„Zu nah an den Patienten“

Einige Physiotherapie-Praxen schließen präventiv

Eigentlich gehört Guido Harms aus Großalmerode zu den Solo-Selbstständigen, die nach den neuen, von Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntag mitgeteilten Vorgaben während der Corona-Pandemie nicht schließen müssten.

Schließlich macht der Physiotherapeut medizinisch notwendigen Anwendungen. Dennoch bleibt seine Praxis zunächst bis 5. April geschlossen. Die Physiotherapiepraxis Gamradt in Hessisch Lichtenau und Großalmerode hat auf ihrer Facebook-Seite sogar eine Schließung bis voraussichtlich 30. April verkündet.

„Ich bin zu nah an den Patienten“, sagt Harms. Für sie sei diese präventive Maßnahme sicherer. Weil er nicht wisse, ob ein Patient mit dem Coronavirus infiziert sei, müsse er nach jeder Behandlung alles desinfizieren und bei jedem Patienten den Mundschutz wechseln. Da würden seine Ressourcen bald ausgehen, sagt Harms. Zudem seien Behandlungen wie etwa Lymphdrainage mit Handschuhen nicht möglich. Mindestens 200 Behandlungen fallen für den Physiotherapeuten dadurch aus. Die Patienten zeigen Verständnis. „Viele sagen: Ich habe schon auf den Anruf gewartet.“ Was bleibt, ist zunächst der finanzielle Verlust. „Den muss ich überbrücken“, sagt Harms.

Rüdiger Ullrich

Im Gegensatz dazu hat das Studio „Physio Fit“ bei der Werratal-Therme in Bad Sooden-Allendorf geöffnet. Die Krux, so Geschäftsführer Rüdiger Ullrich: Wenn festgestellt wird, dass eine mit Corona infizierte Person in der Praxis behandelt wurde, wird diese geschlossen und es gibt staatliche Hilfen. Schließe eine Praxis präventiv, gebe es nichts. Ullrich beruft sich dabei auf Informationen des Bundesverbands selbstständiger Physiotherapeuten (IfK), die von den Krankenkassen Ausgleichszahlungen für fehlende Patienten fordern. Letztere gibt es auch bei Physio Fit. Da das Bad der Therme geschlossen ist und viele zur Wassertherapie kommen, fehlen rund 80 Prozent Patienten. Wer noch kommt, wird laut Ullrich in Räumen behandelt, in denen sie sich nicht begegnen. Dabei tragen die Physiotherapeuten einen Mundschutz. Die Salzgrotte hat Ullrich vorsorglich geschlossen. 

Rubriklistenbild: © dpa

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