Beleidigungsprozess geht in die zweite Runde

Bespuckt und als "Ossi-Schwein" beschimpft: Prozess wegen Beleidigung vertagt

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Der Verteidiger des Angeklagten hatte eine Vertagung beantragt, weil ein zusätzlicher Zeuge gehört werden soll, der sich zurzeit im Ausland befindet.

Noch ein zweites Mal muss sich das Amtsgericht in Eschwege mit einem Fall von Beleidigung und Nötigung im Straßenverkehr auseinandersetzen.

Der Verteidiger des Angeklagten hatte eine Vertagung beantragt, weil ein zusätzlicher Zeuge gehört werden soll, der sich zurzeit im Ausland befindet.

Was war geschehen? Im Oktober 2018 befuhren der 58-jährige Beschuldigte und ein Zeuge jeweils in ihren Autos die Bahnhofstraße in Eschwege in Richtung Innenstadt. Der vorausfahrende Angeklagte war in Höhe zum Abzweig Schillerstraße so langsam, dass der Zeuge stark abbremsen musste und ihn anschließend auf der zweispurigen Straße überholte. Wahrscheinlich benutzte der Zeuge auch die Hupe. Das missfiel dem 58-Jährigen nach Angaben des Staatsanwaltes so sehr, dass er den 37-Jährigen verfolgte und anschließend „ausgebremst“ hat.

Als beide Fahrzeuge im Rückstau an der Ampel am Landgrafenschloss nebeneinanderstanden, beschimpfte der in Halle/Sachsen geborene Mann seinen Kontrahenten als „Ossi-Schwein“ und bespuckte den Dienstwagen mit ostdeutschem Kennzeichen des Zeugen.

Zorn und Hass

Dieser sei total perplex ob des „Zorns und Hasses“ des Mannes gewesen, sagt der 37-jährige Mann aus Hessen. Außerdem sei er von dem Mann gefilmt worden. Obwohl er rund 60.000 Kilometer pro Jahr dienstlich im Verkehr unterwegs sei und er so gelegentlich Auseinandersetzungen im Straßenverkehr miterlebe, sei ihm so ein Verhalten noch nicht untergekommen. Deswegen habe er sich entschieden, zeitnah Anzeige bei der sogenannten Onlinewache der Polizeidirektion Werra-Meißner zu erstatten. Zur Beweissicherung machte er Fotos von dem Speichel an seinem Auto und reichte ein Foto des Wagens des Beschuldigten vom Tattag nach.

Der Beschuldigte, der als Staatsangehörigkeit „BRD“ angab, äußerte sich selbst nicht zu den Vorwürfen. Sein Verteidiger Stefan Knispel ließ verlautbaren, dass der Wagen seines Mandanten zum Tatzeitpunkt für eine Abgasuntersuchung in einer Werkstatt in Bebra gewesen sein soll und legte eine Rechnung vom 27. Oktober 2018 vor. Dass der Beleg elf Tage nach der Tatzeit ausgestellt wurde, begründete er damit, dass der Wagen wohl längere Zeit in der Werkstatt stand.

Ermittlungen der Eschweger Polizei zufolge befindet sich die angegebene Werkstatt in Bebra bereits seit 2015 in einem Insolvenzverfahren.

Der Geschäftsführer war bislang nicht zu erreichen. Weil er nach Ansicht der Verteidigung aber zur Aufklärung zwingend beizutragen hat, wurde der Prozess vertagt und wird am Freitag, 18. Oktober, um 14 Uhr fortgesetzt. 

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