„Man muss einfach miteinander reden“

Erich von Däniken über Meinungsfreiheit und die deutsche Debattenkultur

Möchte auch mit Skeptikern ins Gespräch kommen: Erich von Däniken kommt mit seiner Show „50 Jahre Erinnerungen an die Zukunft“ nach Bad Sooden-Allendorf.
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Möchte auch mit Skeptikern ins Gespräch kommen: Erich von Däniken kommt mit seiner Show „50 Jahre Erinnerungen an die Zukunft“ nach Bad Sooden-Allendorf.

Erich von Däniken hat sich einen Namen gemacht als der Autor, der seit mehr als einem halben Jahrhundert die Existenz von Außerirdischen zu belegen versucht.

Bad Sooden-Allendorf – Am Mittwoch, 3. November, präsentiert er seine Show „50 Jahre Erinnerungen an die Zukunft“ in Bad Sooden-Allendorf. Im Interview verrät er, was die Zuschauer dort erwartet – und was er sich von der Diskussion um seine Theorien wünscht.

Ihre Vortragsreihe trägt den Titel „50 Jahre Erinnerungen an die Zukunft“, eine Hommage an Ihr erstes Werk. Was gibt es nachmehr als 50 Jahren noch Neues zu sagen?

In „Erinnerungen an die Zukunft“ habe ich so viele Punkte, Rätsel aufgegriffen. Stimmen die noch? Ist da was weggefallen? Was dazugekommen? Ist etwas untersucht worden? Das ist eigentlich das Hauptthema.

In ihrem neuen Titel „Erich von Dänikens Buch der Antworten“ verspricht der Verlagstext „völlig neue Belege“. Wie sehen die aus?

Bereits in Erinnerungen an die Zukunft habe ich die Pyramide in Ägypten aufgegriffen, ein beliebtes Thema. Seither hat man in der großen Pyramide neue Räume entdeckt, und Schächte, bis zu 60 Meter lang. Also es gibt Ergänzungen. Das Rätsel ist nach wie vor ungelöst: Wir wissen nicht, wie die Pyramide gebaut worden ist, ich weiß es auch nicht.

Also stellen Sie eher Fragen, als Antworten zu liefern?

Im Fall der Pyramide definitiv. Wie ist sie gebaut worden, und vor allem: Wer hat sie geplant? Nach Meinungen der Ethnologen war das ein Pharao, der hieß Cheops, das war so 2500 v.Chr. Nur, um eine Pyramide zu planen, mit Schächten, Gängen, Korridoren, muss ein Ingenieur dahinter sitzen. Der muss Pläne machen, ausrechnen, zeichnen. Und zu Cheops Zeit gab es das nicht. Natürlich haben Menschen die Pyramiden gebaut. Es ist überhaupt nicht meine Idee, Außerirdische hätten die gebaut. Nur wie? Wer hat Ihnen die Planung gemacht? Und was sollte das Ganze überhaupt? Das sind die Fragen.

Und bleiben diese Fragen auch nach ihrem Vortrag, oder beantworten Sie die?

Nein, ich habe viele Antworten überhaupt nicht. Schauen Sie, am Ende eines jeden Vortrages sage ich immer: Verehrte Zuschauer, was Sie hier gehört haben, ist keine Glaubensfrage. Glauben Sie das nicht. Revidieren Sie es. Ich drehe mich im Grab um, wenn irgendwelche Spinner daherkommen und aus mir einen Guru machen, oder einen Sektengründer, das ist das Letzte, was ich will.

In einem Interview haben Sie mal gesagt, dass Sie sich nicht als Wissenschaftler betrachten.

Ich habe keines meiner Bücher in wissenschaftlicher Form geschrieben. Ich habe Sie als Sachbücher geschrieben. Die Fakten darin müssen stimmen, die müssen kontrollierbar sein, die Quellen müssen stimmen, und das tun sie auch. Ein kleines Beispiel: Bibel-Gläubige sagen, der Moses habe den lieben Gott gesehen und gehört, wie der auf den heiligen Berg herniedergefahren sei. Der von Däniken sagt: Dasselbe Bibelzitat, da sehe ich nicht den lieben Gott, das waren Außerirdische. Wir gebrauchen dieselbe Quelle, aber ich interpretiere sie anders.

Sie berufen sich bei Ihrer Vorgehensweise darauf, Sachbücher zu schreiben. Im Kopp-Verlag werden aber neben Ihren auch ganz andere „Sachbücher“ veröffentlicht, die Titel tragen wie „Mekka Deutschland – Die stille Islamisierung“, „Durch Corona in die Neue Weltordnung“ oder „Adolf Hitler – eine Korrektur“…

Ich weiß, fürchterlich.

Sehen Sie die Notwendigkeit, sich davon zu unterscheiden?

Nein, ich halte mich einfach an die Freiheit der Rede. Im Deutschen Grundgesetzt steht, jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern. Und das soll so sein. Jetzt gibt es rechtsextreme Spinner, mit denen habe ich nichts am Hut. Aber es ist nicht an mir, zu entscheiden, welche Bücher der Verlag herausgibt.

Sie haben eine sehr treue Leserschaft und Fan-Gemeinde, die Ihnen offenbar am Herzen liegt. Sehen Sie da nicht die Gefahr, dass Ihre Leser durch Ihren Verlag an andere Bücher geraten?

Das ist einfach nicht Sache des Autors.

Also nicht Ihre Rolle?

Die freie Meinung, die sollte man schützen. In Deutschland ist das speziell schlimm, es wird alles so zugespitzt. Wirklich eine ungesunde Diskussionsbasis. Wenn einer auch nur ein bisschen rechts redet, wird der gleich zum Rechtsextremen gestempelt. Wir in der Schweiz, wir haben ja auch wirklich viele politische Parteien. Aber wir reden alle miteinander, die Linken und die Rechten, und wir finden einen Kompromiss. In Deutschland habe ich das Gefühl, das wird zu viel. Die einen wollen mit dem anderen gar nicht mehr reden.

Spüren Sie dieses Klima auch selbst, wenn Sie Vorträge in Deutschland halten?

Eigentlich nicht. Natürlich gibt es ein paar Skeptiker, mit denen rede ich auch immer gern hinterher. Und das ist auch ihr gutes Recht, man muss ja weiß Gott nicht einer Meinung sein. Aber man muss einfach miteinander reden. Und am Ende habe ich etwas gelernt, und die andere Seite auch.

(Alina Andraczek)

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