Prozess vor dem Amtsgericht in Eschwege

Nach Angriff mit Schlagstock - Angeklagter gesteht: Er war „schräg drauf“ damals

Hessisch Lichtenau: Nach Attacke mit Schlagstock - Angeklagter gesteht vor dem Amtsgericht in Eschwege.
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Hessisch Lichtenau: Nach Attacke mit Schlagstock - Angeklagter gesteht vor dem Amtsgericht in Eschwege.

Vor dem Amtsgericht in Eschwege findet ein Prozess gegen einen Mann statt, der zwei Personen in Hessisch Lichtenau mit einem Schlagstock angegriffen hat.

  • Angriff in Hessisch Lichtenau: Ein 27-Jähriger attackiert zwei Männer mit einem Schlagstock.
  • Bei dem Prozess in Eschwege gesteht der Angeklagte.
  • Er entschuldigt sich bei seinem Opfer.

Eschwege - Ein 27-Jähriger aus dem Werra-Meißner-Kreis hat im April 2017 zwei andere Männer mit einem Teleskopschlagstock attackiert. Das sah das Amtsgericht Eschwege gestern nach der Beweisaufnahme als erwiesen an und verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von neun Monate. Die wird allerdings zur Bewährung ausgesetzt.

An dem Tag stand der 27-Jährige unter dem Einfluss von Antidepressiva und Alkohol. Wegen dieser Mischung sei er enthemmt, aggressiv und nicht in der Lage gewesen, die Realität richtig einzuordnen. So schilderte es die Richterin in Eschwege und stützte sich dabei auf das Gutachten eines Sachverständigen. Der Täter war vorher und nachher strafrechtlich nie in Erscheinung getreten, griff an diesem Tag in Hessisch Lichtenau aber zwei Männer wahllos an und bedrohte einen weiteren. 

Amtsgericht Eschwege: Angeklagter räumte Schlagstock-Angriff in Hessisch Lichtenau ein

Der 27 Jahre alte Angeklagte hat die Angriffe mit dem Teleskopschlagstock im Amtsgericht in Eschwege eingeräumt. Zunächst lief er mit 1,5 Promille und den Psychopharmaka im Blut unvermittelt in Hessisch Lichtenau auf die Straße.

Ein 43-jähriger Autofahrer musste eine Vollbremsung machen. Deswegen stieg das Opfer aus und wollte den Beschuldigten zur Rede stellen. Der zog aber seine Waffe und schlug dem Pkw-Fahrer an den Kopf. Daraufhin ergriff dieser in seinem Wagen die Flucht zur nächsten Polizeistation. Das war gegen 18.15 Uhr. Verletzt wurde der 43-Jährige „nur“ leicht mit einer Prellung.

In der Beschreibung dieses Ablaufs waren sich Täter und Opfer weitgehend einig. Später bedrohte der 27-jährige Angeklagte zunächst einen weiteren Mann mit dem Schlagstock, jedoch ergriff dieser noch rechtzeitig die Flucht. Ein 19-jähriger Syrer wurde in Hessisch Lichtenau zum nächsten Opfer.

Amtsgericht Eschwege: Schlagstock-Angriff in Hessisch Lichtenau durch Drogen, Alkohol und Antidepressiva entstanden

Ihn habe der Beschuldigte gefragt, welcher Nationalität er sei. Der Syrer antwortete mit der Wahrheit. „Dann hat er mich mit einem Lächeln im Gesicht als Scheiß-Terroristen bezeichnet und sofort auf die Schulter geschlagen“, sagte der Zeuge bei dem Prozess in Eschwege. Der Angeklagte stritt nichts davon ab.

Vor dem Amtsgericht in Eschwege erklärte er, er sei zu der Zeit des Schlagstock-Angriffs abhängig von Drogen (Kokain und Amphetamine), Alkohol und Antidepressiva gewesen. An dem Tag in Hessisch Lichtenau hat er nach eigenen Angaben mehrere Schnäpse und Biere getrunken und zudem die Psychopharmaka geschluckt. Diese führen, so erklärte es ein Sachverständiger, in manchen Fällen zu Aggressivität, Enthemmung und einer Verkennung der Realität. Und genau das wollte der Experte im Verhalten des Täters wiedererkannt haben.

Schlagstock-Angriff in Hessisch Lichtenau: Prozess vor dem Amtsgericht in Eschwege

Die HNA Witzenhausen* berichtete 2017 davon, dass ein 25-Jähriger in Hessisch Lichtenau unter Alkoholeinfluss mit einem Teleskopschlagstock auf zwei Männer losgegangen ist.

Amtsgericht Eschwege: Täter von Schlagstock-Angriff entschuldigte sich bei Opfer

Der 27-Jährige selbst entschuldigte sich später bei dem Syrer und bekräftigte auch gestern in der Verhandlung in Eschwege, dass ihm seine Taten leidtun. Den Schlagstock habe er damals, auch bei dem Vorfall in Hessisch Lichtenau, aus Selbstschutz dabei gehabt und berief sich auf Gewalterfahrungen in Kindheit und Jugend. Das bestätigte der Sachverständige und attestierte dem Mann eine Angststörung samt Depressionen. Vermindert schuldfähig war er aber wegen des Mischkonsums von Antidepressiva und Alkohol.

Mittlerweile ist der Angeklagte nach viel Therapiearbeit trocken. Er erklärte auch noch in der Verhandlung Rechtsmittelverzicht und akzeptierte das Urteil. In der Zeit damals und auch bei dem Angriff in Hessisch Lichtenau sei er durch seine Suchterkrankungen in Verbindung mit den Medikamenten „schräg drauf“ gewesen. Vor Gericht machte er einen höflichen, sachlichen Eindruck, wie der Sachverständige in Eschwege feststellte – das sei auch der Normalzustand ohne den Konsum von Alkohol oder Drogen.

Von Florian Künemund

Nicht der einzige Schlagstock-Angriff? Ähnliche Vorfälle in und um Eschwege

23-Jähriger aus Eschwege in Bebra mit Schlagstock*, Drogen und gestohlenem Kennzeichen, aber ohne Führerschein unterwegs: Gleich mehrere Verfahren hat die Staatsanwaltschaft gegen einen 23-jährigen Eschweger eingeleitet, der in Bebra-Breitenbach angehalten wurde.

31-jähriger aus Eschwege wird mit Schlagstock verletzt*:  Bei einer Schlägerei in Reichensachsen hat ein 31-jähriger Eschweger in der Nacht zu Sonntag eine Platzwunde am Kopf erlitten.

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Quelle: Werra-Rundschau

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