EM-Sieg und Tochter an einem Wochenende

Manfred Liese holte am 8. Mai 1971 Gold für die Bundesrepublik

Ein Mann sitzt auf einem Motorrad.
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Erfolgreiches Paar: Manfred Liese aus Reichensachsen auf seiner Jawa von 1966, mit der der Rennfahrer  unter anderem 1971 im sächsischen Zschopau die Goldmedaille gewann. Während Liese in Reichensachsen bleibt, geht die Maschine nun in ein Museum nach Tschechien.

Heute vor 50 Jahren hat der Reichensächser Manfred Liese mit seiner Jawa-Einzylinder Gold bei der Enduro-Europameisterschaft im sächsischen Zschopau geholt.

Reichensachsen – Auf das Maiwochenende vor 50 Jahren fallen für Manfred Liese (75) aus Reichensachsen mehrere markante Ereignisse. Er bricht am Freitagabend, dem 7. Mai 1971 nicht nur zur letzten Enduro- Europameisterschaft nach Zschopau in die damalige DDR auf, an der die Bundesrepublik teilnehmen durfte. Drei Tage später wird im Eschweger Krankenhaus seine erste Tochter Flavia geboren. Er bringt damals aus Sachsen eine Goldmedaille mit und wird wenige Stunden später Vater. Flavia feiert demnächst einen runden Geburtstag. Seine Rennmaschine – die Jawa mit 402 Kubik aus dem Jahr 1966 – geht jetzt an ein Museum in Tschechien.

Kurz vor der Europameisterschaft in Sachsen findet auch im April 1971 in Eschwege ein großes Enduro-Zwei-Tage-Rennen statt – die „Internationale 9. DMV-2-Tage-Fahrt“. Weil der damalige Vorsitzende Heinz Bührig zu den Betreuern der DDR-Mannschaft ein gutes Verhältnis hatte, sorgt er dafür, dass Liese zu der Europameisterschaft in Zschopau erst abends anreisen muss, weil die Geburt des Kindes unmittelbar bevorsteht.

Abends gegen 21 Uhr trifft er mit seinem Mercedes 190 D, Baujahr 1965, und dem Hänger samt der Jawa in Zschopau bei strömenden Regen ein, lässt seine Maschine abnehmen und geht schlafen. In Zschopau befand sich das Motorradwerk der DDR, dass unter MZ firmierte und bis 2016 auch dort produzierte.

320 Kilometer am ersten Tag

Am Morgen des 8. Mai startet Liese um exakt 6.32 Uhr in den ersten Renntag, der eine Strecke von 320 Kilometern umfasst und über Gelände und Straße führt. Am nächsten Tag folgen weitere 220 Kilometer.

Zehntausende Zuschauer haben sich an dem sogenannten „Hang der jungen Techniker“ versammelt, um das Rennen um die Europameisterschaft zu verfolgen, erinnert sich Liese, der seit seinem 18. Lebensjahr Rennen fährt und es noch heute tut – sein letztes im vorigen Jahr in Tschechien.

1971 gewinnt er für die Bundesrepublik die Goldmedaille, die Siegesfeier findet am Sonntagabend in Zschopau statt und die DDR-Funktionäre lassen sich den Abend „richtig was kosten“, erzählt Liese.

Um 23 Uhr drückt ihn dann doch der Schuh, er bricht gen Heimat auf. Als er die Grenze bei Wartha passiert, gehen an der Grenzanlage plötzlich alle Lichter aus, die Vopos weisen ihn an, sich nicht zu rühren. „Ich bin gut bewacht von Polizisten und Schäferhunden sofort auf dem Lenkrad eingeschlafen.“ Nach eineinhalb Stunden gegen vier Uhr darf er weiterfahren. Zuhause legt er sich für zwei Stunden schlafen, arbeitet bis zum Abend, dann setzen bei seiner Frau Hildchen die Wehen ein. Am nächsten Morgen ist Manfred Liese Vater.

Mit Liebe restauriert

Das Europameisterschaftsrennen, das 1971 Werner Salewski aus der DDR gewinnt der später bei einem Rennen in England tödlich verunglückt, war das letzte, an dem die Bundesrepublik bis zum Fall der Mauer teilnehmen durfte. Die ruhige Zeit der Corona-Pandemie hat Liese zusammen mit Bruno Bierschenk aus Röhrda und Christian Hofmann aus Chemnitz genutzt, um die Jawa aufwendig und mit viel Liebe zu restaurieren.

„Wir haben alles neu gemacht, den Motor, das Licht, die Verchromung und den Lack“, sagt Liese. Nun steht die 55-jährige Dame glänzend und mit der gelben Startnummer 9 von 1971 auf der Hebebühne in Lieses Werkstatt in Reichensachsen. Die Maschine ist verkauft – an einen Rennfahrerfreund aus Tschechien, der sie dort einem Museum stiften will. Es ist nicht das erste Motorrad, von dem sich Manfred Liese trennt. „Das geht mir schon nahe, wenn die Motorräder weggehen, mit denen ich Rennen gefahren bin“, sagt der 75-Jährige. „Aber die Zeit ist jetzt abgelaufen – für die Motorräder und auch für uns.“ Stefanie Salzmann

Manfred Liese und seine Enduro-Maschinen

Der Reichensächser Manfred Liese hat als Enduro-Fahrer zahlreiche Erfolge in den 1960er- und 1970er-Jahren gefeiert. Sein größter Coup gelang im bei der Europameisterschaft 1971.
Der Reichensächser Manfred Liese hat als Enduro-Fahrer zahlreiche Erfolge in den 1960er- und 1970er-Jahren gefeiert. Sein größter Coup gelang im bei der Europameisterschaft 1971. © Mayer, Helmut, Stefanie Salzmann, Constanze Wüstefeld
Der Reichensächser Manfred Liese hat als Enduro-Fahrer zahlreiche Erfolge in den 1960er- und 1970er-Jahren gefeiert. Sein größter Coup gelang im bei der Europameisterschaft 1971.
Der Reichensächser Manfred Liese hat als Enduro-Fahrer zahlreiche Erfolge in den 1960er- und 1970er-Jahren gefeiert. Sein größter Coup gelang im bei der Europameisterschaft 1971. © Mayer, Helmut, Stefanie Salzmann, Constanze Wüstefeld
Der Reichensächser Manfred Liese hat als Enduro-Fahrer zahlreiche Erfolge in den 1960er- und 1970er-Jahren gefeiert. Sein größter Coup gelang im bei der Europameisterschaft 1971.
Der Reichensächser Manfred Liese hat als Enduro-Fahrer zahlreiche Erfolge in den 1960er- und 1970er-Jahren gefeiert. Sein größter Coup gelang im bei der Europameisterschaft 1971. © Mayer, Helmut, Stefanie Salzmann, Constanze Wüstefeld
Der Reichensächser Manfred Liese hat als Enduro-Fahrer zahlreiche Erfolge in den 1960er- und 1970er-Jahren gefeiert. Sein größter Coup gelang im bei der Europameisterschaft 1971.
Der Reichensächser Manfred Liese hat als Enduro-Fahrer zahlreiche Erfolge in den 1960er- und 1970er-Jahren gefeiert. Sein größter Coup gelang im bei der Europameisterschaft 1971. © Mayer, Helmut, Stefanie Salzmann, Constanze Wüstefeld
Der Reichensächser Manfred Liese hat als Enduro-Fahrer zahlreiche Erfolge in den 1960er- und 1970er-Jahren gefeiert. Sein größter Coup gelang im bei der Europameisterschaft 1971.
Der Reichensächser Manfred Liese hat als Enduro-Fahrer zahlreiche Erfolge in den 1960er- und 1970er-Jahren gefeiert. Sein größter Coup gelang im bei der Europameisterschaft 1971. © Mayer, Helmut, Stefanie Salzmann, Constanze Wüstefeld
Der Reichensächser Manfred Liese hat als Enduro-Fahrer zahlreiche Erfolge in den 1960er- und 1970er-Jahren gefeiert. Sein größter Coup gelang im bei der Europameisterschaft 1971.
Der Reichensächser Manfred Liese hat als Enduro-Fahrer zahlreiche Erfolge in den 1960er- und 1970er-Jahren gefeiert. Sein größter Coup gelang im bei der Europameisterschaft 1971. © Mayer, Helmut, Stefanie Salzmann, Constanze Wüstefeld
Der Reichensächser Manfred Liese hat als Enduro-Fahrer zahlreiche Erfolge in den 1960er- und 1970er-Jahren gefeiert. Sein größter Coup gelang im bei der Europameisterschaft 1971.
Der Reichensächser Manfred Liese hat als Enduro-Fahrer zahlreiche Erfolge in den 1960er- und 1970er-Jahren gefeiert. Sein größter Coup gelang im bei der Europameisterschaft 1971. © Mayer, Helmut, Stefanie Salzmann, Constanze Wüstefeld
Der Reichensächser Manfred Liese hat als Enduro-Fahrer zahlreiche Erfolge in den 1960er- und 1970er-Jahren gefeiert. Sein größter Coup gelang im bei der Europameisterschaft 1971.
Der Reichensächser Manfred Liese hat als Enduro-Fahrer zahlreiche Erfolge in den 1960er- und 1970er-Jahren gefeiert. Sein größter Coup gelang im bei der Europameisterschaft 1971. © Mayer, Helmut, Stefanie Salzmann, Constanze Wüstefeld
Der Reichensächser Manfred Liese hat als Enduro-Fahrer zahlreiche Erfolge in den 1960er- und 1970er-Jahren gefeiert. Sein größter Coup gelang im bei der Europameisterschaft 1971.
Der Reichensächser Manfred Liese hat als Enduro-Fahrer zahlreiche Erfolge in den 1960er- und 1970er-Jahren gefeiert. Sein größter Coup gelang im bei der Europameisterschaft 1971. © Mayer, Helmut, Stefanie Salzmann, Constanze Wüstefeld
Der Reichensächser Manfred Liese hat als Enduro-Fahrer zahlreiche Erfolge in den 1960er- und 1970er-Jahren gefeiert. Sein größter Coup gelang im bei der Europameisterschaft 1971.
Der Reichensächser Manfred Liese hat als Enduro-Fahrer zahlreiche Erfolge in den 1960er- und 1970er-Jahren gefeiert. Sein größter Coup gelang im bei der Europameisterschaft 1971. © Mayer, Helmut, Stefanie Salzmann, Constanze Wüstefeld
Der Reichensächser Manfred Liese hat als Enduro-Fahrer zahlreiche Erfolge in den 1960er- und 1970er-Jahren gefeiert. Sein größter Coup gelang im bei der Europameisterschaft 1971.
Der Reichensächser Manfred Liese hat als Enduro-Fahrer zahlreiche Erfolge in den 1960er- und 1970er-Jahren gefeiert. Sein größter Coup gelang im bei der Europameisterschaft 1971. © Mayer, Helmut, Stefanie Salzmann, Constanze Wüstefeld
Der Reichensächser Manfred Liese hat als Enduro-Fahrer zahlreiche Erfolge in den 1960er- und 1970er-Jahren gefeiert. Sein größter Coup gelang im bei der Europameisterschaft 1971.
Der Reichensächser Manfred Liese hat als Enduro-Fahrer zahlreiche Erfolge in den 1960er- und 1970er-Jahren gefeiert. Sein größter Coup gelang im bei der Europameisterschaft 1971. © Mayer, Helmut, Stefanie Salzmann, Constanze Wüstefeld

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