Mediziner appellieren an das Miteinander

Aktionstag des Schlaganfalls: Erst einsam, dann krank – Kümmern schützt

Krankheitsrisiko Einsamkeit: Die Folgen sozialer Isolation sind nicht nur körperlicher Art, sie gelten auch als Risikofaktor für Schlaganfälle und Herzinfarkte.
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Krankheitsrisiko Einsamkeit: Die Folgen sozialer Isolation sind nicht nur körperlicher Art, sie gelten auch als Risikofaktor für Schlaganfälle und Herzinfarkte.

Der heutige bundesweite „Tag des Schlaganfalls“ steht unter der Überschrift „Einsamkeit macht krank“.

Werra-Meißner - Aus aktuellem Anlass inmitten der Coronapandemie macht die Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe auf die gesundheitlichen Folgen sozialer Isolation aufmerksam.

„Einsamkeit ist die Todesursache Nummer eins in westlichen Ländern“, sagt der Psychiater Manfred Spitzer. Eine aktuelle Studie, so die Stiftung, bestätige dies. Sozial isolierte Menschen hätten ein mehr als 40 Prozent erhöhtes Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte.

Das bestätigt auch der Eschweger Neurologe Dr. Edgar Bollensen. „Einsamkeit erzeugt Stress und der sorgt unter anderem für klassische Risikofaktoren wie erhöhten Blutdruck.“ Deshalb sei es gerade jetzt wichtig, aufmerksam gegenüber seinen Mitmenschen zu sein.

Zirka 350 Menschen erleiden im Jahr im Werra-Meißner-Kreis einen Schlaganfall, weiß der Neurologe. „Man sollte immer wieder darauf aufmerksam machen, dass die meisten Schlaganfälle bei den Betroffenen erhebliche Behinderungen zurücklassen.“

Etwa ein Viertel der Patienten, so Bollensen, haben nach einem Schlaganfall so schwere Behinderungen, dass sie kein unabhängiges Leben mehr führen können und zum Pflegefall werden. Etwa 40 Prozent müssen nach einem Schlaganfall, vorausgesetzt er wurde frühzeitig erkannt und behandelt, mit leichteren Beeinträchtigungen wie Störungen in der Feinmotorik oder Seh- und Wortfindungsstörungen leben.

Deshalb appelliert Bollensen an Betroffene, schnell zu handeln, sollten ein oder mehrere typische Symptome auftreten. Dazu gehören plötzliche Lähmungen im Gesicht oder an Armen und Beinen, plötzlich auftretende Seh- oder Sprachstörungen. „Schlaganfall macht keinen Schmerz“, sagt der Arzt und genau das sei das Problem.

Ebenso wichtig wie eine Behandlung innerhalb eines Zeitfensters von wenigen Stunden sei die Nachsorge. „Wer einen Schlaganfall erlitten hat, muss am Ball bleiben.“ Dazu gehören Medikamente, Ernährung und Lebensweise. Würden diese Risikofaktoren nicht weiter kontrolliert, bestehe eine 20-prozentige Wahrscheinlichkeit, innerhalb der folgenden fünf Jahre wieder einen Schlaganfall zu erleiden.

In Deutschland leben nach Aussage der Stiftung bereits 1,8 Millionen Menschen mit den Folgen eines Schlaganfalles, zu denen neben körperlichen Beeinträchtigungen nicht selten auch Depressionen gehören. „Deshalb brauchen wir jetzt gute Konzepte, um diese Menschen aufzufangen“, fordert die Stifterin Liz Mohn. Daher setzt die Stiftung jetzt auf die Ausbildung ehrenamtlicher Schlaganfall-Helfer und bietet Schulungen auch online an. Zugleich sucht die Stiftung soziale Dienste als Partner.

Tipps für Angehörige und Freunde zum Umgang mit Menschen, die von Isolation bedroht sind, sowie Infos zu ehrenamtlichen Schlaganfall-Helfern und professionellen Patientenlotsen unter: schlaganfall-hilfe.de/10-mai-2021. (Stefanie Salzmann)

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