Eisberg: Geplante Windräder spalten Politiker

Hier könnten bald Windräder gebaut werden: Große Teile des Eisbergs bei Reichenbach sind als Vorranggebiet für Windenergie ausgewiesen. Jetzt liegt der Stadt eine Pachtanfrage zweier Firmen vor, die dort gemeinsam bis zu vier Windräder dort errichten wollen. Foto: Bretzler

Streit um 37 Hektar Wald gibt es derzeit in Hessisch Lichtenau. Auf dem Eisberg bei Reichenbach sagen sich bislang Fuchs und Hase gute Nacht - doch das könnte sich bald ändern.

Die EAM-Natur will dort gemeinsam mit der Firma Ventotec bis zu vier Windräder errichten.

Im Fokus steht vor allem die etwa 20 Hektar große Fläche im Eigentum der Stadt, eine weitere sieben Hektar große Fläche gehört Hessen Forst und weitere zehn Hektar teilen sich private Eigentümer.

Schon im Vorfeld der Parlamentssitzung am Freitag, 24. März, zeigte sich bei den Beratungen der Ausschüsse, dass die Meinungen bei diesem Thema aufeinanderprallen. Fakt ist, dass große Teile des Eisbergs im Regionalplan als Windvorrangfläche ausgewiesen sind, obwohl die Stadtverordneten sich 2013 dagegen ausgesprochen hatten. Die Grundlage, dort Baurecht für Windräder zu schaffen, ist somit gegeben - und damit entsteht plötzlich großer Handlungsdruck: Wer seine Flächen nicht zur Verfügung stellt, könnte beim Pacht-Kuchen leer ausgehen.

Doch existiert dieser Druck wirklich? Würden EAM und Ventotec auf Flächen von Hessen Forst und Privateigentümern zurückgreifen, wenn die Stadt nicht verpachtet? Ja, heißt es in einem Schreiben an Bürgermeister Michael Heußner. Bis zu drei Windräder könnten demnach außerhalb städtischer Flächen entstehen.

Doch nach einem Gespräch mit Matthias Dumm, Leiter des Forstamtes Hessisch Lichtenau, muss diese Auskunft angezweifelt werden. „Hessen Forst hat auf dem Eisberg nur eine kleine Fläche. Wir würden allein, ohne die Stadt, so ein Projekt nicht anstoßen“, sagt er. Auch eine Kooperation mit anderen Privateigentümern ist für ihn ausgeschlossen, sollte die Stadt nicht mit im Boot sein. „Die Privat-Grundstücke bilden mit unserem keine geschlossene Fläche und sind für Windräder eher ungeeignet.“

Das sieht auch die FWG-Stadtverordnete und Reichenbacher Ortsvorsteherin Birgit-Osigus-Koch so. Auf den Privatgrundstücken müssten die Windräder derart an den Rand gequetscht werden, um städtisches Gebiet nicht zu berühren, dass ihre Flügel die Grenzen der Vorrangfläche weit überragten. Ihr stellt sich die Frage, ob in diesem Bereich das nötige Windaufkommen noch gegeben sei, um die Räder effizient zu betreiben. Alles ungeklärte Fragen, die es vor einem Parlamentsbeschluss zu beantworten gelte. Der Hauptausschuss fordert den Magistrat auf, vorab zu prüfen, ob eine Bebauung auf Privatflächen überhaupt möglich ist.

Das Argument „wenn wir nicht verpachten, machen es andere“ darf im Parlament nicht gelten, fordert Andreas Howorka vom Team Howorka, der für den Bau von Windrädern auf dem Eisberg ist. „Alle müssen Farbe bekennen: Will die Stadt Windräder, um Einnahmen zu generieren, oder nicht? Nur darum geht es. Alles andere ist feige!“

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