Studie des Hessischen Rundfunks

Alte Wehre bei Eschwege stark verkeimt: Multiresistente Keime im Fluss

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Die Alte Wehre bei Eschwege ist der am stärksten mit multiresistenten Keimen belastete Fluss in Hessen.

Eschwege – Das hat eine vom Hessischen Rundfunk in Auftrag gegebene Studie herausgefunden. Die Alte Wehre gehört neben der Lahn zu einem der sogenannten Hotspots in Hessen und war der am stärksten belastete Fluss dieser Untersuchung. Wer sich hier mit den dort vorhandenen Keimen infiziert, dem hilft im Zweifelsfall nicht einmal mehr ein Reserveantibiotikum, haben Wissenschaftler vom Karlsruher Institut für Technologie ermittelt.

Die Alte Wehre trennt sich vor Niederhone von der Wehre und fließt erst durch den Eschweger Stadtteil, vorbei am Zentralklärwerk, und mündet bei Jestädt in die Werra. Die Proben wurden im Mai 150 Meter flussabwärts nach dem Klärwerk entnommen. 

Der Leiter der Untersuchung, Professor Dr. Thomas Schwartz vom Karlsruher Institut für Technologie, erklärt sich die hohe Keimbelastung durch das Einleiten von Antibiotika in den Abwässern von Tiermastanlagen, Schlachthöfen, Klinken sowie Alten- und Pflegeheimen. Durch das Abwasser gelangen die Antibiotika in die Kläranlagen und von dort zurück in die Flüsse.

Die hohe Belastung der Wehre liege daran, dass das Klärwerk diese Stoffe nicht herausfiltere, sagt Michael Draeger, Sprecher des Hessischen Rundfunks. Das sei aber auch nicht die Aufgabe des Klärwerks. „Sie halten sich an alle gesetzlichen Bestimmungen.“ 

Stephan Bauer, Leiter des Eschweger Zentralklärwerks kennt die Studie des HR und will jetzt Konsequenzen daraus ziehen. Zum einen möchte er die 19 Mitarbeiter schützen, zum anderen dafür sorgen, dass weniger multiresistente Keime in die Flüsse gelangen. „Dazu muss das verkeimte Abwasser dort desinfiziert werden, wo es entsteht“, sagt Bauer. Die Quellen sollen jetzt ausfindig gemacht werden.

Für gesunde Menschen sieht das Umwelt-Bundesamt kein größeres Infektionsrisiko, wenn sie in diesen Gewässern schwimmen. Wer aber zum Beispiel Immunschwächen oder offene Wunden hat oder über längere Zeit Antibiotika zu sich nimmt, solle besser auf das Baden verzichten, schreibt die Behörde.

Elf Gewässer wurden untersucht

Für die Untersuchung wurden Ende Mai insgesamt elf Proben in hessischen Gewässern entnommen, darunter die Flüsse Nidda, Lahn, Main, Fulda, Gersprenz, die Alte Wehre in Eschwege sowie der Diemelsee. Alle Entnahmestellen lagen in der Nähe von Krankenhäusern, Kläranlagen oder Tiermastbetrieben.

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Kommentare

FaßhauerAntwort
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Weil die alte Wehre auch so vielen Mastbetrieben vorbei fließt und Eschwege ja geradezu ein Paradebeispiel für Massentierhaltung ist. Wenn man mal überlegt, dass im Durchschnitt in der Gemeinde Eschwege knapp 20 Kühe pro rinderhaltenden Betrieb und 49 Schweine je Schweinebetrieb gehalten werden, dann frage ich mich, wie soll dann bäuerliche Landwirtschaft aussehen?

Der Kommentar, aber auch die Aussage des Untersuchungsleiters, zeigen sehr schön wie einfach es sich gemacht wird. Keine nähere Betrachtung und der Lieblingssündenbock der Nation, fertig ist der Verursacher. Das Klärwerk, welches seine Klärwasser in die alte Wehre einleitet und keinerlei Auflagen zur Reduktion von Schwermetalen und Medikamentenrückständen hat, ist natürlich am Messergebnis unschuldig und trägt kaum bei.

RumpelstielzchenAntwort
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Schon mal daran gedacht selber etwas dagegen zu tun und das Einkaufsverhalten zu ändern. Statt immer nur auf die anderen mit dem Finger zu zeigen, selber mal Konsequenzen ziehen. Antibiotika werden ausschließlich in der Tierhaltung er konventionellen Fleischwirtschaft verwendet. Vegetarier aller Länder vereinigt euch und wir haben keine Probleme mehr mit Antibiotika durch die Landwirtschaft. Und wenn es weiter Fleisch sein soll, kann ich Ihnen meinen Biobauern empfehlen. Der hat auch keine Probleme mit Überdüngung. Wenn Sie diese Konsequenz allerdings nicht ziehen wollen, sind Sie mitverantwortlich dafür, dass wir, wie Sie es selber sagen, alle gefährdet werden. Also entweder konsequent handeln oder die ...

Lasse Svensen
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Stechen wir mal ins Wespennest: die Agrarwirtschaft, ob groß oder klein, ernährt uns nicht nur, sie gefährdet auch fleißig unser aller Leben. Nicht nur dank Antibiotika, auch Nitrat lässt grüßen…

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