Kommunikation soll gestärkt werden

Berufliche Schulen: Deutsche und Flüchtlinge kochen internationale Gerichte

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Gemeinsam Kochen verbindet: Walid (v. l.) aus Somalia, Katharina und Odige aus Nigeria werkeln zusammen in der Küche der Beruflichen Schulen Eschwege.

Eschwege. Mit einer Kochaktion soll die Kommunikation an den Beruflichen Schulen gestärkt werden.

Es wird gehackt, gerührt, geschnibbelt und gebrutzelt. Und vor allem wird geredet. Nicht nur in allerlei unterschiedlichen Sprachen, sondern teils auch mit Gesten und Gefuchtel. Und das ist genau das, worum es bei der Kochaktion in den Beruflichen Schulen in Eschwege geht: Um Kommunikation. Etwa 30 Schüler, sowohl deutsche, als auch neu angekommene, ausländische, bereiten gemeinsam internationale Gerichte zu.

Eingeteilt in mehrere Gruppen, denen die Schüler teils kryptische Namen wie „H-Milch“ oder „Meine Fresse“ gegeben haben, wird gekocht. Jeweils zwei deutsche und zwei ausländische Schüler begleiten eine Station. „Meine Fresse“ ist das Team von Said, die Floskel ist sein Markenzeichen. Said spricht schon alltagstaugliches Deutsch. Das gilt nicht für alle der im Kreis ankommenden Flüchtlinge. Viele sind gar nicht alphabetisiert, haben also in ihrer Heimat weder Lesen noch Schreiben gelernt.

Thomas Mülverstedt, Lehrer und Abteilungsleiter für die Bereiche Berufsvorbereitung/Besondere Bildungsgänge/Eibe hat sich das Projekt gemeinsam mit Kollegen ausgedacht, um den Kontakt der Schüler untereinander zu fördern. „Viele sind innerhalb ihrer Klassen gut integriert, außerhalb der Schule funktioniert das maximal noch im Sportverein“. sagt er.

Die Gerichte, die schnell unbekannte, aber wohlriechende Düfte verbreiten, sind typisch für die Länder aus denen die Schüler kommen. Es gibt kurdische Reisbällchen mit Fleisch, Milchreisvariationen, dazu Tom Kha Gai, eine thailändische Suppe und chinesischen Kuchen. Weil Integration immer nur gegenseitig funktioniert, gibt es auch typisch deutsche Gerichte, wie Schnitzel mit Bratkartoffeln.

Kein Platz für Förmlichkeit 

Weil sich hier noch nicht alle untereinander kennen, trägt jeder ein Namensschild, auch die Lehrer geben hier nur ihre Vornamen an. In der Küche ist kein Platz für viele Förmlichkeiten. Das vorherrschende, aber durchaus gewollte Chaos einer Großküche erfüllt seinen Zweck. Die Schüler sind quasi gezwungen, zu kommunizieren. Hemmschwellen sind aber ohnehin kaum spürbar. „Wo sind die Knethaken?“, fragt der eine, „Wie spricht man die Zutat aus?“, der nächste. Hilfe kommt immer sofort.

Unterstützung für die Schüler kommt zusätzlich von den Verbindungslehrern und der Schülervertretung selbst. Lernen können bei einem solchen Projekt stets alle Beteiligten. (lad)

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