Erinnerungen an das brutale DDR-Grenzregime und den erschossenen Heinz-Josef Große

Fluchtmittel: Stiefel mit selbstgebastelten Tritthilfen.

Vor 27 Jahren erreichte die friedliche Revolution in der DDR ihren Höhepunkt, am 9. November fiel die innerdeutsche Grenze. Keine zwei Jahre später wurde das Grenzmuseum Schifflersgrund eröffnet, das die Erinnerung an das brutale DDR-Grenzregime wachhält.

Es ist eine besonders geschichtsträchtige Ecke oberhalb von Bad Sooden-Allendorf. Dort, unmittelbar im Bereich der mehrfach von Osten her gesicherten Grenze zwischen Bundesrepublik Deutschland und Deutscher Demokratischer Republik (DDR), wurde 1982 ein Mensch erschossen. Heinz-Josef Große wollte in die Freiheit. Schüsse in den Rücken stoppten seine Flucht - 25 Meter weiter war Westdeutschland. Große verblutete, er wurde 34 Jahre alt.

Ein einfaches Kreuz aus Birkenstämmchen steht heute an der Stelle, an der er starb. Ein Steinkreuz erinnert, nicht weit entfernt auf hessischem Gebiet, seit Februar 1983 an den Getöteten. Und das Grenzmuseum Schifflersgrund, von Menschen aus Hessen und Thüringen gemeinsam ehrenamtlich errichtet, entwickelt und betreut, hat sich das Gedenken an Heinz-Josef Große auf die Fahnen geschrieben.

Das Fluchtfahrzeug: Mit Hilfe der Schaufel des Überkopfladers überwand Heinz-Josef Große am 29. März 1982 den Metallgitterzaun. Dieser war, wie Stefan Heuckeroth-Hartmann andeutet, 3,20 Meter hoch. Fotos: Forbert

In einer der Ausstellungen wird der Fluchtversuch des zivilen Bauarbeiters aus dem Eichsfeld-Dorf Thalwenden geschildert, ein Zeitungsbericht vom Prozess gegen die beiden Schützen 14 Jahre nach der Tat ist nachzulesen. Sie wurden jeweils zu 15 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Zudem lässt das originale Fluchtfahrzeug die Dramatik von damals erahnen - über den Ausleger seines Radladers war Große über den mit Selbstschuss-Anlagen versehenen, drei Meter hohen Metallgitterzaun geklettert.

Bei Führungen auf dem alten Kolonnenweg werden zwei Einschusslöcher in den Betonpfosten gezeigt, die ein beklemmendes Zeugnis ablegen von den damals abgefeuerten Schüssen.

Info: Grenzmuseum Schifflersgrund: geöffnet täglich 10 bis 17 Uhr, nach Absprache Führungen, Seminare und Zeitzeugengespräche, Eintritt: Erwachsene 4,50 Euro, Kinder bis zehn Jahre frei, Schüler/Studenten/Behinderte/Inhaber HNA-Bonus-Karte 4,00 Euro, Familienkarte 10,00 Euro.

Adresse: Platz der Wiedervereinigung 1, 37318 Asbach-Sickenberg, Tel. 03 60 87/ 9 84 09 www.grenzmuseum.de

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