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Heiße Spur im Archäologie-Krimi: Suche nach verschollenem Eschweger Bronze-Schwert

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Von: Kristin Weber

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Das Bronze-Schwert von Eschwege: Diese Replik wurde nach alten Zeichnungen von Robert Köcher (Wanfried-Aue) angefertigt; das Original ist verschollen.
Das Bronze-Schwert von Eschwege: Diese Replik wurde nach alten Zeichnungen von Robert Köcher (Wanfried-Aue) angefertigt; das Original ist verschollen. © Stefan Forbert

Ein 3600 Jahre altes Bronze-Schwert, das um 1870 in Eschwege ausgegraben wurde, steht plötzlich im Licht der neuesten Forschung. Dazu gibt es einen Vortrag.

Werra-Meißner – Und dabei hat der Zufall eine große Rolle gespielt. Als Professor Harald Meller, Leiter des Landesmuseums in Halle, im vergangenen Herbst in Nebra einen Vortrag zur Archäologie der berühmten Himmelscheibe hielt, hatten sich auch drei Eschweger auf den Weg gemacht, darunter Stefan Forbert und Sebastian Mader von der AG Vor- und Frühgeschichte an der Volkshochschule Werra-Meißner.

Der Professor stellte als Beifunde der Himmelsscheibe zwei Bronze-Schwerter vor – und die Eschweger hatten gleich eine Verbindung im Kopf: Ein dazu genau passendes Schwert war ja einst auch in Eschwege gefunden worden. Von einer originalgetreuen Kopie dieses Schwerts existieren noch Fotos. Nur das Schwert selbst ist verschollen. Und tatsächlich: Nun ist klar, die Waffe gehört zu einer Gruppe von etwa 20 Schwertern des Typs „Apa“, die in der Bronzezeit, ungefähr im 16. oder 17. Jahrhundert vor Christus, in Rumänien hergestellt worden waren und die an verschiedenen Orten, vom Balkan bis nach Schweden, gefunden wurden.

„Unser Schwert ist das am weitesten westlich gefundene Schwert dieser Gruppe“, sagt Dr. Karl Kollmann, Leiter der AG Vor- und Frühgeschichte. „Es handelt sich um Repräsentationsschwerter, die in der Bronzezeit offenbar an herausragende Potentaten vergeben worden waren.“ Also an lokale Herrscher oder Fürsten – was bedeutet, dass einer davon in Eschwege zu Hause gewesen sein könnte. Dieses Schwert kennzeichnete nicht nur den Status seines Trägers, es passt auch zu der These, die Harald Meller seit dem Fund der Himmelscheibe entwickelt hat: Dass es in Mitteldeutschland in der Bronzezeit bereits ein Reich gegeben habe, das vielleicht von einem König beherrscht worden war. Anhand der Schwerter wird eine weitverbreitete Führungselite sichtbar und damit die Größe des Einflussbereichs. Nun ist das Eschweger Schwert aber nach wie unauffindbar.

Dr. Karl Kollmann und Sebastian Mader haben sich daran gemacht, es aufzuspüren. Von ihrer Suche nach dem Prunkstück von vor 3600 Jahren und ihrer Detektivarbeit in der Literatur und in öffentlichen Sammlungen erzählen sie in einem Vortrag des Gesichtsvereins. Dieser findet am Dienstag, 11. Oktober, um 20 Uhr in der Aula der VHS in Eschwege statt. In diesem archäologischen Krimi gibt es eine heiße Spur. (Kristin Weber)

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