Priorisierungsgruppe 2

Hohes Risiko für Hausärzte: Mediziner kritisieren Corona-Impfpriorisierung

Bei einer jungen Frau wird mit einem Stäbchen ein Abstrich auf Corona genommen.
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Bei einer Frau wird ein Corona-Abstrich genommen. (Symbolbild)

Niedergelassene Ärzte des Werra-Meißner-Kreises kritisieren, dass sie nicht der höchsten Priorisierungsgruppe für die Coronaimpfungen angehören.

Werra-Meißner – Niedergelassene Ärzte gehören nicht der höchsten Priorisierungsgruppe an, wenn es um die Coronaimpfungen geht, sondern stehen nur an zweiter Stelle. „Das wundert mich sehr und ist völlig unlogisch. Wir müssten mit an erster Stelle stehen“, betont der Wanfrieder Hausarzt Helmut Pippart.

Arztpraxen trügen auch mit Hygienemaßnahmen ein sehr hohes Risikopotenzial, denn täglich kämen viele Patienten in die Praxen – alle mit Krankheitssymptomen, jeden Tag andere. „Jetzt erst hatten vier Patienten Corona“, erzählt Pippart.

Das kritisiert auch die Witzenhäuser Allgemeinmedizinerin Antje Meier-Kleemann. „Uns ärgert das sehr.“ In ihrer Praxis macht sie Coronaabstriche, etwa bei Lehrern und Erziehern, die sich regelmäßig testen ließen. Auch gebe es immer wieder Patienten, die trotz der typischen Symptome einfach in die Praxis kommen.

Ohne Impfung seien die Mitarbeiter ungeschützt, die medizinische Versorgung gefährdet. Denn gibt es einen Fall im Team, müsse die Praxis für zwei Wochen schließen. Dann müssten die Kollegen im Ort ihre Patienten auffangen. Als Substitutionsärztin behandle sie zudem Obdachlose und Menschen im Drogenersatzprogramm, die auf ihre Hilfe nicht verzichten könnten.

Liste beim Eschweger Impfzentrum für übriggebliebenen Impfstoff

Als Covid-Schwerpunktpraxis seien bei den Hausärzten am Bahnhof in Eschwege zwar alle Mitarbeiter geimpft, erklärt der Allgemeinmediziner Bernd Heinemann. Jedoch sei es wünschenswert, wenn alle Ärzte und medizinisches Personal wegen des hohen Infektionsrisikos der höchsten Priorisierungsgruppe angehörten. Verständlich sei dabei, dass wegen geringer Mengen nur schrittweise geimpft wird.

Alternativ haben sich einige Ärzte beim Eschweger Impfzentrum auf eine Liste setzen lassen, falls Impfdosen übrig bleiben. In diesem Fall würden sie unverzüglich verteilt werden, erklärt Christiane Hemgesberg, Leiterin des Impfzentrums. Zwischen 60 und 70 Personen stünden mit Schwankungen auf dieser Liste. Allerdings sollten die registrierten Personen nicht über diesen Weg auf eine Impfung warten. „Dass wirklich Dosen übrig bleiben, ist selten der Fall.“ (Von Jessica Sippel)

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