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1.100 neue Bäume und Sträucher für Agroforstprojekt rund um Werragut Niederdünzebach

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Die Pflanzung ist abgeschlossen: Die letzten 550 Gehölze fanden in den Pflanzwochen im November und Dezember ihren Weg in den Boden.
Die Pflanzung ist abgeschlossen: Die letzten 550 Gehölze fanden in den Pflanzwochen im November und Dezember ihren Weg in den Boden. © Alina Schäfer

Die Pflanzungen des Agroforstprojekts rund um das Niederdünzebacher Werragut sind abgeschlossen. Wir zeigen, was auf der zwölf Hektar großen Fläche passiert ist.

Niederdünzebach – Vor einem Jahr nun schlossen das Werragut in Niederdünzebach und die Firma Triebwerk aus Witzenhausen die Crowdfunding-Kampagne für das Agroforstprojekt ab (wir berichteten). In der Zwischenzeit ist viel passiert auf den zwölf Hektar Land hinter dem Biolandhof Werragut der Familie Nennewitz.

Auf dem Werragut zwischen Aue und Niederdünzebach zeigt sich ein seltenes Bild. In Reih und Glied ragen auf dem Feld hinter dem Hof 1.100 Bäume und Sträucher entlang der Höhenlinien aus dem Boden.

Das ist keineswegs Zufall. In vier Pflanzwochen von Frühjahr bis Winter buddelten Landwirt Julius Nennewitz und die Firma Triebwerk mit vielen fleißigen Helfern aus ganz Deutschland Löcher in den Boden, um unterschiedlichste Gehölze zu pflanzen.

Pflanzen sollen CO2 speichern und Bodenfruchtbarkeit erhöhen

15 verschiedene Arten von Walnuss, Esskastanien, Apfel und Birne bis hin zu Persimone, Maulbeere, Feige und Paw-Paw sollen das Werragut zukünftig resilienter machen gegen Klimaextreme, aber auch Insekten eine Heimat bieten, CO2 speichern und die Bodenfruchtbarkeit erhöhen.

Um die Flächen intensiv zu bewirtschaften, nutzen Hühner und Kühe zwischen den Baumstreifen oder es wächst Getreide. Letzteres wird in der Hof eigenen Backstube frisch gemahlen zu saftigem Dinkel- und Roggenbrot verarbeitet und montags und donnerstags im eigenen Hofladen angeboten. Ähnlich werden in einigen Jahren auch die Früchte der Bäume und Sträucher zu hochwertigen Lebensmitteln verarbeitet und verkauft.

Die letzten 550 Gehölze fanden in Pflanzwochen im November und Dezember ihren Weg in den Boden. Unterschiedliche Wallnussarten mit Namen wie Franquette, Fenor, Fernette aber auch Kornelkirsch, Paw-Paws und Ölweiden. Kundige Gartenliebhaber wissen vielleicht, dass Herbst und Winter die besten Pflanzzeiten sind.

Viele fleißige Helfer aus ganz Deutschland buddelten Löcher in den Boden, um Gehölze zu pflanzen.
Viele fleißige Helfer aus ganz Deutschland buddelten Löcher in den Boden, um Gehölze zu pflanzen. © Alina Schäfer

Denn Bäume, Sträucher und alle anderen Pflanzen unterstehen einem ganz natürlichen Jahresrhythmus. „Während sie im Sommer in die Höhe wachsen, blühen und fruchten, wachsen sie im Winter in der Tiefe weiter und bilden ein starkes Wurzelsystem aus“, erklärt Chris Meixner, Agroforst-Experte der Firma Triebwerk.

Wird die Pflanze also in Herbst oder Winter gepflanzt, so wächst sie im nächsten Frühjahr schneller an und kann gestärkt Blätter und Früchte ausbilden. Ähnlich wie bei den ersten Pflanzungen wurden auch in der Herbst- und Winterpflanzungen wieder unterschiedliche Versuche angelegt. Während manches Gehölz ein Wühlmauskorb schützt, profitieren andere von Waldboden oder Pflanzenkohle, Substrate die dem Bäumchen mit Mikroorganismen oder ihrer Fähigkeit Wasser zu halten helfen könnten anzuwachsen.

Bis es so weit ist, dient das Agroforstprojekt auf dem Werragut einem Ort der Begegnung, an dem Wissen generiert und weitergegeben werden soll. Um zukünftige Agroforstsysteme noch effizienter zu gestalten, erheben bereits Studierende der Universitäten in Kassel-Witzenhausen und Göttingen erste Daten auf dem Gelände, um den Ausgangszustand zu ermitteln.

Informationen aus Projekt sollen von Bewirtschaftungsform überzeugen

So kann zukünftig untersucht werden, welche Käferarten sich zwischen den Baum- und Straucharten ansiedeln, oder aber ob die Wurzeln der Gehölze mehr Wasser auf der Fläche halten.

Weitere Studien sind bereits in Planung, um herauszufinden, ob sich Wühlmauskörbe, beigesetzte Mikroorganismen, Pflanzenkohle oder Waldboden bewähren. Außerdem soll gemeinsam mit dem Land Hessen ein kontinuierliches Untersuchungsvorgehen entwickelt werden, um die Entwicklung auf der Fläche dokumentieren zu können.

Die gewonnenen Informationen, will das Team um die auch im Seminarzentrum auf dem Hof kommuniziert werden sollen, um Interessierte von den Möglichkeiten dieser intensiven Bewirtschaftungsform zu überzeugen.

(Alina Schäfer)

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