Ausflugsziel

Hoher Meißner: Entscheidung verzögert sich - Hessen Mobil verlängert Verfahren

Zugewuchert und geschlossen: Das ehemalige als Ausflugsziel beliebte Gast- und Wohnhaus Schwalbenthal ist aufgrund des Hangrutsches seit einem Jahrzehnt dicht.
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Zugewuchert und geschlossen: Das ehemalige als Ausflugsziel beliebte Gast- und Wohnhaus Schwalbenthal ist aufgrund des Hangrutsches seit einem Jahrzehnt dicht.

Seit Jahren steht das beliebte Ausflugsziel Schwalbenthal am Hohen Meißner still. Währenddessen mahlen im Schneckentempo die Mühlen der hessischen Verwaltung.

Meißner - Erneut verzögert sich eine Entscheidung zum Hangrutsch auf der Ostseite des Hohen Meißners. Betroffen ist davon nicht nur die zum Frau-Holle-Teich führende Landesstraße, die wegen akuter Hangrutschgefahr unpassierbar ist. Wegen Einsturzgefahr ist auch das ehemals als Ausflugsziel beliebte Gast- und Wohnhaus Schwalbenthal seit einem Jahrzehnt geschlossen.

Aus der Begründung der zuständigen Behörde, Hessen Mobil, geht hervor, dass sich das Planfeststellungsverfahren aufgrund von Naturschutzgründen verzögert.

Nachdem sich 2009 die ersten Risse am Gebäude zeigten, im Anschluss lange über Verantwortlichkeiten diskutiert wurde und das Land Hessen 2015 nach langem Ringen versprach, die Kosten zur Stabilisierung des abrutschenden Hangs und der betroffenen Landesstraße zu übernehmen, zieht sich der weitere Fortgang seitdem hinaus. Ein Planfeststellungsverfahren, das schließlich im Frühjahr 2019 von Hessen Mobil angestoßen wurde, sollte nach Angaben der hessischen Verwaltungsbehörde zwei Jahre dauern.

Auf Nachfrage unserer Zeitung im April (wir berichteten) erklärte Pressesprecher Nico Beck dazu: „Das Planfeststellungsverfahren läuft.“ Jetzt hakten wir erneut nach.

In der Antwort von Beck heißt es inzwischen, „die Zusammen- und Fertigstellung des finalen Genehmigungsentwurfs verzögert sich“. Ein neuer Zeitrahmen wird ebenfalls angegeben. „Die Überarbeitung wird voraussichtlich zum Jahresende fertiggestellt“, so der Pressesprecher. Passieren wird Ende des Jahres aber nichts. Denn der fertige Entwurf muss dann erst noch als „Antrag auf Durchführung eines Planfeststellungsverfahrens“ beim Regierungspräsidium Kassel vorgelegt werden.

Doch warum verzögert sich das Verfahren überhaupt? Es sind Naturschutzgründe, um die es in der Begründung von Hessen Mobil geht. Nach Angaben von Beck müssen „die landespflegerischen Unterlagen aktualisiert werden, da nach aktuellem Stand auf den Flächen der geplanten Kohärenzmaßnahmen Stürme den Bestandszustand verändert haben“. Außerdem werde aktuell auch noch ein wasserrechtlicher Fachbeitrag erstellt.

Vereinfacht gesagt, geht es also darum, dass die betroffene Landesstraße und das Gasthaus Schwalbenthal im Fauna-Flora-Habitat-Schutzgebiet (FFH) liegen und daher für jede bauliche Veränderung laut FFH-Richtlinien auch ein Ausgleich geschaffen werden muss – wie etwa hier für die Befestigung und Sicherung des Hangs und der Straße. Das wird dann als Kohärenzmaßnahme bezeichnet. „Ziel ist die Sicherung der Artenvielfalt durch die Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden Tiere und Pflanzen“, wie das Bundesamt für Naturschutz auf seiner Internetseite dazu erklärt.

Für den Erhalt des Gasthauses durch eine Stabilisierung des Hangs hat sich im vergangenen Jahrzehnt nicht nur Eigentümer Dieter Kohl eingesetzt. Auch Vertreter und Politiker aus der Gemeinde Meißner und dem Werra-Meißner-Kreis unterstützten Kohl. „Das Argument hören wir wiederholt“, sagt der Inhaber zu der neuesten Mitteilung der hessischen Verwaltungsbehörde. „Die gucken auf mein Geburtsjahr und sitzen die Angelegenheit aus“, ist der 86-Jährige aus Eschwege überzeugt.

Von Hanna Maiterth

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