Bunte Socken als Extravaganz

24 Jahre war er Eschweges Bürgermeister – heute wird Jürgen Zick 70

Ganz im Privaten angekommen: Jürgen Zick mit seinem jüngsten Enkelsohn Jonas, der jetzt eineinhalb Jahre alt ist.
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Ganz im Privaten angekommen: Jürgen Zick mit seinem jüngsten Enkelsohn Jonas, der jetzt eineinhalb Jahre alt ist.

Viele seiner Geburtstage hat Jürgen Zick beinahe zwangsläufig auf Eschweges größter Party gefeiert – dem Johannisfest.

Eschwege - „Viele Schoppen habe ich im Bermudadreieck des Festzeltes ausgegeben“, erzählt er, wobei er sich immer an den Grundsatz gehalten habe, „nicht austrinken, nur antrinken“. „Sonst hätte das ein böses Ende mit mir genommen.“

Heute feiert Jürgen Zick, der 24 Jahre Eschweges Bürgermeister war (1984 bis 2009), seinen 70. Geburtstag – im engsten Familienkreis mit seinen Kindern, vier Enkeln, Schwiegermutter und Lebensgefährtin Käthe.

„Ich bin sehr im Privaten angekommen“, sagt Zick, der auch über die persönlichsten Dinge bis heute druckreif und irgendwie staatsmännisch spricht, während er in feuerroten Socken auf dem Sofa sitzt. Die seien kein sozialdemokratisches Statement, sondern eine im Verlauf der letzten Jahre gewachsene Extravaganz in puncto farbenfroher Fußmode.

Im Frühjahr zog sich Zick aus allen politischen Ämtern zurück

Im Frühjahr dieses Jahres hat sich Zick endgültig aus allen politischen Ämtern zurückgezogen, wie unter anderem dem Kreistag und dem Aufsichtsrat des Klinikums. „Ich will Platz machen und andere mit neuen Ideen nicht blockieren“, sagt er und zitiert seinen alten Lehrmeister Landrat Eitel Höhne: „Hör auf, wenn es den Leuten leidtut und nicht, wenn sie dich leid sind.“

Sein Abschied als Bürgermeister am 30. November 2009 war eine Zäsur, aber auch eine positive, die ein neues Kapitel in seinem Leben aufschlug, das bis dato vor allem durch sein Amt geprägt war. „Es war eine neue Erfahrung, morgens aufzuwachen und nicht in der Verantwortung zu stehen. Ich wurde vom Gestalter zum Zuschauer“, sagt Zick. Im Nachhinein sei er dankbar, denn dadurch habe er noch ein paar gute Jahre mit seiner Frau verbringen können, die 2017 starb. „Als sie noch gearbeitet hat, hab ich mittags gekocht und an den Vormittagen meinen ersten Enkel betreut.“

„Wollte kein politischer Zwischenrufer sein“

Zick, der jetzt seit fast genau 50 Jahren Mitglied der SPD ist, beobachtet und verfolgt das politische Geschehen aufmerksam und kritisch wie eh und je. Beinah nie hat er sich seit seinem Ausscheiden aus dem Amt zur Stadtpolitik öffentlich geäußert. „Ich wollte kein politischer Zwischenrufer sein, habe aber zu allem, was hier passiert, eine Meinung“, sagt er, ohne Beispiel zu nennen.

Wirklich traurig mache ihn die Tatsache, dass seine Partei bundesweit nur noch zwischen 14 und 16 Prozent liege. „Im Moment ist da auch meine Leidensfähigkeit erschöpft“, sagt er.

Zick wird nicht gerne 70

Dennoch wirkt Zick zufrieden und heiter, krempelt mit seiner Lebensgefährtin das Haus um, in dem er nach dem Tod seiner Frau auch einige Jahre allein lebte, und freut sich an dem, was er ein „spätes Glück“ nennt. Über seine quirlige und schlaue Freundin sagt er: „Solche Menschen faszinieren mich.“

Und trotzdem werde er „nicht gern 70“. Das sei eine Schwelle, mit der man sich erst anfreunden müsse. „Die Dinge im Leben werden überschaubarer.“ Auch wenn man Nackenschläge hinnehmen muss, müsse man dem Leben immer wieder etwas abtrotzen. „Wir sind im Jetzt-oder- nie-Alter und sollten dem Leben etwas abgewinnen.“ (Stefanie Salzmann)

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