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Corona: Apotheken im Werra-Meißner-Kreis impfen noch nicht

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Von: Jessica Sippel

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Corona-Impfung in der Apotheke
Corona-Impfung in der Apotheke seit letzter Woche möglich. © Friso Gentsch/dpa

Apotheken dürfen in der bundesweiten Impfstrategie gegen Corona mitimpfen, Apotheken der Werra-Meißner-Kreises sind aber noch zurückhaltend.

Werra-Meißner – Mit den Impfungen gegen das Coronavirus soll es vorangehen, daher wurden bundesweit nun die Apotheken mit ins Boot geholt, um den Menschen ein möglichst niedrigschwelliges Angebot zu machen. Bundesweit wie kreisweit sind die Apotheken aber noch zurückhaltend.

Da die Hausarztpraxen und Impfzentren aktuell nicht ansatzweise ausgelastet sind, impfen befragte Apotheken im Werra-Meißner-Kreis noch nicht mit. Das ergab eine Umfrage unserer Zeitung. Diese Zurückhaltung hat aber auch personelle und räumliche Gründe, denn für umfangreiche Schulungen und das Impfen als solches muss Personal bereitgestellt werden – oder es müssen außerhalb der Geschäftszeiten Termine vergeben werden.

Hessen: 114 Apotheken können teilnehmen

In Hessen gibt es mehr als 1400 Apotheken, 114 von ihnen haben die Voraussetzungen zum Impfen geschaffen, wie der Hessische Apothekerverband mitteilt. Zur Schulung gehören etwa die Bereiche Beratung, Theorie, Praxis und Erste Hilfe. Es wird anerkannt, wenn Mitarbeiter schon im Rahmen der Modellvorhaben zu den Grippeimpfungen geschult sind. 

Zudem benötigen Apotheken einen gesonderten Raum zum Impfen. So wird es unter anderem vonseiten der Adler-Apotheke in Eschwege und der Meißner-Apotheke erklärt. „Und wenn beim Impfen doch etwas passiert, ist die Verantwortung zu groß“, ergänzt Claudia Schröder von der Stadtapotheke in Witzenhausen.

Kassenärztliche Vereinigung in Hessen ist skeptisch

Die Kassenärztliche Vereinigung in Hessen steht dem Thema skeptisch gegenüber, wie Pressesprecher Karl Roth auf Nachfrage mitteilt. Ein Apotheker könne die Betreuung eines Arztes im Notfall nicht gänzlich ersetzen. „Zudem sehen wir es kritisch, dass angesichts von Rationierungen von Impfstofflieferungen (BioNTech) mit den Apotheken nun eine weitere Stelle um die knappen Impfstoffe rangelt“, sagt er.

Katja Förster vom Hessischen Apothekenverband wirft an dieser Stelle aber ein, dass Apotheker sehr gut geschult und auf mögliche Impfreaktionen vorbereitet werden. Zudem seien Apotheken mehr als kurzfristige Unterstützung da, wenn es einen plötzlichen Anstieg in der Impfnachfrage gibt.

So sehen es auch Dr. Meike Schöniger von der Hirsch-Apotheke in Bad Sooden-Allendorf und Sina Cuber von der Meinhard-Apotheke. „Wir haben durch die Schulungen eine gute Grundlage. Für Notfälle, etwa einen anaphylaktischen Schock, sind wir ausgebildet und ausgerüstet“, sagt sie. Die Apotheke sei bereit, springe aber nur bei Bedarf ein.

Apotheken können einspringen, wenn sie gebraucht werden

Doch selbst die Bestellungen der Hausärzte nach Impfstoff gingen zurück, wie etwa Dr. Meike Schöniger von der Hirsch-Apotheke in Bad Sooden-Allendorf erklärt. Auch in ihrer Apotheke wird zunächst nicht mitgeimpft. Im Landkreis sei man mit den Impfzentren und den Hausärzten für den aktuellen Bedarf gut genug aufgestellt. Und wenn am Ende durch das Überangebot auch noch Impfstoff weggeworfen werden müsse, sei das nicht sinnvoll. Die Schulung zum Impfen habe sie aber dennoch gemacht, sagt sie, um doch noch einspringen zu können, wenn Unterstützung gebraucht werde.

So macht es auch die Apotheke in Meinhard, wie Sina Cuber erklärt. Fünf Schulungen müsse sie für diese Ausbildung insgesamt abschließen. „Nach jeder Schulung folgt auch eine Abschlussprüfung“, erklärt sie. Die letzte Schulung finde für sie als Präsenzunterricht in Kassel statt. Zuvor musste man dafür zudem nach Frankfurt fahren.

Gerade seien die Mitarbeiter noch in der Fortbildung, gegen Ende März sei die Meinhard-Apotheke aber bereit, mitzuimpfen – wenn sie denn gebraucht werde.

Insgesamt gebe die umfassende Schulung aber eine gute Grundlage, man werde nicht nur für den reinen Piks ausgebildet und ausgerüstet, sondern auch für jegliche Notfälle danach, erklärt Cuber. Erleidet jemand einen Schock, weiß Cuber, was zu tun ist, sagt sie.

Apotheken sind gut vorbereitet

Auf die umfassende Ausbildung bezieht sich auch Katja Förster, Sprecherin des Hessischen Apothekerverbands. Man dürfe nicht vergessen, dass jeder Patient zuvor ein Anamnesegespräch hat, die Apotheker sind sensibilisiert. Im Zweifel verweise der Apotheker den Patienten auch an den Hausarzt, etwa Menschen mit einer Diabeteserkrankung oder Schwangere. „Solche speziellen Patientengruppen werden in den Apotheken eher abgelehnt“, erklärt sie.

Manche Apotheken in Hessen würden ohnehin lediglich die Zweit- und Drittimpfung anbieten. „Die Apotheken können die Risiken aber sehr gut einschätzen“, verdeutlicht Förster.

Dazu gebe es viele Menschen, die nicht ins Impfzentrum gehen wollen oder deren Hausarzt zu weit weg ist. Zuletzt habe Förster von einem Fall im Vogelsbergkreis gehört, als eine ältere Dame lieber einen Impftermin in der Apotheke ihres Dorfes gemacht habe – schlicht weil das Impfzentrum für sie zu weit weg und schwer zu erreichen sei und weil sie die Apothekerin aus ihrem Dorf kennt und ihr vertraut.

Von Jessica Sippel

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