Liebesbekundungen beschädigen Brücke

Stadt Eschwege entfernt Schlösser von Werrabrücke und sammelt sie

Zeugnis verliebter Eschweger: Rund 300 sogenannter Liebesschlösser sind an fünf Geländerelementen der Leuchtbergbrücke angebracht. Sie beschädigen das Metall und beeinflussen die Statik.
+
Zeugnis verliebter Eschweger: Rund 300 sogenannter Liebesschlösser sind an fünf Geländerelementen der Leuchtbergbrücke angebracht. Sie beschädigen das Metall und beeinflussen die Statik.

Die Stadt Eschwege entfernt im Zuge der Sanierung der Werrabrücke rund 300 Schlösser, die Liebende im Lauf der Jahre dort angebracht haben.

Eschwege – Rund 300 Stück hängen an den Edelstahlgittern des Brückengeländers. Von ewigen Treueschwüren über Jahrestage bis zu ganzen Familien ist hier auf Vorhängeschlössern eingraviert, was das private Glück von Eschwegern und Menschen aus der Umgebung ausmacht. Hängt das Schloss am Geländer, wird der Schlüssel in die, unter der Leuchtbergbrücke fließenden, Werra geworfen. Das Glück soll ewig halten. Auf die Brücke trifft das nicht mehr zu, sind die Metallschlösser erstmal angebracht.

Schlösser beeinflussen sensible Statik der Brücke

„Durch die Schlösser entstehen zwei Probleme“, erklärt Markus Mengel, Leiter des Tiefbauamts der Stadt Eschwege. Zum einen beeinflussen die Schlösser die sensible Statik der Fußgängerbrücke, zum anderen bringen sie die Brücke zum Rosten. „Selbst der Edelstahl, von dem wir Korrosion nicht vermutet hätten, ist angegriffen“, sagt Mengel. Bei den alle drei Jahre stattfindenden Bauwerksprüfungen, werde das jedes mal durch die Ingenieurbüros moniert, berichtet Mengel. Die Geländer-Elemente wurden jetzt abgenommen und vom Baubetriebshof von den Schlössern befreit und gereinigt.

Eschwege folgt damit der Vorgehensweise anderer Städte. Osnabrück hat Schäden an Stahlseilen, Gittern und Pfosten von Brücken auf die rostenden Schlösser zurückgeführt. Auch Hannover, Heidelberg oder Stuttgart entfernen Liebesschlösser an ihren Brücken. In Berlin ist das Anbringen der Schlösser konsequent verboten.

Liebesschlösser wurden vor zehn Jahren schon mal entfernt

Vor etwa zehn Jahren wurden die Liebesschlösser an der 24 Jahre alten Leuchtbergbrücke schon einmal abgebaut. Damals wurde ein Schloss eigenmächtig wieder abgetrennt und dabei die Brücke beschädigt. Im Zuge der Reparatur wurden gleich alle Schlösser abmontiert und entsorgt. Das soll sich diesmal nicht wiederholen. In Eschwege will man die Erinnerung der Liebenden bewahren. Deswegen werden an beiden Seiten der Brücke Plexiglas-Behälter aufgebaut, wo alle sichtbar gelagert werden. Dort werden auch neu angebrachte Schlösser landen. „Es lohnt sich nicht mehr, die Schlösser am Brückengeländer anzubringen“, sagt Mengel. Spätestens bei der nächsten Renovierung werden sie wieder entfernt.

Die Sanierung der Brücke schreitet indes im Zeitplan voran, wie Tim Lehnertz, beim Tiefbauamt für Bauwerke zuständig, bekannt gibt. Sowohl die Bohlen über die Brücke als auch die Lager darunter waren nach 24 Jahren stark in Mitleidenschaft gezogen und teilweise gefault. Zuletzt lag auch immer eine Art Teppich auf einer Hälfte der Brücke, um die Rutschgefahr zu minimieren. „Die Brücke wird jetzt mit griffigen GFK-Bohlen, einem faserverstärkten Kunststoff, neu aufgebaut“, sagt Lehnertz. Außerdem wird das Fundament ausgebessert und das Bauwerk selbst, bekommt einen neuen Anstrich. Vor Weihnachten sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. ( Tobias Stück)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.