Theatergruppe im Familienzentrum macht mit „Gesichter der Liebe“ alle Augen nass

Nur einsam ist schwerer

Gesichter der Liebe: Den Text „Der über uns“ von Gotthold Ephraim Lessing interpretierten Lisa Kaufmann, Kristian Schwirten und Bernd Pürschel (oben) mit viel Humor und Situationskomik. Foto: Huck

Bad Sooden-Allendorf. „Friede, Freude Eierkuchen, das kann jeder“, sagt Tanja Steinhaus vom Theater im Familienzentrum (TiFZ) in Bad Sooden-Allendorf. Erst durch die Unterschiede zwischen Mann und Frau, andere Sichtweisen, Konflikte und die Tatsache, dass die beiden Geschlechter eigentlich nicht zusammen passen, es aber immer wieder versuchen, werde das Leben spannend. Das wurde beim zweiten Text- und Liederabend unter dem Titel „Gesichter der Liebe“, präsentiert vom Theater im Familienzentrum, deutlich.

„Von rosarot bis rabenschwarz“ hieß das Motto, unter dem neun Darsteller das Phänomen Männer und Frauen unter die Lupe nahmen. Mit Texten von Kurt Tucholsky, Joachim Ringelnatz und Joseph von Eichendorff wurde ein Bogen gespannt vom Kennenlernen über den einkehrenden Beziehungsalltag bis hin zum Scheitern oder erfolgreichen Führen einer Lebensgemeinschaft.

„Gesichter der Liebe“ wurde bei der ersten Aufführung am Samstagabend im Rhenanus-Haus in Sooden ein voller Erfolg. Zusätzliche Stühle mussten gestellt werden, weil der Andrang so groß war. Und am Ende wollte das Publikum die Darsteller gar nicht von der Bühne lassen.

Es wurde nicht nur gelesen, rezitiert und gesungen, sondern alle vorgetragenen Werke wurden abwechslungsreich in Szene gesetzt. Gestik, Mimik, Tanz- und Schauspieleinlagen sorgten dafür, dass im Publikum kein Auge trocken blieb. Es wurde gelacht, geprustet, nach Luft geschnappt und hier und da klopften sich Zuschauer auf die Schenkel.

Mit der Zusammenstellung der Lieder und Texte war der Theatergruppe ein Volltreffer gelungen, stimmig von der ersten bis zur letzten Minute, langweilig wurde es keinen Augenblick. Spannend, witzig, nachdenklich – immer wieder wurde vom Publikum bewundernd bemerkt, wie sich die Darsteller die langen und zum Teil schwierigen Texte nahezu fehlerfrei eingeprägt hatten und mit Witz und Charme vortrugen. Fingen sie an zu singen, sang das Publikum begeistert mit.

Mann und Frau wurden während des zweistündigen Programms als Versuchsobjekt betrachtet. Was ist typisch für die beiden Geschlechter, worin unterscheiden sie sich, außer im Offensichtlichen? Während Männer versuchen, die Angebetete mit Blumen und Gedichten für sich zu gewinnen, vertreiben Frauen ihren Auserwählten oft erfolgreich durch Festbinden und Klammern. So zumindest stellte es sich im ersten Teil dar. Dass es aber auch ganz anders sein kann, wurde nach der Pause deutlich, als Lottchen ihrem Mann einen Seitensprung nach Vorlage von Kurt Tucholsky beichtet.

Es gab Klagelieder über verlorene Liebe, Rückblicke auf vergangene Beziehungen und zum Ende hin den guten Rat von Moderatorin Tanja Steinhaus: „Wenn Sie sich doch mal streiten sollten, dann vertragen Sie sich einfach wieder.“ Denn, nach Tucholsky: „Das ist schwer: ein Leben zu zwein. Nur eins ist noch schwerer: einsam sein!“

Von Wiebke Huck

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