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Bestatter als Traumberuf: Die Menschen hinter den Kulissen

Urnenbeisetzung immer häufiger: Neben der typischen Beerdigung im Sarg werden Urnenbeisetzungen mit einem pflegeleichten Wiesengrab immer häufiger. Seltener werden teurere Diamantbestattungen im Werra-Meißner-Kreis in Anspruch genommen, bei denen die Asche des Angehörigen zu einem kleinen Diamanten gepresst wird. Auch See- und Weltraumbestattungen sind heutzutage möglich, wenn auch unüblich.
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Urnenbeisetzung immer häufiger: Neben der typischen Beerdigung im Sarg werden Urnenbeisetzungen mit einem pflegeleichten Wiesengrab immer häufiger. Seltener werden teurere Diamantbestattungen im Werra-Meißner-Kreis in Anspruch genommen, bei denen die Asche des Angehörigen zu einem kleinen Diamanten gepresst wird. Auch See- und Weltraumbestattungen sind heutzutage möglich, wenn auch unüblich.

Der Tod gehört für Bestatter zum Alltag dazu. Doch was zunächst sehr bedrückend klingt, ist für andere der Traumjob. Wir sprachen mit Bestattern darüber, wie sie ihren Beruf erleben.

Werra-Meißner – Der Tod ist für die meisten Menschen eine emotionale Ausnahmesituation, verbunden mit einem Gedankenkarussell aus tiefer Trauer. Sich als nahestehender Angehöriger eines Verstorbenen dann auch noch um Behördengänge und die Organisation der Trauerfeier kümmern zu müssen, kann schnell zu viel werden. Dann kommen Menschen ins Spiel, die im Verborgenen die Strippen ziehen und hinter den Kulissen alles Weitere regeln; die wissen, was im Falle des Falles zu tun ist und für die der Tod Alltag ist: die Bestatter und Bestatterinnen.

Dass der Tod zum Beruf wird, heißt aber nicht, dass man dadurch auch abstumpft. „Man ist auch ein Mensch. Wenn jemand stirbt und mich berührt das nicht mehr, müsste ich überlegen, ob ich in meinem Beruf richtig bin“, verdeutlicht Henning Bartels, Bestattermeister im gleichnamigen Institut in Eschwege. Aber wie wird man eigentlich Bestatter? Denn der 40-Jährige hatte in Göttingen zuerst eigentlich Jura studiert, wie er erzählt. In den Beruf sei er über die Familie seines besten Freundes, dessen Vater das Bestattungsunternehmen einst gegründet hatte, hineingerutscht.

Nach dem Tod des Vaters und auch dem seines besten Freundes hat Bartels das Unternehmen 2008 übernommen und führt es seitdem weiter. Die Wenigsten stünden morgens wohl auf und wollten Bestatter werden, meint er. Dennoch weiß er den Beruf zu schätzen. Es gehe darum, die Hinterbliebenen allumfassend zu unterstützen, für einen würdigen Abschied von einem geliebten Menschen zu sorgen und schlicht und einfach da zu sein.

Nach seinem ersten Fall in jungen Jahren habe er noch Berührungsängste gehabt, die sich jedoch schnell gelegt hätten. Bilder, die er aber länger im Kopf behalte, seien solche, die mit Suizid oder Feuer zu tun hätten, sagt er. Das seien sehr unschöne Erinnerungen, die glücklicherweise nicht alltäglich seien. Anspruchsvoll an dem Beruf sei sicherlich auch der Bereitschaftsdienst: 24 Stunden lang, jeden Tag, auch an Feiertagen, soll jemand erreichbar sein.

„Bestatter sein ist mein Traumberuf“, sagt Dirk Hochapfel aus Bad Sooden-Allendorf

„Bestatter sein ist mein Traumberuf“, sagt auch Dirk Hochapfel aus Bad Sooden-Allendorf. Man helfe den Menschen sowohl in der gesamten Organisation als auch in der Trauerbewältigung. Hochapfel ist erst später zu dem Beruf gekommen, zuvor war er in der Altenpflege, im Krankenhaus und im Rettungsdienst tätig. Da habe man zwangsläufig mit dem Tod zu tun, sagt er. „Ich wusste dadurch von Anfang an, wie ich mit Tod und Trauer umzugehen habe.“ Solch einen Umgang könne man nur schwer vermitteln, man brauche eine gewisse Grundempathie. „Auf den Tod kann man sich nicht vorbereiten.“

Dem stimmt auch Matthias Uthe vom gleichnamigen Bestattungshaus in Eschwege zu. Der Tod könne altersbedingt und absehbar – dadurch aber nicht unbedingt weniger schmerzhaft – sein, er könne aber auch plötzlich und viel zu früh kommen. Auch bei einem Leben, das noch gar keine Gelegenheit bekommen hat, um überhaupt zu leben. „Oft stelle ich mir selbst die Frage, welches die bessere Variante ist: der absehbare oder unerwartete Tod eines Menschen.“ Uthe kommt zu dem Schluss: Es gibt keine. Der Verlust eines geliebten Menschen schmerzt immer. Auch wenn er selbst als Angehöriger betroffen sei, habe er keinerlei Branchenvorteile.

Seine Aufgabe sei es daher, den Abschied so zu gestalten, dass die Hinterbliebenen den Tod akzeptieren können und möglichst positiv auf die gemeinsamen Erinnerungen schauen. Seine Aufgabe sei es auch, die Trauernden sachlich und fachlich mit einem „kühlen Kopf“ zu betreuen. Von Angst bis Zorn kommt es zu vielerlei emotionalen Ausbrüchen. Oft seien die Bestatter – diejenigen, die durch den Tod auch noch kapitale Gewinne erzielten – die Prellböcke. „Wut durch Trauer und Hilflosigkeit wird auf uns projiziert. Diese Rolle nehmen wir nicht nachtragend gerne an“, sagt Uthe. Fotos: chris cortis , bartels/privat

Von Jessica Sippel

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