Erst Schneeschmelze, dann Hochwasser?

Pegelstände der Werra hängen vom Tauwetter und Niederschlägen ab

Ein Fluss fließt an Häusern vorbei, die auf der rechten Seite stehen. Links im Bild sind Bäume zu sehen.
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Hochwasser nach Schneeschmelze? Hochwasser hängt nun davon ab, wie rapide der Schnee schmilzt. Bürger, die so nahe am Wasser leben wie im Bad Sooden-Allendorfer Fischerstad, können sich zumindest schon mal auf Hochwasser vorbereiten.

Nach tagelangem Schneefall und nun einsetzendem Tauwetter befürchten viele Menschen im Werra-Meißner-Kreis Hochwasser.

Werra-Meißner – Auch wenn die Werra an vielen Stellen augenscheinlich bereits überzulaufen scheint: Die Pegelstände des Flusses sind bislang noch im grünen Bereich, sagt Sven Rathgeber, Eschweges Stadtbrandinspektor. Ein Blick auf die aktuellen Pegelstände verrät, dass am Messstand in Heldra der Pegel 227 Zentimeter über dem Meeresspiegel steht, in Bad Sooden-Allendorf sind es 164 Zentimeter (Stand 15. Februar). Eine Hochwasserwarnung der ersten Meldestufe gibt es in Heldra ab 380 Zentimetern über dem Meeresspiegel, in Allendorf ab 310 Zentimetern. Dann gibt es bereits stellenweise kleine Ausuferungen.

Pengelanstieg erwartet

Die zuletzt höchsten Pegelstände wurden an den Messstandorten am 7. Februar gemessen: 358 Zentimeter waren es in Heldra, 323 in Bad Sooden-Allendorf. Seitdem ist der Wasserpegel stetig gesunken. Laut den Prognosen des Landes werden die Pegel in den kommenden Tagen wieder leicht ansteigen. „Bisher ist alles okay, aber wir haben die Pegelstände täglich im Blick“, sagt der Stadtbrandinspektor.

Die Gefahr von Hochwasser sei vor allem dann gegeben, wenn die Temperaturen schlagartig steigen und dadurch viel Schnee auf einmal schmilzt, erklärt Sebastian Wrede, Hydrologe beim Hessischen Landesamt für Naturschutz und Geologie auf Nachfrage. „Derzeit deutet alles darauf hin, dass der Schnee langsam abschmelzen wird, die Hochwasserlage ist entspannt“, sagt er. Das könne sich aber ändern, wenn zum Beispiel starke Niederschläge hinzukommen. Die Prognosen seien derzeit noch unkritisch. „Wir müssen trotzdem auf der Hut sein, weil wir nicht wissen, was an Schmelzwasser aus dem Thüringer Wald noch zu uns kommt“, erklärt Rathgeber. Wer ufernah wohnt, kann sich daher auf ein mögliches Hochwasser vorbereiten, sagt Rathgeber. „Die Menschen, die schon öfter von Hochwasser geplagt waren, kennen das schon“, sagt er. Möbel in Kellern und Erdgeschossen könnte man vorsorglich hochstellen. Viele hätten sogar eigene Pumpen, die man ebenfalls schon aufbauen könne. „Das würde uns als Feuerwehr entlasten“, sagt er. Den Keller auszupumpen mache aber erst Sinn, erklärt er, wenn von außen kein Druck mehr da ist und kein Wasser mehr nachfließt. „Man schwächt sonst die Bausubstanz vom Haus“, sagt der Stadtbrandinspektor.

Sandsäcke gegen Hochwasser

Beim Bauhof Eschwege liegen für ufernahe Grundstücke zudem Sandsäcke bereit, die man sich abholen kann, sagt Uwe Schäffer vom Baubetriebshof Eschwege. „Einige Sandsäcke sind vorbereitet, zusätzlichen Sand haben wir gebunkert, falls er gebraucht wird“, sagt er. Im Falle eines Hochwassers werden Sandsäcke außerdem in betroffene Gebiete gebracht.

Das Tauwetter bringt nicht nur Hochwasser mit sich, auch auf Dachlawinen und herabfallende Eiszapfen müssen die Bürger nun besonders achten. Rathgeber betont, nicht selbst aufs Dach zu steigen, um es vom Schnee zu befreien, sondern einen Dachdecker dazuzuholen. Zu Wasserschäden im Haus könne es kommen, wenn Schnee durch ungedämmte Dächer auf den Dachboden gelangt ist und nun taut. Je mehr Schnee auf den Dachboden liegt, desto größer kann der Schaden sein. Jessica Sippel

Die Bedeutungen der drei Meldestufen

Um die Wasserstände und Abflüsse in Hessen immer genauestens im Blick zu haben, betreibt das Land 116 Pegel. Dieses Pegelmessnetz wird durch 40 weitere Pegel von Verbänden ergänzt, 21 betreibt die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes. An der Werra werden in unserem Gebiet unter anderem in Heimboldhausen, Heldra und Bad Sooden-Allendorf die Pegel gemessen. Im Falle eines Hochwassers gibt das Land drei Meldestufen vor. Für jeden Ort wird mit individuellen Wasserhöhen gerechnet.

Erhöhte Aufmerksamkeit gilt ab der Meldestufe eins, wenn der Wasserpegel etwa in Heldra die Marke 3,8 Meter und in Bad Sooden-Allendorf 3,1 Meter über dem Meeresspiegel übersteigt. Bei Eintreten dieses Falls sind bereits stellenweise Ausuferungen zu beobachten, wie es auf der Webseite des Hochwasserportals des Landes Hessen heißt. Zum Beispiel auf Wiesen und Feldern.

Die Meldestufe zwei gilt ab einem Pegelstand von vier Metern in Heldra und 3,8 Metern in Allendorf. Hier geht das Land von einem größeren Hochwasser aus, die Überflutung ufernaher Grundstücke ist möglich, Keller können zulaufen und Wasser auf den Straßen kann zu Verkehrsbehinderungen führen. „Spätestens ab diesem Meldestand ist auch die Feuerwehr im Einsatz“, erklärt Eschweges Stadtbrandinspektor Sven Rathgeber.

Die Meldestufe drei umfasst das Szenario eines „außergewöhnlichen Hochwassers“ ab einem Pegelstand von 4,3 Metern in Heldra und 4,2 Metern in Bad Sooden-Allendorf. Dann können bebaute Gebiete in größerem Umfang überflutet werden, Sperrung von größeren Verkehrsverbindungen sind möglich. Die Pegelstände werden mehrmals täglich aktualisiert und sind online nachvollziehbar: hlnug.de/static/pegel/wiskiweb2 und pegelonline.wsv.de

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