Experten untersuchten uraltes Holz

Baumstamm aus dem Werratalsee ist noch älter als die Pyramiden

Ganz schön alt: Der Baum, der im November 2019 aus dem Werratalsee bei Eschwege gezogen wurde, stand schon vor 5000 Jahren im Werratal.
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Ganz schön alt: Der Baum, der im November 2019 aus dem Werratalsee bei Eschwege gezogen wurde, stand schon vor 5000 Jahren im Werratal.

Eine echte Rarität ist jetzt im Werratalsee bei Eschwege geborgen worden: Ein Baumstamm, der 5000 Jahre alt ist.

Wie alt mag der zehn Meter lange und gut einen Meter starke Baumstamm sein, der da seit Mitte November am Sandstrand des Werratalsees am Campingpark Knaus in Eschwege liegt – mittlerweile in zwei Teile zersägt? Und um welche Baumart handelt es sich? Das fragten sich schon viele Spaziergänger, die nach dem Herausziehen des Stammes vom Seegrund am Südwestufer vorbeikommen.

Ganz schön dick: Der Durchmesser des Eichenstammes beträgt mehr als einen Meter.

Die Antworten kann jetzt Dr. Karl Kollmann, der Leiter der Arbeitsgemeinschaft Archäologie bei der VHS Werra-Meißner und einstige langjährige Eschweger Stadtarchivar, geben: Es handelt sich um eine Eiche, die fast 400 Jahre alt wurde. Sie stand vor 5000 Jahren im Werratal, genau von 3206 bis 2814 vor Christus – also zu einer Zeit, als die Pyramiden in Ägypten noch nicht erbaut waren. Diese genauen Aussagen stammen aus Erkenntnissen von einem Experten am Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie in Mannheim. Dem hatte Kollmann zunächst eine kleine Probe geschickt, damit die Holzart bestimmt werden konnte. Dann wurde, wie er berichtet, mithilfe des Heimatvereins Aue eine Scheibe abgesägt und ein großes Stück, das vom Kern bis zur Borke reichte, zur Datierung nach Mannheim geschickt.

Dort erfolgte durch Ermittlung der gut sichtbaren Jahresringe eine dendrochronologische Untersuchung. Dabei werden, wie Kollmann erläutert, die Abstände der Wachstumsringe vermessen und bilden aufgrund ihrer Unregelmäßigkeit eine charakteristische Kurve, die sich zeitlich genau einordnen lässt – solange das Stück nicht älter als 14 000 Jahre ist. Und das war es, wie sich herausstellte, ja nicht.

Der Baum stand also vor 5000 Jahren sehr wahrscheinlich nicht weit entfernt vom Fundort, wie Kollmann annimmt. Denn: „Wegen der Erhaltung eines Teiles der Krone kann ein Transport durch die Werra ausgeschlossen werden.“ Zu jener Zeit lebten im Werratal bereits Menschen, so Historiker Kollmann. Etliche Funde von Steinwerkzeugen hätten das bewiesen, nur ließen diese sich nie exakt datieren. Er kündigt an, dass jetzt versucht werden soll, weitere Einzelheiten über diese Zeit vor 5000 Jahren in unserer Region zu ermitteln und dann in einem Vortrag zu präsentieren.

Zudem sorgt er sich um die Zukunft des besonderen Baum-Fundes. Wegen der Größe war der Stamm zunächst in der Mitte geteilt worden, und der Abtransport verzögerte sich, weil wegen der milden Witterung der aufgeweichte Boden ein Befahren mit größerem Gerät bislang nicht zulässt. „Was soll nun mit diesem uralten Zeugen der Vergangenheit geschehen?“, fragt sich Karl Kollmann. Die Konservierung auf Dauer sei schwierig und vor allem teuer. Geplant sei, einige Stücke beziehungsweise Scheiben zu erhalten. Aber der Großteil werde wohl „leider der Entsorgung zum Opfer fallen“. 

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