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Naturschauspiel: Der Herbstzug der Kraniche gen Süden hat begonnen

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Von: Emily Spanel

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Keilförmige Formation über Eschwege: Die imposanten Vögel fliegen über den herbstlichen Leuchtberg und den Bismarckturm hinweg.
Keilförmige Formation über Eschwege: Die imposanten Vögel fliegen über den herbstlichen Leuchtberg und den Bismarckturm hinweg.  © ArchivFoto: Klaus Heinzmann

Werra-Meißner – Sie fliegen wieder – und das zu Tausenden. Von den Sammelplätzen in Nordostdeutschland ziehen die Kraniche auf breiter Front über den Rhein nach Frankreich und weiter nach Spanien. Ihre klangvollen Rufe sind weithin zu hören, ihre Keile und Ketten am Herbsthimmel unverkennbar.

„In diesen Wochen ist wieder das großartige Schauspiel ziehender Kraniche am Himmel über Hessen und dem Werra-Meißner-Kreis zu sehen“, sagt Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Hessen. Aufmerksame Naturfreunde hätten bereits die ersten Schwärme des laut trompetenden Glücksvogels am Abendhimmel beobachten können. „In den vergangenen Tagen sind bei sonnigem Wetter mit Ostwind schon einige Kraniche gen Süden geflogen“, erklärt Gerhard Eppler. Kraniche fliegen bevorzugt bei Hochdruckwetter, da sie dann von den östlichen Winden mitgetragen werden und dadurch Kraft sparen können.

Sind die Reisebedingungen günstig, lassen sich auch Massenflüge mit über 10 000 Tieren, beispielsweise über dem Ringgau-Hochplateau, beobachten. Sind die Zugbedingungen allerdings schlechter, sind auch die fliegenden Gruppen wesentlich kleiner.

Anflug des Ringgau-Hochplateaus

Häufig landen die Schwärme im Naturschutzgebiet Rhäden bei Obersuhl (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) zwischen, weiß der Vogelkundler, „und auch auf dem Ringgau-Hochplateau kann man die Vögel meist antreffen.“ Auch abgeerntete Felder würden gern angeflogen: Hier finden die Vögel noch genügend Nahrung, um sich für den kräftezehrenden Weiterflug zu stärken.

Da sich Kraniche bei ihrem Zug an Landmarken wie Flüssen und Berggipfeln orientieren, sind sie bei ungünstiger Witterung dazu gezwungen, eine außerplanmäßige Zwischenrast einzulegen. Der Nabu bittet alle Naturbeobachter um Rücksichtnahme: „An den Rastplätzen sollte man einen Abstand von mindestens 300 Meter einhalten, um die Kraniche nicht unnötig zu beunruhigen“, sagt Gerhard Eppler. Jede Störung koste die „Vögel des Glücks“ Kraft, die sie für den langen Flug in die Überwinterungsquartiere benötigten. Ausgewiesene Kranich-Beobachtungsstationen gibt es in unserer Region im Übrigen nicht.

Für den Naturbeobachter sind die ziehenden Kraniche an ihrer keilförmigen Formation und den trompetenartigen Rufen zu erkennen. Die kräftigen und erfahrenen Tiere fliegen an der Spitze, dann folgen Familien mit durchschnittlich zwei Jungtieren. Bei günstigen Flugbedingungen können die bis 1,30 Meter großen Tiere ohne Halt bis nach Südeuropa fliegen.

Übrigens: Im Volksmund werden Kraniche auch Schneegänse genannt. Das ist nicht korrekt, denn eine Schneegans gehört zur Familie der Entenvögel und hat mit den Kranichen rein gar nichts zu tun.

Sichtungen melden

Der Nabu Hessen ruft dazu auf, Kranichbeobachtungen ab sofort im Internet unter der Adresse kranich-hessen.de online zu melden. Mit Hilfe der Meldungen möglichst vieler Kranichfreunde ist es möglich, eine bessere Übersicht über das Zuggeschehen und Hinweise auf Veränderungen von Flugrouten zu erhalten.

Von Emily Hartmann

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