der Kategorie bis 175 Kubik, Herbert Bechthold erzielte den 3. Platz in der Klasse bis 500 Kubik. Zu bewältigen waren dort drei Runden einer 40 Kilometer langen Strecke mit zwei Sonderprüfungen auf Zeit.

Wenige Tage später bricht Liese erneut auf, diesmal zum Enduro-Rennen in Prelouc, das zirka 150 Kilometer hinter Prag liegt. Dort holte Liese im vorigen Jahr den 2. und 3. Platz mit seiner Java 250 Kubik (Baujahr 1966). Vor dem Rennen trifft er sich mit Fahrerfreunden aus Apolda, Erfurt und Magdeburg in Zschopau an der tschechischen Grenze, am Freitag brechen die Männer und ihre Maschinen im Konvoi nach Prelouc auf.

Freude auf dem Siegertreppchen: Manfred Liese (links) und ein italienischer Fahrerkollege in Prelouc.

Am Samstagmorgen startet Manfred Liese um 9.30 Uhr, mit ihm im Minutentakt 190 Fahrer aus Deutschland, Österreich, Italien und Tschechien. Die 35 Kilometer lange Piste, die dreimal zu fahren war, sei schwierig gewesen – Wurzeln, Steine, Schlammlöcher. Dennoch steht Liese nach dem Rennen wieder auf dem Siegerpodest als Erster seiner Altersklasse, in der offenen Klasse schafft er Platz zwei.

Und wie trainiert man für solche Rennen? „Gar nicht“, sagt Manfred Liese, der davon überzeugt ist, dass er „es einfach in den Genen“ hat. Mit einer seiner Maschinen sei er in diesem Jahr mal bis zur nächsten Kreuzung gefahren, um den Vergaser zu testen.

Ans Aufhören mit dem Motocross-Sport denkt Manfred Liese, der im November 75 wird, mal mehr und mal weniger. Besonders ein schwerer Unfall eines Freundes kürzlich bei einem Rennen habe ihm noch mal zu denken gegeben. „Wenn ich früher gestürzt bin, hab ich mich abgerollt, bin wieder aufgestanden und weiter ging’s“, sagt er. „Wenn das jetzt passiert, liege ich erst mal da.“

Aber bevor Manfred Liese seinen 75. feiert und möglicherweise nicht mehr in seine Motorradstiefel steigt, fährt er Ende August erst mal noch im thüringischen Apolda eine Enduro-Meisterschaft. (salz)

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