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Sozialpreis-Gewinner: Jörg Probstmeier kümmert sich um Kriminalitätsopfer

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Von: Stefan Forbert

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Sozialpreis-Gewinner: Jörg Probstmeier kümmert sich um Kriminalitätsopfer
Sozialpreis-Gewinner: Jörg Probstmeier kümmert sich um Kriminalitätsopfer © Stefan Forbert

Ehrenamt ist für sie Ehrensache: Die zwölf Preisträger des Sozialpreises Werra-Meißner machen sich auch in Pandemiezeiten um die Gemeinschaft verdient. Wir stellen einige in loser Reihenfolge vor.

Hessisch Lichtenau – Noch heute klagt er über Schmerzen in der linken Schulter, wahrscheinlich muss er wegen der angerissenen Sehne noch mal operiert werden. Und auch die Knie tun ihm immer mal wieder weh. Folgen der Tat, die vom Gericht als versuchter Mord gewertet wurde, spürt das Opfer nach zwei Jahren noch. Der Mann ist Anfang 30 und wohnt in einer Stadt im Werra-Meißner-Kreis. Näher möchte er nicht beschrieben werden.

Denn, und das ist noch schlimmer als die körperlichen Schmerzen, er leidet unter seelischen Folgen. Konkreter: Manuel M. (Name von der Redaktion geändert) hat Angst, dass Familienangehörige des Täters, den der Richter zu mehreren Jahren Haft verurteilt hat, ihm aus Rache auflauern. Auch ein Anschlag sei nicht auszuschließen, fürchtet er. Das lässt ihn manche Nacht nicht schlafen.

Beistand nach der Tat

Wegen dieser Angst war der alleinstehende Manuel M. zumindest erleichtert, dass er schon zwei Wochen nach der Tat sozusagen einen Beistand hatte: Jörg Probstmeier, nach 44 Jahren im Polizeidienst jetzt in Ruhestand, übernahm schnell die Opferbetreuung, besuchte und kümmerte sich um den Mann. Als Erstes gab er Manuel M. gute Ratschläge zur Prävention: Beim Verlassen des Hauses aufmerksam und in der Öffentlichkeit wachsam sein vor möglichen Übergriffen.

Besonders graute Manuel M. vor dem Weg zum Gericht, wo er als Zeuge aussagen musste. Da checkte Jörg Probstmeier schon vor dem ersten Termin das Terrain und klärte sogar ab, dass notfalls kurzfristig Polizeischutz angefordert werden konnte. Bei vier Verhandlungstagen war Manuel M. im Gericht, auf dem Flur stand er in Sichtweite zu Angehörigen des Täters. Doch Jörg Probstmeier war immer in der Nähe. „Sehr wichtig“, sagt M., sei diese Begleitung gewesen. Dadurch habe ich auch Sicherheit bekommen.“ „Er war etwas nachdenklich“, erinnert sich der erfahrene Polizeibeamte, „ich konnte ihn aufmuntern.“ Aber auch die Erklärungen vorab, wie eine polizeiliche Vernehmung abläuft, wie man als Zeuge vor Gericht befragt wird und sachlich antwortet, überhaupt wie so ein Strafprozess funktioniert – „das hat mir meine Unsicherheit genommen“, sagt Manuel M. rückblickend. Ratschläge erhielt er für die richtigen Worte bei der Vernehmung ebenso wie für das Formulieren von Schreiben an seinen Anwalt. Die erforderliche Grundgebühr für diesen übernahm der Weiße Ring, auch das organisierte Jörg Probstmeier. Da er damals nicht viel Geld verdiente, sei auch die materielle Hilfe wichtig gewesen, bedankt sich M. noch heute bei ihm.

Seit 21 Jahren Mitglied des Weißen Rings

Als Anerkennung konkret für diese Hilfe zur Bewältigung eines versuchten Mordes wurde Jörg Probstmeier der Sozialpreis 2021 des Werra-Meißner-Kreises verliehen. Seit 21 Jahren ist der heute 65-jährige Hessisch Lichtenauer Mitglied des Weißen Ringes, seit 18 Jahren kümmert er sich als ehrenamtlicher Mitarbeiter um jährlich acht bis zehn Fälle. Die schwerwiegendsten waren die Betreuung zweier Raub-Opfer und jetzt dieser von Manuel M. Auch anderweitig engagiert sich Jörg Probstmeier für seine Mitmenschen, übernimmt als Technischer Leiter und Rettungsschwimmer beim DLRG Großalmerode die Leitung von Einsätzen und Schwimmtraining für Kinder und Jugendliche und passt auf im Hallenbad in Hessisch Lichtenau und im Freibad von Waldkappel. In Sachen Tierschutz liegt ihm die Katzennothilfe am meisten am Herzen und kommunalpolitisch wirkte er neun Jahre im Stadtparlament von Hessisch Lichtenau mit.

Was Manuel M. auch nicht wusste, aber Jörg Probstmeier: Wegen der offensichtlich bleibenden, tatbezogenen Folgeschäden kann ein Antrag auf finanzielle Unterstützung nach dem Opferentschädigungsgesetz gestellt werden. Das will M. demnächst machen, Probstmeier hilft ihm natürlich auch dabei. Denn er steht ihm immer noch mit Rat und Tat zur Seite – „an jedem Tag und zu jeder Uhrzeit, auch sonntags“, sagt Manuel M., der noch ein Lob loswerden will: „Jörg ist ein sehr schlauer Fuchs, der findet immer etwas, das gut ist für das Opfer.“

Von Stefan Forbert

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