Neuer Schwung in Vermarktungsbemühungen

Kommt eine Akademie auf das Julphar-Gelände in Eschwege?

Das Julphar-Gelände in Bahnhofsnähe: Hier waren in Eschwege mal mehr als 700 Menschen beschäftigt.
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Das Julphar-Gelände in Bahnhofsnähe: Hier waren in Eschwege mal mehr als 700 Menschen beschäftigt.

Das Julphar-Gelände in Eschwege ist als Standort für die Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz im Gespräch.

Eschwege – Die Eigentümerin des Julphar-Geländes, die Maram GmbH aus Stuttgart, bemüht sich um eine Zusage des Innenministeriums, auf dem Gelände ein Kompetenzzentrum des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zu errichten.

Unterstützung erfährt die Gesellschaft jetzt von Landrat Stefan Reuß (SPD) und den Landtagsabgeordneten Karina Fissmann und Knut John (beide SPD). In einem gemeinsamen Schreiben an Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) bitten sie um Unterstützung.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe möchte eine Neuausrichtung vornehmen. Geplant sei, ein gemeinsames Kompetenzzentrum zu errichten und eine eigene Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz an einem zweiten Standort aufzubauen.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) ist eine Bundesoberbehörde des Bundesinnenministeriums und das zentrale Organisationselement für die zivile Sicherheit. Es unterhält mit der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) eine Aus- und Weiterbildungseinrichtung, die neu ausgerichtet werden soll.

Derzeit ist diese Akademie mit vier Gästehäusern (bis zu 160 Seminarteilnehmern), Lehrsaalgebäude mit zwölf Lehrsälen, Wirtschaftsgebäude mit Mensa, Café und Gaststätte sowie ein Verwaltungsgebäude in Bad Neuenahr-Ahrweiler in Rheinland-Pfalz angesiedelt, soll aber verlegt werden.

Im Bereich Ausbildung liegt das Angebot derzeit bei jährlich etwa 500 Seminaren mit rund 12 000 Teilnehmern bei einer durchschnittlichen Seminardauer von drei Tagen.

Die Eigentümerin hat sich hinsichtlich der Standortauswahl an den Landrat gewandt. „Ich bin überzeugt, dass eine solche Akademie in der Mitte Deutschlands von großem Nutzen sein kann“, erklärt Reuß.

Aber: „Wir wissen, dass es nicht sehr wahrscheinlich ist, dass Eschwege den Zuschlag bekommt, weil nach jetzigem Kenntnisstand ein Standort in Ostdeutschland bevorzugt werden soll“, sagt John. Dennoch könne sich das Land Hessen beim Bundesinnenministerium dafür einsetzen, die Vorteile der Liegenschaft zu prüfen und mit bei der Standortauswahl zu berücksichtigen.

Zusammen mit der Landtagskollegin Karina Fissmann haben sie Bouffier und Al-Wazir nach Eschwege eingeladen, damit sie sich persönlich ein Bild vor Ort machen können. Der Bundestagsabgeordnete Michael Roth hat darüber hinaus Bundesinnenminister Horst Seehofer angeschrieben, der ebenfalls vom Standort Eschwege überzeugt werden soll.

Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) des Werra-Meißner-Kreises, die die Maram GmbH bei ihrer Vermarktungsoffensive unterstützt, verfolgt derzeit keine eigenen Pläne, wie Geschäftsführer Dr. Lars Kleeberg mitteilt. Die Wirtschaftsförderung der Kreisstadt ist bei der Unterstützung der Vermarktung federführend. Wirtschaftsförderer Wolfgang Conrad berichtet, dass es regelmäßig Interessenten für das Areal gebe.

Derzeit seien ein Dienstleister und das Finanzamt in Gesprächen. „Die Akademie für Krisenmanagement wäre ideal, ist aber unwahrscheinlich“, sagt Conrad.  (Tobias Stück)

700 Mitarbeiter in den 1960er-Jahren

Die Firma Woelm gehörte mit mehr als 700 Beschäftigten in den 1960er-Jahren zu den größten Arbeitgebern der Kreisstadt. Nach dem Tod des Firmengründers Dr. Max Woelm 1964 entschloss sich die Erbengemeinschaft das Unternehmen 1971 an die US-Firma ICN zu verkaufen. Es folgten mehrere Eigentümerwechsel und Arbeitsplatzabbau. Zuletzt wurden für Johnson&Johnson hier Dolormin, Imodium oder JHP Rödler produziert. 1995 wurde das Werk geschlossen. Julphar übernahm 1997 und wickelte den Standort Eschwege ab.

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