Er kämpft sich zurück ins Leben

Matthias Schott aus Niederdünzebach erkrankte schwer an Corona

Auch Hündin Cara motivierte Matthias Schott, täglich spazieren zu gehen und sich dabei immer wieder realistische Ziele zu setzen.
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Auch Hündin Cara motivierte Matthias Schott, täglich spazieren zu gehen und sich dabei immer wieder realistische Ziele zu setzen.

Was ihm passiert ist, wünscht man keinem. Matthias Schott (53) infizierte sich mit dem Coronavirus und hatte einen sehr schweren Krankheitsverlauf.

Auch seine Familie erkrankte und er verlor sogar seine Mutter. Deswegen möchte er Menschen, die die Infektion immer noch nicht ernst nehmen, für das Thema sensibilisieren. Zugleich möchte er Erkrankten aber auch Mut machen:

Denn trotz seines schweren Verlaufs kämpft sich Schott ins Leben zurück und übertrifft dabei die Prognosen seiner Ärzte.

Die Erkrankung

Mit dem Coronavirus infiziert hatte sich Matthias Schott über seine Familie, als er seine Mutter zu einem Arztbesuch fuhr. Die Mutter kam am Freitag vor Weihnachten dann ins Krankenhaus, wo eine Infektion bestätigt wurde.

„Über Weihnachten hatte ich jeden Tag Kopfschmerzen, was für mich ungewöhnlich ist“, sagt Schott, der im Eschweger Stadtteil Niederdünzebach lebt. Dann kamen Fieber, Schlappsein und Appetitlosigkeit hinzu. „Am Montag, 28. Dezember, konnte ich mich dann nach Absprache mit dem Gesundheitsamt testen lassen.“ Am Mittwochmorgen kam das Ergebnis: positiv. „An dem Tag ging es mir aber schon so schlecht, dass ich kaum aufstehen konnte“, berichtet Schott. Seine Frau rief den Arzt an, der direkt den Krankenwagen bestellte. Am selben Tag noch wurde Matthias Schott auf die Intensivstation in Witzenhausen gebracht. „Und ab da setzt mein Gedächtnis aus.“

Matthias Schott wurde nicht ins Koma versetzt und doch kann er sich nur in Bruchstücken an die Tage im Krankenhaus erinnern. „Ich weiß noch, wie sie mir beim Ausziehen geholfen haben und dass ich für die Ärzte etwas unterschrieben habe.“ Er habe auch täglich mit seiner Frau telefoniert und ihr adäquat geantwortet. Doch davon weiß er nichts mehr. „Bewusst zu mir gekommen bin ich erst wieder am Dienstag, den 5. Januar“, sagt Schott.

Verlegung nach Kassel

Dieses Aufwachen war jedoch ein Schock für ihn. „An mir hingen zig Schläuche“, sagt Schott. Hinzu kamen die vielen Geräte und die vermummten Ärzte und Pfleger. „Es war ein piepsender Albtraum.“ Auch wenn er diesen Moment als traumatisierend empfunden hat, denkt er jetzt auch voller Dankbarkeit daran zurück, denn: „Das Personal in Kassel war spitzenklasse, sie haben mir jeden Wunsch von den Lippen abgelesen.“ Die Pfleger und Ärzte haben einen Horrorjob, allein wegen der drei Schichten Schutzkleidung, davon ist Schott überzeugt. Dennoch hätten sie es geschafft, ihm Sicherheit und Zuversicht zu geben, wofür Schott sehr dankbar ist.

Nach Kassel war Matthias Schott am Samstag, 2. Januar, verlegt worden. Seine Lunge war zu dem Zeitpunkt völlig entzündet, sein Körper funktionierte nur noch im Notbetrieb. Die Ärzte hofften, ihn mit einer Ecmo-Therapie retten zu können. „Wie ich später erfahren habe, liegt die Überlebensrate dann nur noch bei 20 bis 25 Prozent, und die Methode wird nur bei relativ gesunden und stabilen Patienten versucht, da sie sehr anstrengend ist“, erklärt Schott. Bei der Behandlung wird das Blut des Patienten außerhalb des Körpers mit Sauerstoff angereichert, um der Lunge eine Verschnaufpause zu geben. Im Nachhinein habe er erst erfahren, wie knapp es wirklich um ihn stand.

„Nachdem ich am 5. Januar wieder zu mir gekommen war, hat sich mein Zustand nach und nach wieder verbessert“, sagt Schott. Dabei war jede Bewegung sehr anstrengend für ihn. „Als ich mich mal aufsetzen durfte, war ich nach fünf Minuten völlig k. o..“

Rückkehr

Am Montag, 11. Januar, wurde Schott wieder zurück nach Witzenhausen gebracht. „Da konnte ich bereits wieder stehen und mit einem Laufgerät erste Schritte machen“, sagt Schott. Am folgenden Tag wurde er auf die Normalstation verlegt.

Während der ganzen Zeit befand sich auch Matthias Schotts Mutter in Witzenhausen im Krankenhaus. Bis dahin ging es ihr relativ gut, am Tag von Schotts Verlegung verschlechterte sich ihr Zustand jedoch dramatisch. Im Gegensatz zu Schott, der außer Bluthochdruck keine Vorerkrankungen hatte, war seine Mutter Diabetikerin. Am Mittwoch teilten ihm die Ärzte mit, dass seine Mutter gestorben war.

„Ich musste dann den Hebel umstellen und mich nur auf meine Genesung konzentrieren. Ich habe Familie daheim, die warten auf ihren Papa“, sagt der Vater zweier Töchter. So setzte Schott sich immer wieder kleine und vor allem realistische Ziele, deren Erreichen ihn wiederrum zum Weitermachen motivierten. „Als ich in Witzenhausen das erste Mal wieder selbst ins Bad und auf Toilette gehen konnte, das war schon ein Highlight“, berichtet der 53-Jährige.

Entlassung und Reha

Dank der Hilfe der Physiotherapeuten, Pfleger und Ärzte trainierte Schott motiviert weiter und auch hier betont er, wie gut sich alle um ihn gekümmert hätten. Mit Sauerstoffgerät, Duschhocker und Rollator konnte er dann am Freitag, 22. Januar, nach Hause entlassen werden. „Meine Frau war positiv überrascht, dass ich alleine schon von meinem Zimmer zum Auto laufen konnte. Nur Treppen waren schwierig“, sagt Schott.

Anfang Februar konnte Matthias Schott dann seine Reha in der Kurhessen-Klinik in Bad Sooden-Allendorf beginnen. Die Ärzte waren sehr zufrieden mit seinen Fortschritten, da er den Prognosen immer einen Schritt voraus war. So konnte er dann bereits auf den Rollator verzichten und brauchte auch so gut wie keinen Sauerstoff mehr.

Bei der Reha wurde besonders an Schotts Atemgymnastik gearbeitet und die Muskulatur dafür aufgebaut, was Schott als sehr wichtig für seine Genesung erachtet. „Auch dort war die Betreuung Spitzenklasse“, betont der 53-Jährige.

Wieder daheim

Daheim trainierte Schott täglich weiter. „Als Ziel wollte ich es bis Ende April wieder auf den Leuchtberg schaffen, das war vor der Erkrankung meine Walking-Strecke.“ Diese Ziel erreichte er bereits Ende März. Die guten Fortschritte bei seiner Heilung haben ihn motiviert, immer weiter zu machen. Genauso wichtig waren aber auch die vielen mutmachenden Nachrichten und Genesungswünsche, die Schott von Familie, Freunden und Arbeitskollegen erreicht haben.

Bei einer Nachuntersuchung im April wurde Schott bereits wieder ein Lungenvolumen von 80 Prozent bescheinigt. „Das Röntgenbild von meiner Lunge sah deutlich besser aus, jetzt gab es nur noch einzelne weiße Stellen, wo die Lunge vorher völlig weiß filtriert war.“

Seit Mai hat Matthias Schott nun mit der Wiedereingliederung begonnen. „Zum Glück kann ich stundenweise im Home-Office arbeiten“, freut sich Schott. Denn auch der Weg nach Kassel an seinem Arbeitsort beim DRK wäre aktuell noch nicht für ihn möglich.

Zweiter Geburtstag

Den 5. Januar wird Schott als zweiten Geburtstag feiern und mit Sicherheit häufig an das Datum zurückdenken. Seine Erkrankung zwang ihn, zu lernen, die Balance zwischen Ehrgeiz und Geduld zu finden und nur das zu schaffen, was man schaffen kann. „Ein Arzt sagte zu mir: ,Überlegen Sie, wo Sie herkommen!’ Meine Fortschritte wären sensationell“, sagt Schott. Dankbar ist er für die viele Hilfe, die er von allen Seiten erfahren hat. Auch seine Familie wurde von Freunden unterstützt, die Rückhalt gegeben haben. Matthias Schott: „Das war unheimlich wichtig.“

(Evelyn Ludolph)

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