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Die ersten 300 Bäume und Sträucher des Agroforstprojekts sind gepflanzt

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Zuerst werden Pflanzpfähle in den Boden gerammt. Ein Draht schützt die Wurzeln vor Wühlmäusen. Zuletzt erhalten die Pflanzen eine Ummantelung, damit junge Triebe nicht von den Hühnern angepickt werden.
Zuerst werden Pflanzpfähle in den Boden gerammt. Ein Draht schützt die Wurzeln vor Wühlmäusen. Zuletzt erhalten die Pflanzen eine Ummantelung, damit junge Triebe nicht von den Hühnern angepickt werden. © Alina Schäfer

In drei Etappen sollen 1300 Bäume und Sträucher von 15 verschiedenen Arten auf der zwölf Hektar großen Fläche hinter dem Hof der Familie Nennewitz gepflanzt werden.

Niederdünzebach – In der letzten Woche fanden die ersten 300 frostresistenteren Pflanzen ihren Weg in die Erde, darunter Maulbeeren, Maibeeren, Esskastanien, aber auch Äpfel und Birnen.

Um das Mammutprojekt des gemeinnützigen Vereins Regenerative und Soziale Landwirtschaft umzusetzen, kamen täglich freiwillige Helfer auf dem Biohof zusammen. „Viele Helfer haben einen Bezug zu Witzenhausen oder kommen aus der Gegend, aber einige kommen auch von weiter weg, wie zum Beispiel Andi aus Würzburg“, sagt Christoph Meixner. Der IT-Spezialist wurde über die sozialen Medien auf das Projekt aufmerksam. Kurzerhand tauschte er den Computer für vier Tage gegen den Spaten ein.

Gelbe Pflanzstäbe geben den Pflanzhelfern auf der weitläufigen Fläche wichtige Hinweise, beispielsweise welcher Baum oder welcher Strauch hier in die Erde soll. Gepflanzt wird dann immer nach einem ähnlichen Schema. Zuerst werden Pflanzpfähle in den Boden gerammt, stabile Holzpfosten, woran die schmalen Bäumchen befestigt werden. Als Nächstes wird die Grasnarbe abgestochen und ein Loch ausgehoben. Bei Bäumen und Sträuchern am Rand der Fläche wird ein Draht in dem Pflanzloch platziert, um die feinen Wurzeln vor Wühlmäusen zu schützen. Darin wird die Pflanze gesetzt und das Loch wieder mit Erde verfüllt. Zu guter Letzt wird um das Bäumchen Mulch verteilt, der einen Gießring bildet, damit das Wasser beim angießen nicht den Hang hinunterläuft. Zuletzt erhalten die Pflanzen einen Schutz aus Draht, damit junge Triebe nicht von den Hühnern angepickt werden, mit denen sich die Bäume und Sträucher die Fläche teilen.

Bio-Landwirt Julius Nennewitz und Agroforst-Experte Christoph Meixner pflanzten in der vergangenen Woche die ersten Bäume und Sträucher des Agroforstprojekts auf dem Biolandhof Werragut in Niederdünzebach.
Bio-Landwirt Julius Nennewitz und Agroforst-Experte Christoph Meixner pflanzten in der vergangenen Woche die ersten Bäume und Sträucher des Agroforstprojekts auf dem Biolandhof Werragut in Niederdünzebach. © Alina Schäfer

Das klingt einfacher, als es ist, denn als Lehr- und Lernbetrieb werden unterschiedliche Versuche auf der Fläche angelegt. Während Bäume und Sträucher aus der Kontrollgruppe lediglich mit dem vorhandenen Boden auskommen müssen, wird die Erde andere Pflanzen mit verschiedenen Substraten angereichert. Eines dieser Substrate ist Pflanzenkohle. „Pflanzenkohle besitzt eine riesige Oberfläche und kann daher besonders viel Wasser speichern“, sagt Meixner. So kommen die Bäume und Sträucher zukünftig möglicherweise ohne aufwendige Bewässerungstechnik aus.

Um das Mammutprojekt des gemeinnützigen Vereins Regenerative und Soziale Landwirtschaft umzusetzen, kamen täglich freiwillige Helfer auf dem Biohof zusammen.
Um das Mammutprojekt des gemeinnützigen Vereins Regenerative und Soziale Landwirtschaft umzusetzen, kamen täglich freiwillige Helfer auf dem Biohof zusammen. © Alina Schäfer

Ein anderes Substrat, das zum Einsatz kommt, sind Mykorrhizapilze. Die kleinen Pilze gehen eine Wechselbeziehung mit den Wurzeln des Baums ein und helfen ihm, sich an die neue Umgebung anzupassen. „Der Baum erleidet durch das Pflanzen einen Pflanzschock. Um diesen möglichst gering zu halten, helfen wir ihm und geben über die Pilze ein bekanntes Milieu hinzu“, sagt Meixner.

Die Versuche wertet das Agroforst-Planungsbüro Triebwerk in den nächsten Jahren in Zusammenarbeit mit der Universität Kassel/Witzenhausen aus, um Wissen zu generieren und anderen zur Verfügung zu stellen, beispielsweise auf dem geplanten Seminarzentrum auf dem Hof der Familie Nennewitz. (Alina Schäfer)

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