Naturschützer: Bestand mehr als halbiert

Eisvögel sind im Werra-Meißner-Kreis in diesem Jahr rar

Vogelschützer Wolfgang Marode am Angelteich in Stiedenrode
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Hat in diesem Jahr kaum Eisvögel gesehen: Vogelschützer Wolfgang Marode am Angelteich in Stiedenrode, in dessen Steilufer die Vögel bereits gebrütet haben.

Werra-Meißner – Nicht einmal halb so viele Eisvogel-Beobachtungen wie 2020 hat es in diesem Jahr im Werra-Meißner-Kreis gegeben. „Der kurze, aber heftige Wintereinbruch im Februar hat die Bestände einbrechen lassen“, erklärt Wolfgang Maronde, Witzenhausens Ortsbeauftragter für Vogelschutz.

„2018 hatten wir im Kreis 106 Eisvogel-Sichtungen, 2019 waren es 133, 2020 dann 117, in diesem Jahr sind es bisher 39“, sagt Dr. Jörg Brauneis (Eschwege). „Die Zahlen spiegeln nur Trends“, erklärt der Regionalkoordinator der Internetseite ornitho.de, die Vogelbeobachtungen festhält und auswertet. Erfasst würde weder die Zahl vorhandener Vögel noch die erfolgreicher Bruten. Brauneis erinnert zudem an den Winter 1978/79. Danach habe es im Kreis eine Zeit lang fast keine Eisvögel mehr gegeben.

Gefrorene Gewässer werden zum Problem

„Eisvögel lauern auf Zweigen am Wasser, stürzen sich blitzschnell kopfüber ins kühle Nass und kommen mit kleinen Fischen, Wasserinsekten oder Kaulquappen im Schnabel wieder heraus“, so der Naturschützer. Sind Bäche und Flüsse zugefroren, verhungert der Eisvogel, der im Herbst nicht in den Süden zieht. In den vergangenen Jahren profitierte der Vogel von den milden Wintern.

„Zu schaffen macht den Fischfängern auch, wenn bei der Schneeschmelze mitgeschwemmte Erde die Flüsse und Bäche trübt“, sagt Maronde. „Das nimmt dem gefiederten Jäger die Sicht.“ Mit der Lichtbrechung im Wasser kämen sie aber gut klar.

Fehlende Brutplätze

„Eisvögel haben jedoch mit fehlenden Brutplätzen zu kämpfen“, erklärt der Witzenhäuser Vogelschützer. Sie benötigen Steilufer, die durch abrutschende Böschungen entstehen. In sie graben die Vögel bis zu 80 Zentimeter tiefe Höhlen, in denen sie ihre Jungen großziehen. Zu kämpfen haben sie dabei mit Nesträubern wie Wieseln und Waschbären und mit Hochwasser.

Zu wenig Steilufer

Ein anderes Problem: Landwirte sichern die Uferbereiche, um Landverluste zu verhindern. „Im Naturschutzgebiet Freudenthal sind die anfangs geplanten Steilufer nie geschaffen worden“, sagt Maronde. Allerdings werden im Kreis zunehmend Gewässer renaturiert und die natürliche Bach- und Flussdynamik wie in Albungen wiederhergestellt, ergänzt Brauneis. Die bessere Wasserqualität sichere zudem die Nahrungsgrundlage der Eisvögel.

„Im Altkreis Witzenhausen lassen sich Eisvögel unter anderem an der Gelster, dem Wilhelmshäuser Bach, dem Rautenbach und an Kies- und Angelteichen beobachten“, sagt Maronde. In Freudenthal habe er Anfang Februar und im Mai ein Exemplar gesehen. In durchschnittlichen Jahren bekäme man den „fliegenden Edelstein“ mit etwas Geduld an der Witzenhäuser Werrabrücke zu sehen.  

Von Michael Caspar

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