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Täter nach Angriff auf Pizzaboten in Eschwege zu Freiheitsstrafe verurteilt

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Von: Stefanie Salzmann

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Vor dem Amtsgericht Eschwege wurde am Dienstag der 35-jährige Mann verurteilt, der einen Pizzalieferanten mit einem Baseballschläger geschlagen hatte.
Vor dem Amtsgericht Eschwege wurde am Dienstag der 35-jährige Mann verurteilt, der einen Pizzalieferanten mit einem Baseballschläger geschlagen hatte. © Foto: Harald Sagawe

Weil die Pizza angeblich zu spät kam, holt der Täter mit einem Baseballschläger aus. Das Eschweger Amtsgericht hat den Angreifer nun verurteilt.

Eschwege – Der 35-jährige Mann, der aus Ärger und Frust über eine angeblich verspätete Pizzalieferung mit einem Baseballschläger nach dem 29-jährigen Pizzaboten geschlagen hat (WR berichtete), ist am Dienstag vor dem Amtsgericht Eschwege zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt worden. Die Strafe wurde zu einer vierjährigen Bewährungsstrafe ausgesetzt.

Zudem muss der Mann 1400 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen.

Bei dem Strafmaß blieb das Gericht weit unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die den Angeklagten für drei Jahre und acht Monate hinter Gittern sehen wollte. „Wir reden hier über eine schwerste Straftat“, sagte Staatsanwalt Dr. Weigel. „Nur weil das Opfer dem Schlag erfolgreich ausgewichen ist, kann der Täter nicht straffrei bleiben.“ Die beiden Verteidiger plädierten auf einen minderschweren Fall, weil der Angeklagte nach dem ersten verfehlten Schlag, der die Wand traf, ja von seinem Angriffsvorhaben abgelassen habe. Angesicht des geringen Wertes sei eine Haftstrafe von zwei Monaten je zwei Euro „Wahnsinn in Tüten“.

Am 20. Dezember 2020 hatte der 35-Jährige seinen Geburtstag ins einer Wohnung gefeiert, es wurde reichlich Alkohol getrunken. Gegen Abend bestellte er telefonisch Pizza. Das Essen, eine Familienpizza mit vier Salaten und einer Flasche Cola zum Spezialpreis von 21,90 sei zu spät geliefert worden, daher habe er dem Boten die Fahrtkosten von vier Euro nicht zahlen wollen.

Der Bote hingegen sagte nach einhelliger Meinung von Staatsanwaltschaft und Gericht „glaubwürdig“ aus, dass der Angeklagte ihm zehn Euro geboten habe. Er telefonierte mit seinem Chef, der ihn anwies, das Essen wieder mitzunehmen, wenn nicht der volle Preis bezahlt werde. Der Angeklagte ging darauf zurück in die Wohnung und kehrt mit einem Baseballschläger zurück und schlug nach dem Boten, verfehlt ihn aber, weil dieser nach unten auf die Treppe ausgewichen war. Nach Aussage des Boten habe der Angeklagte das Essen genommen, ihm aber kein Geld gegeben. An dieser Darstellung gab es aus Sicht der Verteidigung Zweifel. „Ein alltäglicher Geschäftsvorgang ist aus dem Ruder gelaufen.“

Auch am zweiten Tag der Hauptverhandlung gegen den 35-jährigen Angeklagten, erklärten drei weitere Zeugen, entweder „nichts mitbekommen zu haben“ von den Ereignissen an der Wohnungstür oder sich nicht zu erinnern. Einig waren sie sich hingegen darüber, dass Geld für die Bezahlung der Pizza unter den Gästen gesammelt worden war.

Für zwei der drei gestern gehörten Zeugen kündigte der Staatsanwalt auch Verfahren wegen falscher Zeugenaussagen an. Ein solches Verfahren droht auch einem Zeugen, der bereits vergangene Woche ausgesagt hatte.

Von Stefanie Salzmann

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