Wann ist ein Besuch sinnvoll?

Logopädin aus Wehretal im Interview: Die Eltern trifft keine Schuld

Werra-Meißner. Zwischen drei und 90 Jahren sind die Patienten von Elke Immig - 70 Prozent von ihnen sind jedoch Kinder. Die Logopädin aus Wehretal-Reichensachsen erzählt, wann ein Besuch bei ihr Sinn macht.

Ein Großteil der Kinder, die zu Ihnen kommen, lispelt wahrscheinlich? 

Elke Immig: Nein. In den Kindergärten fällt zwar häufig auf, dass viele Kinder lispeln. Dies ist bis etwa zur Einschulung aber normal und wird daher selten vorher behandelt.

Worunter leiden dann Ihre kleinen Patienten? 

Immig: Der größte Teil hat Sprachentwicklungsstörungen bei auditiver Wahrnehmung, Wortschatz, Grammatik. Auch mundmotorische Störungen bewirken oft fehlerhafte Aussprache.

Haben sie auch spät zu sprechen angefangen? 

Immig: Nein, das kann vielfältige Ursachen haben, etwa Hörprobleme durch Mittelohrentzündungen oder erbliche Veranlagung. Aber es gibt auch eine Verbindung zwischen Sprachentwicklung und Bewegungsentwicklung. Fehlendes Krabbeln kann zum Beispiel eine Ursache darstellen. Die häufige Unterstellung, dass betroffene Eltern etwas falsch gemacht haben, trifft fast nie zu.

Ab wann sollte ich mir Sorgen machen, wenn mein Kind noch nicht spricht? 

Immig: Als Richtlinie gilt: Wenn das Kind zwei Jahre alt ist und noch keine 50 Wörter spricht. Die Hälfte der sogenannten Late-Talker holt dies aber während des dritten Jahres auf. Generell sollten die Eltern immer Kontakt zum Arzt aufnehmen, wenn sie sich Sorgen machen.

Ich kann mich nicht direkt an Sie wenden? 

Immig: Logopäden sind Heilmittelerbringer und damit „rezeptpflichtig“. Eine Therapie muss immer vom Arzt oder Facharzt verordnet werden. Dieser überprüft zunächst, ob die Ohren frei sind und die Kinder richtig hören können. Eltern müssen also Eigeninitiative ergreifen.

Macht der Arzt nicht darauf aufmerksam? 

Immig: Meist schon, jedoch sind manche Ärzte aufgrund der Budgetregelung nicht in der Lage, Logopädie zu verordnen. Durch Nichttherapie ist die Gefahr, dass stärkere Sprachentwicklungsstörungen entstehen, jedoch größer.

Wie lang geht die Therapie? 

Immig: Das ist unterschiedlich. Es hängt davon ab, was therapiert werden muss. Normal werden zehn Stunden verordnet, in dessen Verlauf sich oft abzeichnet, wie lange die Therapie dauern wird. Die Methode muss passen. Wichtig ist auch ein gutes Verhältnis zwischen Therapeut und Patienten.

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