Polizei und Bürgermeister kontrollieren Verkehr

Elterntaxis sorgen für brenzlige Situationen in Reichensachsen

Halteverbot: Uwe Hartmann, Bürgermeister Timo Friedrich und Guido Schilling überwachen den Verkehr vor der Kleeblattschule in Reichensachsen.
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Halteverbot: Uwe Hartmann, Bürgermeister Timo Friedrich und Guido Schilling überwachen den Verkehr vor der Kleeblattschule in Reichensachsen.

Freitagmorgen, kurz vor halb zehn. Beginn der nächsten Schulstunde. Vor der Kleeblattschule in Reichensachsen steigen die ersten Mädchen und Jungen aus den Autos ihrer Eltern.

Reichensachsen – Die Friedrich-Ebert-Straße ist an dieser Stelle eng; mögliche Parkflächen aber sind klar gekennzeichnet, Schilder weisen andernfalls auf Halteverbote rund um den Komplex – in unmittelbarer Nachbarschaft zur Grundschule liegt die Kindertagesstätte Wilde Wichtel – hin.

Macht nichts: Schon hält ein Kombi in falscher Richtung, zwei Räder auf dem Gehweg. Dahinter stoppt eine Limousine. Zwei, drei weitere Fahrzeuge scheren sich ebenfalls nicht um ein mögliches Verkehrschaos. Viele weitere sogenannte „Elterntaxis“ fahren auffällig langsam an der Schule vorbei und biegen dann in eine Seitenstraße ein.

„An anderen Tagen ist hier alles voll“, sagt Wehretals Bürgermeister Timo Friedrich. Der Fußweg, die Straße, der enge Vorplatz der Schule. Jüngst erreichte ihn ein Hilferuf der Schulleitung: Zu rücksichtslos ist die Fahrweise einiger Eltern mittlerweile geworden, die Grundschüler und auch Kindergartenkinder damit in höchstem Maße gefährden.

„Die Mädchen und Jungen haben kaum eine Chance, gesehen zu werden, wenn die Autos der Eltern die Straße verstopfen“, erklärt Timo Friedrich.

Der Bürgermeister handelt sofort: Mit Uwe Hartmann und Guido Schilling kann er zwei erfahrene Polizisten gewinnen, die am Freitagmorgen den Verkehr vor der Kleeblattschule kontrollieren.

Zwischen 9 Uhr und 10 Uhr winken die Beamten Eltern heraus, sprechen sie direkt auf ihr Fahrverhalten an, leisten Aufklärungsarbeit. Geldbußen werden an diesem Tag nicht verhängt – appelliert werden soll zunächst nur an das Gewissen der Eltern.

Dass sie andere Kinder gefährden, die beispielsweise zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind, wenn sie ihre eigenen Sprösslinge bis direkt vor die Schule fahren, wollen einige Eltern ungern hören, stellen die Polizisten fest.

„Bin doch gleich wieder weg“ oder „nur einen Moment“ sind die häufigsten Reaktionen. Dabei führt gerade das Bedürfnis, ihre Kinder bis direkt vor die Schultür bringen zu wollen, zu den riskantesten Halte- und Wendemanövern.

So appellieren Bürgermeister Timo Friedrich und Polizei eindringlich gerade an die vielen ortsansässigen Eltern, ihre Kinder zumindest nicht jeden Tag zur Schule zu chauffieren und, so oft es geht, auf das Auto zu verzichten. Denn nicht der Schulweg an sich sei gefährlich, sondern eben allzu oft die Fahrt im Elternauto.

Dass sie mit ihrer Kontrollaktion einen Volltreffer gelandet haben, erleben Timo Friedrich, Uwe Hartmann und Guido Schilling am Freitagmorgen ganz unmittelbar. „Dass sollten Sie öfter machen“, rufen ihnen Eltern im Vorbeigehen zu – denn, und auch das muss klar gesagt werden, der Großteil der Reichensächser Mütter und Väter hat den Widersinn der „Elterntaxis“ schon längst erkannt. (Von Emily Hartmann)

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