Bündnis gegen Rechts

„Bunt statt braun“: Wahl zur neuen Führungsriege von großen Diskussionen begleitet

Wurde nicht wieder in den Ko-Kreis gewählt: Michael Krämer – hier bei einer Kundgebung gegen die AfD in Schwebda – gehörte dem Gremium seit 2013 an, hatte sich aber wegen seiner Kritik unbeliebt gemacht.
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Wurde nicht wieder in den Ko-Kreis gewählt: Michael Krämer – hier bei einer Kundgebung gegen die AfD in Schwebda – gehörte dem Gremium seit 2013 an, hatte sich aber wegen seiner Kritik unbeliebt gemacht.

Das Aktionsbündnis gegen Rechts im Werra-Meißner-Kreis „Bunt statt braun“ hat einen neuen Koordinierungskreis gewählt. Die Wahl lief nicht ohne große Personal-Diskussionen ab.

Eschwege - Dem neuen siebenköpfigen Führungsgremium gehört im Wesentlichen die alte Mannschaft an der Spitze des Bündnisses mit Andreas Heine, Waltraut Eisenträger-Tomcuk, Evelina Tolpina, und Simon Wiese an. Neu in dem sogenannten Ko-Kreis sind Lothar Dietrich, Julia Kapinus und Helga Rüss. Heike Matthies stellte sich nicht zur Wiederwahl.

Proteste zur Wahl des Koordinierungskreises

Obgleich vor dem Wahlgang eine paritätische Besetzung des Ko-Kreises beschlossen worden war, kamen die beiden für Platz sieben gewählten Männer Detlef Leps und Michael Krämer nicht zum Zug – mit dem Argument, dass sie mit zehn Stimmen nicht die erforderlichen 50 Prozent der 35 abgegebenen Stimmen erreicht hatten. Stattdessen wurde Helga Rüss in den Kreis gewählt. Dieser von Wahlleiter Uwe Laubach favorisierte Verfahrensweg wurde trotz Protesten mehrheitlich angenommen.

Aussprache über gegenwärtige Situation bei „Bunt statt braun“

Einberufen war die Versammlung des Bündnisses, so war der Einladung zu entnehmen, um eine Aussprache über die gegenwärtige Situation innerhalb von „Bunt statt braun“ zu führen. Mit seiner Kritik am Umgang von „Bunt statt braun“ mit der AfD hatte Michael Krämer, der dem Ko-Kreis seit 2013 angehört, die Führungsmannschaft vor eine Zerreißprobe gestellt. Krämer hatte die Unteilbarkeit des Rechts eingefordert und daran appelliert, das Aktionsbündnis auf breitere gesellschaftliche Füße zu stellen, um unter anderem zu vermeiden, dass es von parteipolitischen Interessen für jeweilige Zwecke instrumentalisiert wird.

Aus diesem Grund hatte Krämer auch immer wieder appelliert, Bunt statt Braun in einen rechtsfähigen Verein umzuwandeln. Das lehnte die Vollversammlung am Dienstagabend allerdings ab. „Michael Krämer will das Bündnis zubetonieren“, sagte Lothar Dietrich und bezeichnete Krämer als „Spalter“. „Du kannst hier nichts mehr werden“, sagte er zu Krämer. Zwar wurde eine Umwandlung in einen Verein abgelehnt, die Anwesenden verständigten sich aber darauf, dass sich „Bunt statt braun“ eine Geschäftsordnung gibt, die das neue Führungsgremium entwickeln und zur Abstimmung stellen soll.

Persönliche Angriffe gegen Michael Krämer

Dreh- und Angelpunkt der mehr als dreistündigen Versammlung, die von dem SPD-Landtagsabgordneten Lothar John moderiert wurde, war jedoch die Person des ehemaligen Richters Michael Krämer, der mit seiner Kritik für die Krise des Aktionsbündnisses verantwortlich gemacht wurde. Heike Matthies hatte noch Ende vorigen Jahres den Ko-Kreis verlassen.

Nachdem im Januar der Ko-Kreis Krämer zum Rücktritt aufgefordert hatte, war im Februar dieses Jahres auch Elvina Tolpina zurückgetreten. „Wir waren immer darauf bedacht, dass es keine radikalen Aktionen gibt und wir eine gemäßigte Mittellinie vertreten. Beide Strömungen im Bündnis zusammenzubringen war zuletzt unmöglich“, erklärte Elvina Tolpina ihren Rücktritt aus dem Führungsgremium. Sowohl Lothar Dietrich als auch Simon Wiese erklärten, dass sie für das Führungsgremium nur zur Verfügung stehen, wenn Michael Krämer diesem nicht angehört.

„Ich muss an Mobbing denken“, sagte das neue Ko-Kreis-Mitglied Julia Kapinus, die bisher wenig in die Arbeit von „Bunt statt Braun“ aktiv involviert war. „Ich habe das Gefühl, hier sitzt Michael Krämer heute auf der Anklagebank“, sagte sie. Wanfrieds Bürgermeister Wilhelm Gebhard sagte: „Ich finde es bitter, wenn ein Mann wie Michael Krämer hier stigmatisiert wird. Wenn er nicht ein Mann gegen Rechts ist, dann wüsste ich nicht wer.“ (Stefanie Salzmann)

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