Die weite Welt und wir

„Krismasi ya furaha“: Der Eschweger Lenard Jost feierte das Weihnachtsfest in Ostafrika

Dort, wo das Veilchen herkommt: Der Eschweger Lenard Jost war insbesondere von der wunderschönen Landschaft in den Usambara-Bergen, wo er mehrere Monate in einem kleinen Dorf lebte, begeistert. 
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Dort, wo das Veilchen herkommt: Der Eschweger Lenard Jost war insbesondere von der wunderschönen Landschaft in den Usambara-Bergen, wo er mehrere Monate in einem kleinen Dorf lebte, begeistert. 

In unserer Serie „Die weite Welt und wir“ erzählen Menschen aus dem Werra-Meißner-Kreis, die im Ausland leben, ihre persönliche Geschichte.

Eschwege - Wenn sich das Weihnachtsfest nähert, werden bei Lenard Jost Erinnerungen wach. Erinnerungen an seine Zeit in Tansania. Im vergangenen Jahr hat er mehrere Monate in Ostafrika verbracht. „Mir hat es dort sehr gut gefallen. Die Landschaft ist wunderschön. Ich war gern mit den Menschen zusammen und habe auch etwas die Sprache, Suaheli, gelernt“, sagt Lenard Jost. Aufgrund der Corona-Pandemie musste er seinen Aufenthalt vorzeitig abbrechen. Die Erinnerungen an das Weihnachtsfest sind geblieben.

Verbracht hat er das Fest in dem Dorf Lutindi in den Usambara-Bergen. Als Freiwilliger der Vereinten Evangelischen Mission arbeitete er in einem Krankenhaus für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Das Krankenhaus gehört zur Evangelisch-Lutherischen-Kirche. Viele der Patienten sind drogenabhängig. Sie kommen aus allen Regionen des Landes, um hier, weit weg von ihrem Zuhause, behandelt zu werden. Zur Therapie gehört, dass sie in verschiedenen Projekten mitarbeiten: Weberei, Holzwerkstatt oder bei der Tee-Produktion.

Weihnachten in Ostafrika: Lenard Jost aus Eschwege verbrachte das Fest 2019 in Tansania

Im November und Dezember ist Regenzeit in Tansania. Wochenlang prasselt der Regen auf die Wellblechdächer und die unbefestigten Wege. „Sobald ich das Haus verließ, watete ich in Schlamm. Alles war nass und feucht, selbst die Kleider in meinem Zimmer“, erinnert sich Jost. Kurz vor Weihnachten klarte der Himmel wieder auf, es sind angenehme 24 Grad im Dorf. „Ungewohnte Temperaturen für mich in der Weihnachtszeit.“

Die Mitarbeiter schmücken das Krankenhaus mit Papiersternen, Wimpeln und Vorfreude auf das Fest. Während der Weihnachtsfeier für die Patienten wurden Gesellschaftsspiele gespielt und besonders gutes Essen aufgetischt: Ugali, ein fester Maisbrei mit Fleisch. Fleisch gibt es normalerweise nur selten. Jeder Patient hat auch ein kleines Geschenk erhalten.

An diesen Weihnachten im Ausland erinnert sich Lenard Jost gern: „Fast so wie bei uns zuhause“

Am nächsten Tag fand die Weihnachtsfeier für die Angestellten statt. Es gab einen Weihnachtsbaum, eine kleine Kiefer, die hier oben wächst und eine Woche vorher gefällt wurde. Statt einer Lichterkette schmücken blaue und weiße Luftballons den Baum.

Heiligabend verlief tagsüber sehr ruhig. Der Abendgottesdienst war nicht so stark besucht wie sonst. Das liegt daran, dass der eigentliche Feiertag der 25. Dezember ist. „Die Kinder haben ein Krippenspiel gezeigt, also fast so wie bei uns zuhause.“ Am Ersten Weihnachtsfeiertag war die Kirche voll. Viele haben neue Kleider tragen, die sie sich jedes Jahr zu Weihnachten aus einem Kitenge-Stoff nähen lassen. Die Chöre haben mit Band und Trommeln gesungen.

Alle klatschten, bewegten sich. Jost selbst ist an diesem Tag mit dem Piki-Piki, einem Motorrad-Taxi, nach Lushoto zu anderen Freiwilligen gefahren und hat mit ihnen Weihnachten gefeiert – ohne Familie. Bei 24 Grad Celsius hoch oben in den Usambara-Bergen. Trotzdem denkt Lenard Jost gerne an dieses besondere Weihnachtsfest zurück. „Krismasi ya furaha!“ – „Frohe Weihnachten“.

Zuvor berichteten wir über Sebastian Dölle. Der Eschweger lebt in Neuseeland. Das Land hat durch eine eigene Strategie praktische keine Corona-Fälle. (Tobias Stück)

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