1. Startseite
  2. Lokales
  3. Witzenhausen

„Hat mich fassungslos zurückgelassen“: Familie muss sechs Monate auf Elterngeld warten

Erstellt:

Von: Julia Stüber

Kommentare

Auch die Elternzeit kostet: Umso wichtiger ist es, dass das beantragte Elterngeld auch rechtzeitig bei den Familien ankommt.
Auch die Elternzeit kostet: Umso wichtiger ist es, dass das beantragte Elterngeld auch rechtzeitig bei den Familien ankommt. © Foto: imago/Sabine Stallmann

Eigentlich soll die Anfangszeit mit dem Baby so unbeschwert wie möglich verlaufen. Doch für eine Familie aus Abterode war dies nicht der Fall.

Meißner – Es war ein wahrer Glücksmoment, als Jessica Knierims Tochter im April auf die Welt kam. Ein Jahr Elternzeit nimmt sich die junge Frau, um ganz für ihr Baby da zu sein. Dafür gibt es das Elterngeld, das Familien unterstützt, die während dieser Zeit weniger oder gar nicht arbeiten. Doch das ließ im Fall der Familie aus Abterode lange auf sich warten – erst sechs Monate nach der Geburt kam die Zusage.

„Wir haben uns rechtzeitig um alle Dokumente gekümmert und auch mit den Babylotsen in Eschwege Kontakt aufgenommen – damit wir bei dem Antrag auf Elterngeld auch alles richtig machen“, sagt Jessica Knierim. Nach der Geburt fügten sie die letzten Unterlagen hinzu – und dann begann das lange Warten. Ein Dokument fehlte in dem Antrag, wie die Kasseler Elterngeldstelle dem Paar aus Abterode im Mai mitteilte.

Kein Elterngeld: Immer wieder fehlten Dokumente

Sie reichten es schnellstmöglich nach. „Die Zeit verging. „Einen Monat später fehlte erneut ein Dokument, wir schickten es dann nach Kassel. Danach hörten wir erst mal nichts weiter von der Elterngeldstelle.“ Nach einem Anruf im Juli erklärte eine Mitarbeiterin, dass sich die Bearbeitung wegen der Urlaubszeit verzögere, berichtet Knierim.

„Im September fragte ich erneut nach. Am Telefon wurde mir gesagt, dass eine Mitarbeiterin den Antrag gerade bearbeiten will. Das hat mich fassungslos zurückgelassen. Denn inzwischen waren fünf Monate vergangen.“ Kurze Zeit später fehlte erneut ein Dokument, auch das wurde schnell nachgereicht.

Elterngeld-Probleme in Abternode: Familie muss Monate lang warten

„Das Problem ist, dass die Elterngeldstelle in einem Abstand von etwa vier Wochen mitteilte, welche einzelnen Dokumente fehlen. Dabei müsste doch beim ersten Mal schon klar sein, welche Unterlagen insgesamt fehlen. So zieht sich der Antrag unnötig in die Länge“, meint Knierim. Außerdem fehle ihr ein gezielter Ansprechpartner, der den Antrag bearbeite.

„In der Elterngeldstelle Kassel gibt es eine klare Zuständigkeitsregelung und eine durchgängige Verfahrensbearbeitung“, sagt Thorsten Haas vom Regierungspräsidium Gießen. Es sei aber möglich, dass die Bearbeitung – unter anderem wegen einer Abwesenheitsvertretung – von anderen Personen weitergeführt wird.

Elterngeld-Anträge: Jeder Antrag ist eine Einzelfallentscheidung

Hessenweit liege die Bearbeitungsdauer eines solchen Elterngeld-Antrages bei durchschnittlich 50 Kalendertagen. Grundsätzlich hänge die Bearbeitung von verschiedenen Faktoren ab – etwa vom Zeitpunkt der Antragsstellung, der Vollständigkeit der Unterlagen und von den individuellen Verhältnissen bei der Einkommenssituation der Familien. Bei jedem Antrag handele es sich um eine Einzelfallentscheidung – und die könnte mitunter komplex sein, sagt Haas.

Und dennoch: „Als Elternteil erwartet man niemals, dass die Bearbeitung so lange dauern wird. Manche Familien geraten dadurch möglicherweise in finanzielle Not – denn sie kalkulieren dieses Geld schließlich ein“, meint die 25-Jährige.

Was Familien über das Elterngeld wissen sollten

Viele Neu-Eltern nehmen sich nach der Geburt Elternzeit. Das Elterngeld schafft einen Ausgleich, da der Verdienst durch den Job geringer oder komplett ausfällt. Die Höhe des Geldes ist von der persönlichen Lebenssituation und von der Variante, die ausgewählt wird (Basiselterngeld, Elterngeld Plus, Partnerschaftsbonus), abhängig. Der Antrag dazu ist umfangreich und wird von vielen Familien als kompliziert empfunden, teilen die Eschweger Babylotsinnen mit. Sie bieten zwei Sprechstunden pro Woche im Klinikum an – dabei geht es auch um Fragen zu Anträgen oder generell um finanzielle Hilfen. (Julia Stüber)

Auch interessant

Kommentare