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Holzarbeiten im Winter sicherer

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Von: Emily Spanel

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Gewaltig: Harvester oder auch Kranvollernter sind Holzerntemaschinen, die Bäume fällen, entasten, ablängen und die Sortimente am Gassenrand ablegen. Ihr Einsatz hinterlässt seine Spuren im Wald. Archiv
Gewaltig: Harvester oder auch Kranvollernter sind Holzerntemaschinen, die Bäume fällen, entasten, ablängen und die Sortimente am Gassenrand ablegen. Ihr Einsatz hinterlässt seine Spuren im Wald. © Archiv: Sebastian Schaffner

Werra-Meißner – Ein Harvester erntet in Minutenschnelle ganze Bäume und macht sie transportbereit. Trotz der Gefahren für Waldböden ist der Einsatz der tonnenschweren Maschinen in der Forstwirtschaft unverzichtbar. Michelle Sundermann, Leiterin der Stabstelle Presse beim Landesbetrieb Hessen Forst, erklärt warum.

Warum kann es nötig werden, Durchforstungsarbeiten ungeachtet des Zustandes der Waldböden durchzuführen?

Die Holzernte von Laubbäumen findet aus verschiedenen Gründen hauptsächlich im Winter statt: Zum einen können laubabwerfende Baumarten besser „angesprochen“, das heißt beurteilt werden – Stichwort Arbeitssicherheit. Sie führen außerdem keinen Baumsaft mehr, was die Lagerfähigkeit und die Holzqualität fördert. Zum anderen ruht in dieser Zeit auch die Tierwelt und wird nicht gestört. Dass der Boden gefroren ist, ist ein zusätzlicher Grund, im Winter zu ernten.

Kann immer auf bestimmte Witterungslagen, wie zum Beispiel auf Bodenfrost, gewartet werden?

Durch die Klimakrise ist die Durchschnittstemperatur in den letzten Jahren gestiegen. Die Winter werden immer milder und das Frühjahr (und damit die Vegetationszeit) beginnt früher. Dadurch wird das Zeitfenster für die optimalen Holzerntebedingungen immer kleiner, denn bis zum 1. März müssen die Maßnahmen abgeschlossen sein. Dann beginnt die Setz- und Brutzeit.

Ist es überhaupt möglich, die Waldböden vor Schäden bei der Holzernte mit Harvestern zu schützen?

Ja: Durch die Anlage von festen Rückegassen, auf denen ausschließlich im Bestand gefahren wird, durch die Verwendung von sogenannten Bogiebändern, die die Last der Einzelreifen verteilen, und durch das „Auspolstern“ der Rückegassen mit Reisig. Ein weiterer Schutz ist das Fahren bei Frost, was eben nicht immer möglich ist.

Machen bestimmte örtliche Gegebenheiten auch den Einsatz spezieller Forstmaschinen unabdingbar?

Ja, zum Beispiel in Hanglagen oder aus Arbeitssicherheitsgründen. Gerade in Beständen, in denen es viele abgestorbene Bäume gibt, so wie wir es in den letzten Jahren immer mehr beobachten, kann die Pflege und Ernte der Bäume nicht mehr motormanuell durchgeführt werden. Zu groß wäre die Gefahr, dass die Mitarbeiter bei der Arbeit durch herabfallende Äste oder umstürzende Bäume verletzt würden.

Sind diese Spezialmaschinen jederzeit verfügbar?

Die Anzahl dieser Spezialmaschinen ist natürlich endlich. Wir arbeiten schon lange mit Forstunternehmern zusammen, die den Einsatz ihrer Maschinen selbstständig koordinieren. Daher kann es durchaus vorkommen, dass die Maschinen nicht jederzeit verfügbar sind.

Wer plant den Einsatz dieser Harvester, und mit wem wird diese Planung abgesprochen?

Der Einsatz wird im jährlichen Wirtschaftsplan geplant, vom Waldbesitzer genehmigt und vom Revierleiter durchgeführt.

Angenommen, die tonnenschweren Maschinen machen Waldwege unpassierbar - wer setzt diese wieder instand, wer kommt für die Kosten auf?

Hierbei muss man grundsätzlich zwischen Rückegassen und den Lkw-fähigen Wirtschaftswegen im Wald unterscheiden. Die Waldwirtschaftswege werden von den jeweiligen Waldbesitzenden instand gehalten. Ein Schaden, den ein Unternehmer verursacht hat, weil er sich nicht an die laufenden Absprachen hält, setzt der Unternehmer instand.

Gefühlt werden immer größere Schneisen in den Wald getrieben: Ist das eine subjektive Wahrnehmung oder eine Tatsache?

Dies ist eine subjektive Wahrnehmung. Weder hat sich die Breite noch der Abstand der Rückegassen in den letzten 20 Jahren vergrößert. Wir nehmen aber wahr, dass sich seit der Pandemie sehr viel mehr Menschen in den Wäldern aufhalten als davor. Für jemanden, der die Forstwirtschaft nicht kennt, sind manche Pflege- und Erntemaßnahmen erst einmal nicht nachvollziehbar.

Wie wichtig ist Ihnen der Aspekt der Nachhaltigkeit bei der Holzernte?

Wir Forstleute bewirtschaften den uns anvertrauten Wald schon seit 300 Jahren nachhaltig. Das heißt, dass wir nicht mehr ernten als nachwächst. Der Naturschutz hat dabei einen sehr großen Stellenwert. Unsere Naturschutzleitlinie ist unsere betriebliche Selbstverpflichtung. Der hessische Staatswald ist nach PEFC und FSC zertifiziert. (Emily Hartmann)

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