Dachbodentheater im Freien

Dachbodentheater: Open-Air-Premiere mit vier Episoden des Tatortreinigers in Oberhone

Intime Gespräche: Der Tatortreiniger (Matthias Schäfer) wird dort, wo sich menschliche Tragödien abgespielt haben, immer wieder in skurrile Situationen verwickelt. Hier mit einer Prostituierten (Susann Schäfer).
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Intime Gespräche: Der Tatortreiniger (Matthias Schäfer) wird dort, wo sich menschliche Tragödien abgespielt haben, immer wieder in skurrile Situationen verwickelt. Hier mit einer Prostituierten (Susann Schäfer).

Komödie mit viel Sarkamus und trockenem Wortwitz: Dachbodentheater geht in Oberhone mit dem an die gleichnamige TV-Serie angelehntem Stück „Tatortreiniger“ Open-Air.

Oberhone – Konzertbühne, Zuschauer-Pavillon, Fackeln, kreative Beleuchtung, bunt geschmückte Tische – und ringsum Wiesen und Felder: Das „Dachbodentheater“ im Schäferhof hat sich pandemiebedingt stark gewandelt und dabei keineswegs an Charme und Gemütlichkeit verloren. Freitagabend präsentierte das erfahrene Team erstmals den „Tatortreiniger“, eine episodenbasierte Adaption der gleichnamigen Fernseh- und Streaming-Serie.

„Der ganze Abend fühlt sich wie Urlaub an“, zeigen sich Nadja und Harald Aschenbrenner fasziniert von der idyllischen Atmosphäre und dem kurzweiligen Abendprogramm; durch die Pandemie lerne man die Angebote vor der Haustür besonders zu schätzen. Dem schlossen sich auch rund 80 weitere Zuschauer am Freitagabend und viele weitere, welche die kommenden Veranstaltungen größtenteils ausgebucht haben, an.

Die Komödie brilliert mit trockenem Wortwitz und keckem, teilweise unorthodoxem und wahnwitzigen Humor. Matthias Schäfer überzeugt als Tatortreiniger mit naiv-chauvinistischem Charakter und lebhafter Leichtsinnigkeit. In vier Akten werden erlesene Szenen aus der gleichnamigen Serie aufgeführt: In einem Hotelzimmer zeigt sich, mit welchen Schrecken eine Prostituierte, gespielt von Susann Schäfer, zu kämpfen hat; da taucht auch mal ein seelenloses Ohr im Berufsalltag eines Tatortreinigers auf.

Vorurteile bei der Namenswahl: Schotty (Matthias Schäfer) im Gespräch mit einer Schwangeren (Birte Paasch).

Herzhaften Sarkasmus präsentiert Sven Kaspar-Lange als exzentrisch-autoritärer Chef einer Beratungsfirma: Der notorische Optimierer weiß nicht nur seine Mitarbeiter, sondern auch den Tatortreiniger mit besonderen „Reinigungs-Prüfungen“ unter Druck zu setzen. Dabei sah man im Publikum nicht selten, wie einige Zuschauer von ihrer Begleitung angestupst wurden, um die Ohren zu spitzen – schließlich ließen sich so einige Ratschläge fürs Putzen aufschnappen.

Birte Paasch verwickelte den Reiniger als hochschwangere Mutter in kritische Gespräche zu weiblicher Souveränität und Vorurteilen bei der Namenswahl – bevor die Geburt einsetzte: „Oha, bitte hören Sie auf! Ich kann das nicht mit ansehen!“, packt den Tatortreiniger die Panik.

Die Pointe erreichte der Abend bei einer Szene in einer verfluchten Villa mit skurrilen Reimen, welche die Grenze zur Kuriosität überschritten und die Vielseitigkeit der Inszenierung unterstrich. Irrwitzig und modern folgt die Komödie einerseits einer linearen, fragmentierten Handlung, aber bietet andererseits mit herzhaft-trockenem Humor Unterhaltung für jedermann. (Von Lorenz Schöggl)

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