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So sieht der Rummel zum Johannisfest in Eschwege 2022 aus

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Von: Tobias Stück

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Der Festplatz genießt in der Schausteller-Szene einen hervorragenden Ruf. Deswegen kommen immer wieder spektakuläre und hochwertige Fahrgeschäfte nach Eschwege. Das Riesenrad von Fred Hofmann etwa stand vor Kurzem noch beim Formel-1-Grand-Prix in Bahrein.
Der Festplatz genießt in der Schausteller-Szene einen hervorragenden Ruf. Deswegen kommen immer wieder spektakuläre und hochwertige Fahrgeschäfte nach Eschwege. Das Riesenrad von Fred Hofmann etwa stand vor Kurzem noch beim Formel-1-Grand-Prix in Bahrein. © Stück, Tobias

Am Donnerstag (30. Juni) startet nach zwei Ausfällen wieder das Eschweger Johannisfest. Wir berichten, was die Besucher erwartet. Heute: Der Rummel auf dem Werdchen.

Eschwege – Fred Hofmann ist der Stadt Eschwege dankbar, dass er sein fast neues Riesenrad (Baujahr 2021) ein paar Tage früher aufbauen durfte. So kann er den Wüstensand vom Persischen Golf noch abwaschen, den er mit an den Werrastrand gebracht hat. Das Riesenrad der Schaustellerfamilie aus Wutha-Farnroda bei Eisenach stand vor wenigen Wochen nämlich noch in Bahrain. Beim Formel-1-Grand-Prix bestückte es den Vergnügungspark direkt neben der Rennstrecke. „Das war eine große Ehre für uns und ein tolles Erlebnis“, berichtet Hofmann von dem Engagement. Hofmann ist einer von 75 Ausstellern auf dem Eschweger Werdchen.

Widrigkeiten

Platzmeister ist auch nach zwei Jahren Pandemiepause Uwe Gondermann. Im Gegensatz zu anderen Großveranstaltungen musste der Mitarbeiter der Stadt Eschwege das Fest 2022 fast von vorne planen. Die Pandemie hat das Schaustellergewerbe gewirbelt, wie es sonst nur der Break-Dancer tut. „Ich musste in diesem Jahr viele kurzfristige Absagen kompensieren“, berichtet Gondermann. In Eschwege sollte das „Escape“ Weltpremiere feiern. Weil für den Neubau Teile fehlten, wurde das spektakuläre Fahrgeschäft nicht rechtzeitig fertig. An einem der prominentesten Plätze am Eingang Mangelgasse plötzlich eine eine 400 Quadratmeter große Lücke auf dem Festplatz.

Alles unter Kontrolle: Organisator Uwe Gondermann bereitet den Festplatz maßstabsgetreu in seinem Büro vor.
Alles unter Kontrolle: Organisator Uwe Gondermann bereitet den Festplatz maßstabsgetreu in seinem Büro vor. © Stück, Tobias

Seine jahrzehntelange Erfahrung und gute Kontakte zu den Schaustellern sorgten dafür, dass er den Platz schnell füllen konnte. Die Liste der Nachrücker ist lang.

Eschwege genießt in der Schaustellerszene einen großartigen Ruf“

Fred Hofmann

„Eschwege genießt in der Schaustellerszene einen großartigen Ruf“, erzählt Fred Hofmann, während er zwei Jungs gerade klarmacht, dass sie noch nicht mit seinem Riesenrad fahren können. In Eschwege werde man fair behandelt und mache gute Geschäfte – auch wenn es nur vier Öffnungstage des Rummels gebe. Deswegen kommt das „fahrende Volk“ gerne an die Werra – trotz zeitgleicher Konkurrenzveranstaltungen wie das Schützenfest in Hannover oder das Hainerfest in Darmstadt. 400 Bewerbungen sind in diesem Jahr bei der Stadt Eschwege eingegangen.

Herrlicher Ausblick: Aus 38 Meter Höhe hat man im Riesenrad einen hervorragenden Blick auf die Eschweger Altstadt, Werra und Meißner.
Herrlicher Ausblick: Aus 38 Meter Höhe hat man im Riesenrad einen hervorragenden Blick auf die Eschweger Altstadt, Werra und Meißner. © Tobias Stück

In diesem Jahr haben aber fast alle mit dem gleichen Problem zu kämpfen: es fehlen die Leute. Drei Leute zum Betrieb und fünf Männer zum Aufbau braucht beispielsweise Fred Hofmann. Er hat zwei seiner Mitarbeiter auch während der Pandemie, in der e keine Aufträge gab weiterbeschäftigt. Das zahlt sich heute aus.

Der Festwirt

Mit diesem Problem hat auch Steffen Reinhardt aus Geismar zu kämpfen. Dem Festwirt des Johannisfests sind während der Coronapause zahlreiche Mitarbeiter abgesprungen, die in anderen Branchen jetzt ihr Geld verdienen. Zum Johannisfest beschäftigt er rund 50 Menschen in und um das Zelt. „Ohne die Familie wäre das nicht machbar“, erzählt Reinhardt beim Aufbau auf dem Werdchen, wo er mit Bruder Sven und seinen Mitarbeitern gerade das Thekenzelt errichtet.

Bauen die insgesamt fast 3000 Quadratmeter große Zeltanlage auf: Die Festwirte Sven (links) und Steffen Reinhardt aus Geismar.
Bauen die insgesamt fast 3000 Quadratmeter große Zeltanlage auf: Die Festwirte Sven (links) und Steffen Reinhardt aus Geismar. © Stück, Tobias

15 mal 45 Meter groß ist das Gebilde, das die Haupttheke links des Haupteingangs beherbergt. Das Hauptzelt, wo die Bands spielen, ist noch mal ein ganzes Stück größer. Auf knapp 2000 Quadratmetern wird getanzt, gefeiert, gesungen und gelacht. Hunderte Tische und Bänke müssen dazu aufgestellt werden. Hinter der Bühne werden die Toilettencontainer geliefert. An der Werraseite wird noch ein weiteres großes Thekenzelt aufgebaut. Insgesamt fassen die Zelte rund 3500 Menschen.

Das kostet das Bier auf dem Johannisfest 2022

Der Eintritt ins Festzelt ist kostenlos. Das Eschweger Bier wird in 0,25 Liter großen Gläsern ausgeschenkt. Für einen Chip bekommt man ein Getränk. Auf den Preis haben sich Festwirt und Stadt auch schon geeinigt: 2,50 Euro soll der Chip kosten. Mit dem Wechsel des Festwirts hatte die Stadt die neuen blauen Chips namens Diete-Mark (D-Mark) angeschafft. 60 000 Stück hatten sie 2018 in Umlauf gebracht. Über die Zeit sind 20 000 Stück schon abhandengekommen. „Die liegen irgendwo zu Hause bei den Eschweger Zeltbesuchern“, empfiehlt Gondermann, noch mal in alten Hosentaschen oder Schubladen zu suchen. Deswegen hatte die Stadt jetzt noch mal 50 000 Stück nachgeordert.

Das Wetter zum Johannisfest soll freundlich und mäßig warm werden. Wer skeptisch ist, ober er schon wieder auf eine große Menschenmenge im Zelt treffen möchte, stellt der Festwirt in Aussicht, bei warmen Temperaturen die Seitenwände für Durchzug zu öffnen. Insgesamt hat er nach den ersten ausgerichteten Zeltfesten ausgemacht, dass die Menschen wieder feiern wollen. „Die Feste boomen, das haben wir beispielsweise beim Wichtelfest in Reichensachsen gesehen“, sagt Steffen Reinhardt.

Johannisfest: Diese Fahrgeschäfte kommen auf den Rummel auf dem Werdchen

Mit seinen 38 Metern ist das Riesenrad einer der Hingucker, der Lust auf das bunte Treiben auf dem Werdchen macht. Hofmann hatte mitten in der Pandemie in das neue Gerät, das nach seinen individuellen Wünschen gefertigt wurde, investiert. 1,4 Millionen Euro hat es gekostet. „Es wirkt klassisch und edel“, erzählt Hofmann, warum die Scheichs sein Rad für den Grand Prix haben wollten. Auf fünf Sattelschleppern wird das Fahrgeschäft transportiert. Um in den Persischen Golf zu kommen, wurden die Auflieger ab Antwerpen verschifft. Mehrere Wochen war es auf Hin- und Rückreise unterwegs. In dem Vergnügungspark neben der Rennstrecke war es für genau drei Tage aufgebaut. Am Eingang bildeten sich mehrere Hundert Meter lange Schlangen, berichtet Hofmann. Auch die zusätzliche Sicherheitsausstattung der Gondeln sei gut angekommen. Weil hinter dem Ausstieg noch eine Eventfläche eingebaut ist, auf der man auch Empfänge und Hochzeiten feiern kann, wirkt alles großzügiger.

Beim Flipper sind einer 14 Meter großen Karussellscheibe am äußeren Rand zwölf halbkugelförmige Gondeln im Kreis auf einer schräg gestellten Achse montiert. Jede Gondel enthält jeweils zwei Sitzmulden, in denen ursprünglich entweder zwei Erwachsene oder drei Kinder Platz nehmen können. Für Kinder unter acht Jahren ist die Mitfahrt verboten, die Mindestgröße liegt bei 1,50 Metern.

Neben dem Riesenrad am Eingang Tränenbrücke und dem Flipper an der Mangelgasse sind weitere Fahrgeschäfte an markanten Stellen des Festplatzes verteilt. Den größten Platz auf dem Rummel nimmt der Autoscooter ein. Er darf bei keinem Fest fehlen und hat nichts an seinem Reiz verloren, wie Besucher in Reichensachsen feststellen konnten.

Die Achterbahn Bugs&Bees ist für die ganze Familie gedacht. Die mobile Achterbahn steht auf Stahlstützen. die Fahrgäste sitzen in normaler Position in den Wagen. Kinder unter sechs Jahren dürfen nur in Begleitung mitfahren.

Die Schaukel Freak ist eine Mischung aus Schiffsschaukel und Frisbee. Die Mitfahrer sind auf den Sitzen durch Überschulterbügel gesichert. Die Blickrichtung geht zur Drehachse, die Beine hängen frei. Vor dem Start der Schaukel wird der Boden unter den Fahrgastträgern abgesenkt. Der Arm kann bis zu einem Winkel von 120˚ aufschaukeln und erreicht eine Höhe von bis zu 22 Metern. Der Fahrgastträgerkranz kann sich dabei mit bis zu 15 Umdrehungen pro Minute drehen.

Öffnungszeiten Rummel

Der Festplatz am Werdchen hat am Freitag von 15 bis Uhr (Familientag) geöffnet, am Samstag ab 15 Uhr und am Sonntag mit Eintreffen des Festzugs. Am Montag geht es bereits ab 12 Uhr bis in die Nacht los. Wegen des Auf- und Abbaus ist das Werdchen noch bis zum 8. Juli als Parkfläche gesperrt.

Ebenfalls nicht fehlen darf ein Laufgeschäft. In diesem Jahr gastiert die Villa Wahnsinn auf dem Werdchen. In dieser nicht normalen Villa können alle Altersschichten unter dem Motto „Hausparty“ feiern. Hier gilt es einen lustigen Parcours mit Glaspyramide und Co. zu absolvieren.

Aufgebaut sind auch Klassiker wie das Kettenkarussell, eine Geisterbahn, der Breakdancer, mehrere Kinderkarusselle oder eine Berg- und Talbahn. Nachdem vor einigen Jahren beschlossen wurde, sogenannte Pferdekarusselle mit echten Tieren, die im Kreis laufen, zu untersagen, gibt es jetzt ein zweistöckiges Karussell mit Holzpferden. (Tobias Stück)

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